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Tagblatt Online, 23. August 2010 08:13:00

Ausstellung eines malenden Poeten

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Jörg Nef war mit Karl Uelliger befreundet und erzählte den Vernissagebesucherinnen und -besuchern von Uelligers Naturell und über die Entstehung seiner Bilder. (Bild: Bild: em)

ST.PETERZELL. Die diesjährige Ausstellung in der ehemaligen Propstei St. Peterzell ist den Bildern Karl Uelligers (1914–1993) gewidmet. Am Freitag fand die Vernissage der Ausstellung «Alperose-Zit und Suuf-Sonntig» statt.

esther meier

«Gsieht wunderbar und sauguet us», mit diesen Worten lobte Gastredner Jörg Nef die Arbeit von Roman Menzi, dem Kurator der Propstei St. Peterzell. Zum neunten Mal konnte der Verein «Ereignis Propstei» zu einer Vernissage einladen. Eröffnet wurde der Anlass durch Jan Sigwart, alias «One&Only», der mit Gesang und Mischpult das Publikum unterhielt.

Zwei Werke aus einem Zyklus

In der anschliessenden Begrüssung bedankte sich Vereinspräsident Ruedi Pfister bei den vielen Helfern. Deren Einsatz sei Voraussetzung für die Realisierung eines solchen Projektes. Ausserdem klärte er den Ursprung des Ausstellungstitels. Sowohl «Alperose-Zit» als auch «Suuf-Sonntig» sind Namen zweier Werke des Bildzykluses. Nach der Verdankung der Sponsoren übergab Pfister das Mikrophon an Jörg Nef, einem Freund Karl Uelligers. Nef war zudem Chefarzt des Spitals Flawil, wo sich gegenwärtig 80 Kunstwerke Uelligers befinden.

In seiner Ansprache ging er nicht nur auf das Schaffen Uelligers ein, sondern vermochte auch einen Eindruck seiner Persönlichkeit zu vermitteln.

Getaufte Bilder

«Ein malender Poet oder ein poetischer Maler?» Diese Frage stellte sich Jörg Nef in Bezug auf eine Eigenart Uelligers. Alle seine Bilder tragen phantasievolle Namen, die oft kleine Kunstwerke für sich sind. Man denke nur an die entwaffnend ehrliche Wortkreation «Suuf-Sonntig».

Welch grosse Bedeutung er den Titeln beimass, verdeutlichte eine Anekdote von Nef. Bei einem spontanen Besuch in Dicken, habe er den Maler in der Stube angetroffen, umgeben von einigen seiner Aquarelle. «Ich bin gerade am Taufen. Warte, ich muss sie nur noch kurz wegräumen», erklärte er dem verwunderten Jörg Nef. Nach Beendigung des offiziellen Teils, hatten die Besucher Gelegenheit, die Bilder in Ruhe zu betrachten.

«Schüürlilüt» im Dachstock

Die 69 ausgestellten Bilder der Serie «Mein Jugendbilderbuch» sind geprägt von Erinnerungen an Uelligers Kindheit. Sie zeigen Alltagsszenen, oft sind aber auch Motive von Sagen und Geheimnisvollem darunter. Entstanden sind die Werke 1968 und 1969, kurz nachdem Karl und Hannah Uelliger nach Dicken gezogen sind. Gut ein Viertel der Bilder stehen im Zeichen des Sommerhalbjahres, die restlichen 43 zeigen Winterszenen.

«Schliesslich ist der Winter im Neckertal ja auch länger als der Sommer», gibt Jörg Nef einen Erklärungsansatz für dieses Ungleichgewicht.

Ergänzt wird die Ausstellung durch 20 Fotografien der «Schüürlilüt», aufgenommen von Michael Rast nach Uelligers Tod. «Schüürlilüt», das sind aus Abfallmaterialien gestaltete Wesen und befanden sich im Dachstock des «Uelliger Hauses». Im Ausstellungsraum verteilt befinden sich zusätzlich vier Tischvitrinen mit Skizzen und Postkarten des Künstlers.

Besichtigung zum Abschluss

Die Ausstellung in der ehemaligen Propstei dauert bis am 19. September. Am Sonntag, 29. August, findet ein spezieller Anlass mit Puppenspieler Kurt Fröhlich statt. Höhepunkt und Abschluss der Ausstellung wird die Besichtigung des «Uelliger Hauses» am 19. September sein.

Weitere Informationen unter www.ereignisse-propstei.ch




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