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Tagblatt Online, 01. September 2010 01:01:14

Brettchen für Brettchen

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Schindelmacher Josef Bischof hat in seiner Werkstatt in Oberhelfenschwil viel zu tun – Holzschindeln sind wieder gefragt. (Bild: Bilder: mgr)

OBERHELFENSCHWIL. Fassaden aus Holzschindeln erleben eine Renaissance. Schindeln sind wieder modern geworden. Josef Bischof ist Schindelmacher und gewährt einen Einblick in seine Werkstatt und das uralte Handwerk.

Melanie Graf

Rittlings sitzt Josef Bischof auf dem Schindelbock, drückt die Schneide des Schindelmessers in einen Klotz aus Tannenholz. Dann sprengt er dem Faserverlauf nach ein dünnes Brettchen heraus. Mit dem Schindelmesser arbeitet er das Stück Holz aus, schabt herausstehende Späne weg. Das Brettchen legt er sorgfältig auf einen Stapel zu seiner Rechten. Die Späne wischt er auf einen Haufen zu seiner Linken und legt das Schindelmesser für eine weitere Schindel an.

Jede Menge Schindeln

Während der 89-Jährige arbeitet, scheint die Uhr langsamer zu ticken. Arbeiten unter Zeitdruck ist für ihn dennoch kein Fremdwort. Schindelfassaden sind wieder modern geworden, das stellt auch der Schindelmacher fest. Auch die Oberhelfenschwiler Kirchgemeinden schätzen die Natürlichkeit des Holzes. Vor knapp zwei Jahren wurde die Abdankungshalle neben dem Friedhof gebaut. Die Fassade besteht aus unbehandelten Schindeln, die im Laufe der Zeit verwittern. Die Schindeln für die Fassade stammen aus Bischofs Werkstatt.

Viele Tage habe er daran gearbeitet. Wie viele Schindeln es gewesen seien, wisse er nicht. «Jede Menge», antwortet er knapp und lacht.

Bergtanne am besten geeignet

Oft könne er sich für das Schindelnmachen Zeit nehmen, doch manchmal habe er sehr viel Arbeit, sagt er. Er zeigt auf unzählige, mit Strohballenschnur zu Bündeln zusammengebundene Schindeln, die er in seiner Werkstatt gestapelt hat.

«Die kommen bald weg», so Bischof und fügt an, manchmal gäbe es so viel zu tun, dass der Zimmermann die Schindeln täglich abholen würde. Den Auftrag Schindeln zu machen, bekomme er hauptsächlich von einem Zimmermann im Dorf. Dieser bringe ihm auch das Holz dafür. Das beste Holz für Schindeln, so weiss der Schindelmacher, komme aus dem Alpgebiet, von der Bergtanne. Früher sei er selbst oft «im Holz» gewesen, habe die Bäume noch von Hand gefällt. Der Stapel Schindeln zu Bischofs Rechten wird höher.

Schindel um Schindel spaltet er aus dem Holzklotz. Der Schindelmacher wirkt bei seiner Arbeit zufrieden. Täglich ist er in der Werkstatt anzutreffen, von morgens bis abends. Er habe ja das ganze Leben gearbeitet, sei fast nie in den Ferien gewesen und um krank zu sein habe er einfach keine Zeit gehabt, sagt er. Seit zehn Jahren wohnt der ehemalige Bergbauer aus dem Obertoggenburg in Oberhelfenschwil. Vor vier Jahren wurde er Witwer. Seither wohnt der siebenfache Vater bei einer seiner Töchter und dessen Mann.

Seine Werkstatt steht neben dem Wohnhaus an der Hauptstrasse Richtung Wigetshof. Das Fenster zur Strasse steht offen. Man hört die Autos vorbeifahren. Jemand hupt. Bischof lacht wissend und lugt unter seinem Hut hervor. «Der hupt immer beim Vorbeifahren», sagt er und widmet sich einer weiteren Schindel zu, dabei erzählt er weiter. Er sei auf einem Bergbauernhof in Stein aufgewachsen.

«Ruchwetterarbeit»

Das Machen der Schindeln habe er in jungen Jahren bei einem Schindelmacher abgeschaut. «Bis man es erfasst hat wie es geht, braucht es seine Zeit», so Bischof. Er sah das Schindelmachen als Schlechtwetterarbeit. Dann wenn es «ruch» war. Heute macht Bischof auch bei schönem Wetter Schindeln. Er sei diesen Sommer zwar bei seinem Sohn auf der Alp gewesen, aber er könne einfach nicht mehr so zupacken. Sein Knie macht ihm zu schaffen. «Beim Schindelnmachen kann man sitzen.

Aber auf den Abend hin», sagt Bischof und hält seine Arbeit inne, «bin ich dann auch müde».





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