Tagblatt Online, 10. Dezember 2008 01:01:20
Eva Flury zeigt Weg aus dem Chaos
Hilft Messies aus dem Chaos – Eva Flury aus Brunnadern bietet mit «mess-weg» Betroffenen Unterstützung an. (Bild: Bild: Melanie Graf)
Wenn Sammeln Leiden schafft, hilft Eva Flury aus Brunnadern den Betroffenen. Sie begleitet Messies auf ihrem «mess-weg». In Kontakt mit Messies ist sie vor einigen Jahren beruflich gekommen. Als sie weitere Betroffene kennen lernte, beschloss sie, Messies zu helfen.
Melanie Graf
Brunnadern. Sammeln ist Leidenschaft. Für viele Menschen kann das zu einem grossen Problem werden. Messies sammeln viel und gerne, können sich von nichts trennen. Der Begriff Messie kommt aus Amerika, «mess» bedeutet Chaos und Unordnung.
Überfordert mit Unordnung
Den Messies wächst die Unordnung über den Kopf. In manchen schlimmen Fällen gibt es in ihrer Wohnung kein Durchkommen mehr. Den betroffenen Menschen ist meist von ihrem Problem nichts anzumerken. «Messies sind oft gebildet und kommunikativ. Sie leiden jedoch sehr unter der Unfähigkeit, ihren Haushalt und Alltag zeitlich und räumlich zu organisieren», schreibt der Verband Lessmess auf seiner Internetseite.
Messies werden oft mit Müll und Verwahrlosung in Verbindung gebracht, das ist jedoch nicht immer der Fall. Im Forum des Verbandes schreibt eine Angehörige: «Bis anhin hatte ich angenommen, dass Messies verwahrloste Menschen sind, die im eigenen Müll leben, so wie man es manchmal in Schock-Dokumentationen im Fernsehen zu sehen bekommt.» Ihr Mann sei ein Technik Messie, «ein Genie mit unzähligen Interessen. Unser ganzes riesiges Haus ist von der letzten Kellerecke bis auf den Dachboden voll mit Motorradteilen, Autoteilen, Computern, Dampfmaschinen, Kabeln, Steckdosen und Elektrogeräten.»
Messies auf dem «mess-weg»
Eva Flury kam vor einigen Jahren mit Messies in Kontakt. Zu der Zeit arbeitete sie als Sozialpädagogin in einer Wohngemeinschaft für leicht behinderte Menschen. Unter den Bewohnenden befand sich ein Messie.
Später habe sich eine Bekannte zum Messietum geoutet, berichtet Eva Flury. Am letzten Sommerfest des Verbandes Lessmess habe sie viele Betroffene kennen gelernt und beschlossen, Menschen, die unter dieser Sucht leiden, zu helfen. Mit «mess-weg» will sie Betroffenen Mut machen und unterstützt beim Aufräumen, Aussortieren, Verstauen und Ordnen. «Das Problem ist, dass sich Messies oft nicht von ihren Dingen trennen können», sagt Eva Flury. Im Gegensatz zu Menschen mit dem Verwahrlosungs-Syndrom oder Wohn-Nomaden, haben Messies grosse Mühe sich von ihren Sammelsurien zu trennen. Auf die Frage, ob nun jeder ein Messie ist, der eine grosse Sammlung vorweisen kann, antwortet Eva Flury: «Das Messietum beginnt dann, wenn man sich in seiner eigenen Wohnung nicht mehr wohl fühlt. Wenn man beginnt, sich für den Zustand seiner Wohnung zu schämen und sich immer mehr isoliert.» Manchmal sei es schwierig sich einzugestehen, dass man ein Messie sei und Hilfe braucht. Ihr Angebot spricht Privatpersonen und soziale Institutionen an, beispielsweise Sozialstellen, Spitex und Behinderteninstitutionen. Eva Flury zieht in ihrem Engagement allerdings Grenzen und beschränkt ihr Angebot auf Unterstützung in der Umsetzung der äusseren Problematik. «Ich bin keine Psychologin», sagt sie. Eine tiefergehende, die Ursachen aufgreifende Arbeit überlasse sie einem Spezialisten. Sie wäre allerdings nur zu gerne bereit, beim Ausbau und organisieren einer Selbsthilfegruppe für Messies im Kanton St. Gallen zu helfen.
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