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Tagblatt Online, 03. September 2010 01:02:58

Abenteuer ohne Sturm und Piraten

Zoom

Michael Hug hat eine Seereise auf einem grossen Containerschiff unternommen, die auch durch den für Piraterie bekannten Golf von Aden führte. Die Linien markieren den von Kriegsschiffen abgesicherten internationalen Korridor zwischen Somalia (unten) und dem Jemen (oben). (Bild: Bild: Matthias Giger)

Michael Hug hat im Februar eine Seereise auf einem riesigen Containerschiff unternommen. In einem Bildvortrag hat der freischaffende Journalist von der Reise berichtet. Obwohl sich am Horizont weder ein Sturm noch Piraten blicken liessen, hat er die Erlebnisse als kleines Abenteuer verbucht.

Sie hätten echte Schweizer Cervelats erbeuten können, die Piraten vor der Küste Somalias. Der freischaffende Journalist Michael Hug hatte welche im Gepäck, als er in Malta an Bord des Containerschiffes gegangen ist. Im Freihafen von Malta begann seine aussergewöhnliche Seereise, die ihn durch den Suezkanal bis in die Vereinigten Arabischen Emirate führen sollte.

Im Hafen erhielt er auch einen ersten Eindruck von den immensen Ausmassen des Schiffes (siehe Kasten), das für die nächsten elf Tage und 6500 Kilometer sein Zuhause sein sollte.

Aussicht adieu

An seinem Vortrag im Weidhof in Oberhelfenschwil, wo der Reisereporter derzeit in einem Zirkuswagen lebt, zeigte er auch ein Bild seiner Kabine und der Aussicht. Der Blick aus der Kabine sei aber bald einmal von Containern verstellt worden. Zeit für Hug, sich auf dem Schiff umzusehen.

Bewegen durfte er sich frei auf dem riesigen Frachter. Er unterhielt sich mit der Crew und erfuhr vom Kapitän und den Offizieren so einiges über die moderne Seefahrt. Frachtschiffe haben auch heute noch eine grosse Bedeutung, was den Transport von Gütern betrifft. So werden drei Viertel der Weltfracht per Schiff und zwei Drittel davon auf Containerschiffen transportiert. Welcher Container wo auf dem Schiff zu liegen kommt, wird von einem Computer errechnet. Dabei werden die Container so plaziert, dass das Gewicht optimal auf dem Frachter verteilt ist.

Schlecht beladene Schiffe können leicht kippen – bereits im Hafen oder bei rauher See.

Höhepunkt Suezkanal

Von Malta ging es zunächst in Richtung Ägypten. Vor der Stadt Port Said wartete auf Michael Hug der Höhepunkt seiner Reise: Der Suezkanal. Vor der Einfahrt in den Kanal zeigte der Bildschirm des Radars eine virtuelle Strasse, auf der sich ein Schiff hinter dem nächsten einreihen muss. Der 161 Kilometer lange Suezkanal verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer.

Die Durchfahrt erspart einen Weg von 5000 Meilen rund um den afrikanischen Kontinent herum. Entsprechend hoch ist seine Bedeutung – global und auch für Ägypten. Sage und schreibe fünf Milliarden Dollar beschert er dem Land jährlich an Staatseinnahmen. Diese seien fast netto, da der Aufwand, welcher der Staat mit dem Kanal habe dagegen verschwindend gering sei, so Michael Hug. Während der Fahrt durch den Kanal ist permanent ein Lotse an Bord jedes Schiffs.

Entlang des Kanals gibt es zahlreiche grüne Oasen, die vom Nil her bewässert werden und auch eine Menge Militärs.

Kein Pirat in Sicht

Mit dem Wetter hatte Michael Hug Glück. Die See war während seiner elftägigen Reise praktisch windstill – von Sturm war keine Rede. Dennoch merkt man seinem Tonfall an, dass er es gerne etwas stürmischer gehabt hätte auf seiner Reise. Nebst Michael Hug befand sich ein weiterer Passagier auf dem Containerschiff. Der amerikanische Autor David Robins recherchierte für seinen Roman über Piraterie.

Er hätte wohl gerne im Golf von Aden einige Piraten zu Gesicht bekommen, zumal diese mit ihren Booten dem riesigen und schnellen Schiff kaum hätten Herr werden können. Auch wenn die Piraten ausblieben – sehr zum Leidwesen des Autors aus den USA – hat Michael Hug seine Reise genossen.

Die Cervelats fielen übrigens gegen Ende der Seereise einem gediegenen Barbecue auf der Hydra zum Opfer. Matthias Giger

Am 14. Oktober hält Michael Hug seinen Bildvortrag über die Reise auf dem Containerschiff erneut um 20.30 Uhr im Gare de Lion in Wil. Seine Erlebnisse auf dem Frachter hält Reisereporter Michael Hug mit weiteren Erlebnissen in einem Buch fest. Wann das Buch erscheint, ist noch offen. Unter www.globoship.ch lässt sich eine Frachtschiff-Reise buchen.




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