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Tagblatt Online, 06. September 2010 01:05:01

Wenn Schwan und Specht fusionieren

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Vier Parteien, ein Fusionswille: (v. l.) Bruno Facci (SP Ganterschwil), Walter Engeler (CVP Bütschwil), Peter Bärlocher (FDP Bütschwil), Michael Böhi (Gemeinderat Bütschwil), Roman Brändle (SVP Bütschwil). (Bild: Bild: Hansruedi Kugler)

BÜTSCHWIL/GANTERSCHWIL. Die Ortsparteien von Bütschwil und Ganterschwil haben den Stein der Fusion beider Gemeinden angestossen. Kurz vor der Grundsatzabstimmung vom 26. September stellten sie sich am Samstagvormittag nochmals bei Kaffee und Fusions-Weggen den Fragen der Bevölkerung.

Hansruedi Kugler

Glaubt man den Prognosen der Parteipräsidenten der Ortsparteien, so endet der Urnengang vom 26. September in Bütschwil mit einem sehr deutlichen Ja, in Ganterschwil ebenfalls mit einem Ja, aber etwas knapper. Nimmt man das geringe Interesse am Diskussions-Angebot der Parteien vom Samstagvormittag zum Gradmesser der Volksstimmung, muss man annehmen, die Fusion von Bütschwil und Ganterschwil wecke weder Ängste noch Ablehnung. Gerade überschwemmt mit Fragen wurden die Parteipräsidenten am Samstagvormittag nicht.

Sie hatten vor dem Spar in Bütschwil und vor dem Gemeindehaus in Ganterschwil Festbänke aufgestellt, Fusions-Weggen und Kaffee lag bereit.

Schwan und Specht

Für die Aktion haben die Parteien auch schon mal vorsorglich ein Gemeindewappen kreiert: Auf diesem umarmen sich die Bütschwiler Schwäne und der Ganterschwiler Specht fröhlich. Dass die beiden vertraut sind miteinander, sei nicht nur auf dem Wappen so, hörte man am Samstag von allen Parteien.

Vor allem die gemeinsame Oberstufe, die schon seit 70 Jahren besteht, habe die Menschen der beiden Dörfer zusammen gebracht, sagt etwa Walter Engeler, Präsident der CVP-Ortspartei. Er muss es wissen, war er doch 16 Jahre lang Schulratspräsident der gemeinsamen Oberstufe, noch bevor diese mit Lütisburg zusammen zum BuGaLu anwuchs.

Die verschiedentlich gehörten Ängste, nach der Gemeindefusion und der Bildung der Einheitsgemeinde werde die Primarschule in Ganterschwil verschwinden, hält er für unbegründet. Erstens komme es immer auf die Anzahl Schulkinder an und zweitens zeigen die Beispiele rundum, dass die kleineren Partner bei Fusionen sehr wohl ihre Schulen halten können.

Fusion ist Vorteil für Schule

Das sieht auch Roman Brändle von der SVP so: Dietfurt habe als Juniorpartner der Gemeinde Bütschwil immer noch ein eigenes Schulhaus. Dass Dietfurt zu Bütschwil gehört, sei aus seiner Sicht für den Erhalt der Schule sogar ein Vorteil gewesen. Die SVP sehe die Fusion als praktischen Schritt und habe keine Bedenken, dass hier ein Identitätsverlust oder ein Demokratieproblem entstehe.

Das am Samstag präsentierte Wappen ist aber nicht das für die fusionierte Gemeinde vorgesehene Wappen. Ein solches wird noch unter Einbezug von Gestalter-Profis entstehen.

Bedenken der Ganterschwiler

FDP-Präsident Peter Bärlocher ist ebenso zuversichtlich. Die Bütschwiler werden am 26. September sehr deutlich zustimmen, glaubt er.

Aus einem einfachen Grund: «Die Ganterschwiler sind uns recht», man sei schon vertraut miteinander und jetzt wolle man vom Kanton genaue Zahlen über die Fusionsbeiträge wissen, meint Bärlocher. Gerade weil man noch keine konkreten Zahlen kenne, dürfe man sich jetzt noch nichts verbauen. Aus Bütschwiler Sicht gäbe es auch keinen Grund, skeptisch zu sein.

Bruno Facci, SP-Präsident aus Ganterschwil, betont, man dürfe die Grundsatzabstimmung nicht verwechseln mit der Schlussabstimmung. Ihm liege am Herzen, dass dieser Entscheid ein Entscheid für die junge Generation werde, und dass man die Bedenken der älteren Generation ernst nehme und beantworte. Felix Hess, Schulratspräsident von Ganterschwil, ist bei seiner Prognose weniger sicher: Er meint, die Ganterschwiler würden im Verhältnis 55:45 im Grundsatz der Fusion zustimmen.

Es seien Ängste eines Juniorpartners zu spüren: Angst, die Schule und das Gemeindehaus würden verschwinden, und Angst, man könne von den Bütschwilern überstimmt werden. Über das Echo am Samstag sei er positiv überrascht, er habe viel Wohlwollen und wenig Kritik gehört.

Die Zielsetzung des Zusammengehens sei wohl im Volk angekommen.

Zu den Ängsten sei zu sagen: Gemeinsame Räte gäbe es schon jetzt und bei den BuGaLu-Wahlen würden die Ganterschwiler immer sehr gut gewählt. Und wenn man sich die Situation in den Nachbargemeinden Kirchberg und Mosnang anschaue, so sehe man, dass dort die kleinen Dörfer auf Gemeindegebiet keinesfalls vernachlässigt worden sind. Im Gegenteil: Dort hat jedes Dorf seine Mehrzweckhalle bekommen.

Wo kriegt man das SBB-GA?

Einzelne praktische Fragen kamen an den Tischen zur Sprache: Wo zum Beispiel können die Ganterschwiler, wenn ihr Gemeindehaus schliesse, das SBB-GA der Gemeinde abholen? Vielleicht beim Bäcker Egger, der jetzt schon eine Post-Agentur bei sich hat? Oder wird das Gemeindehaus in Ganterschwil als Filiale zweimal in der Woche offen bleiben? Oder verlängert die Verwaltung in Bütschwil einmal die Woche die Öffnungszeiten bis 20 Uhr?





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