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Tagblatt Online, 16. August 2010 01:02:47

1000 Jahre für einen Meter Höhe

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Christian Meienberger (links) von Pro Natura St. Gallen/Appenzell erklärt die Spezialitäten eines Hochmoors – zum Beispiel das Torfmoos. (Bild: Bilder: Katharina Rutz)

Mit der zweiten Etappe des Aufwertungsprojektes Salomonstempel ist die Wiederherstellung des Hochmoors in Ebnat-Kappel abgeschlossen. Künftig plant Pro Natura St. Gallen/Appenzell die Eingriffe auf ein Mal Ausholzen pro Jahr zu beschränken.

Katharina Rutz

Ebnat-Kappel. Die Torfschicht eines Hochmoors wächst gerade mal einen Millimeter pro Jahr. Bis ein Meter Torf entsteht, dauert es 1000 Jahre. Das Regenerationsprojekt von Pro Natura St. Gallen/Appenzell sei denn auch ein Projekt für die Zukunft, für die nächste Generation, sagte Projektleiter Christian Meienberger am Samstag anlässlich einer öffentlichen Führung durch den Salomonstempel.Vor gut einem Monat konnte die zweite Etappe des Projektes mit einem Budget von 115 000 Franken (beide Etappen) abgeschlossen werden. Die Kosten trug hauptsächlich der Bund.

Eine Moor-Ruine

Das Gebiet Chellen und Salomonstempel bildet eine Moorlandschaft von nationaler Bedeutung. «Es ist eine der besten, die wir im Kanton St. Gallen haben», sagt Christian Meienberger. Doch wurde das Hochmoor Salomonstempel durch den Abbau von Torf, der vor allem auch während des Zweiten Weltkrieges Hochkonjunktur hatte, stark beeinträchtigt.

Das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft empfahl jedoch im Salomonstempel, ein Aufwertungs- und Regenerationsprojekt in Angriff zu nehmen. Ziel war, durch die Sanierung des Wasserhaushaltes den Salomonstempel langfristig als funktionierendes Hochmoor zu erhalten. Der Abbau des Torfkörpers sollte gestoppt werden, damit sich die typische Hochmoorvegetation erneuern konnte. Pro Natura St. Gallen/Appenzell setzte die erste Etappe des Sanierungsprojektes zwischen 2007 und 2008 um.

Unter der Leitung des Revierförsters Reto Hänni wurde die Moorfläche ausgelichtet. Bestehende Gräben, die das auf der Wasserscheide zwischen dem Thurtal und Neckertal liegende Moor entwässerten, wurden mit Spundwänden aus Holz aufgestaut. «Das Holz ist im Torf luftdicht verschlossen und ständig nass, deshalb verfault es nicht», erklärt Christian Meienberger. Auch für die zweite Etappe wurden wieder mehrere Spundwände vergraben.

150 Kubikmeter umgelagert

Zudem wurde ein bestehender Graben durch Torf aus dem Hochmoor selber aufgefüllt. «Wir trugen rund 150 Kubikmeter Torf von einem intakten Moorzug ab und füllten damit den Graben auf», sagt Christian Meienberger. Auch typische Pflanzen, wie Heidelbeere und Torfmoos wurden in die neue Fläche gesetzt. Bereits nach vier Wochen konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Führung vom Samstag – teils mit nassen Füssen – davon überzeugen, wie sich das Wasser aufstaute. Darin stehende Jungbäume gehen langsam ein.

Dafür wird sich das Torfmoos ausbreiten und für das typische saure Klima des Hochmoors sorgen. Die Wurzeln der Hochmoorvegetation reichen im Unterschied zu derjenigen des Flachmoores nicht bis auf den Untergrund unterhalb der Torfschicht. Deshalb müssen sie mit den Nährstoffen im Torfboden vorlieb nehmen und das sind nur wenige. Dafür gibt es umso mehr Wasser, das das Torfmoos zusätzlich speichert. Torfmoose können die wenigen Nährstoffe besser aufnehmen und geben dafür Säure an den Boden ab. Diese Umstände führen zu denkbar schlechten Lebensbedingungen für Pflanzen.

«Im Hochmoor Salomonstempel gibt es nur rund 20 Pflanzenarten, jedoch sind dies Spezialisten, die es sonst nirgends gibt», sagt der Projektleiter Christian Meienberger. Und dies sei der spezielle Beitrag von Hochmooren zur Biodiversität und mache diese Landschaften wertvoll. Um das sanierte Hochmoor langfristig zu erhalten, ist ein jährliches Ausholzen geplant. Die nachwachsenden Bäume würden dem Moor zu viel Wasser entziehen. «Zwar ist es nicht möglich, den Urzustand des Hochmoors Salomonstempel wieder herzustellen, doch können wir einen Schritt in die richtige Richtung machen», so Christian Meienberger.





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