Tagblatt Online, 30. August 2010 01:05:21
Volles Zelt am Risifest
WATTWIL. Seit einer Woche liefen die Vorbereitungen für das Risifest auf Hochtouren. Am Sonntag war es soweit, Schüler und Pensionäre zeigten, was erreicht werden kann, wenn Generationen zusammenspannen.
Esther Meier
Geweckt wurden die Wattwiler am Sonntagmorgen auf eine ganz spezielle Weise. Kurz nach 9 Uhr schickte das Alphorntrio Mühlrüti einen musikalischen Gruss ins Dorf. Anlass für diese Aktion war das Risifest, das Fest des Alters- und Pflegeheims Risi. Die heurige Feier stand ganz im Zeichen der Zirkuswelt. Unter der Leitung der Artisten-Truppe von Circolino Pipistrello studierten Schulkinder und Pensionäre ein komplettes Programm ein, dessen Vorführung den Höhepunkt des Festes bildete.
Bereits das Morgenprogramm wurde dominiert von Gauklertum und Zirkusatmosphäre. Nach dem gemeinsamen Kaffee im Zelt, hiessen Brigitta Schmidt und Ottmar Hetzel die Besucher zum ökumenischen Gottesdienst willkommen. Und die Kirchgänger waren zahlreich erschienen, die Bankreihen voll.
Nebst dem seelischen, wurde auch das leibliche Wohl nicht vernachlässigt. Vor dem Alters- und Pflegeheim warteten Älplermakronen mit Apfelmus auf die hungrigen Gäste. Wem es zu frisch war, konnte sein Mahl im Speisesaal zu sich nehmen.
Doch nach dem verregneten Start ins Wochenende schien Petrus den Wattwilern gnädig und es konnte bei angenehmen Temperaturen gefeiert werden. Bei musikalischer Begleitung durch die Oldies aus Appenzell konnten Jung und Alt gemütlich plaudern, zusammensitzen und die fröhliche Atmosphäre geniessen. Oder sich mit einem Stück Torte für die anschliessende Vorstellung stärken.
Natürlich war auch hier das Sujet «Zirkus» zu erkennen, ein kleiner Clown aus Zuckerguss zierte die süsse Versuchung.
«Zirkusgespenster, ebe doch»
Während in der Manege Pensionäre bekannte Schweizer Volkslieder vortrugen, begann sich das Zelt zu füllen. Und bald wurde klar, dass es wohl mehr Besucher als Plätze geben wird, so dass auch nahes Zusammenrücken nicht mehr viel half. Es wurde improvisiert, zusätzliche Stühle aufgestellt und schliesslich konnte es losgehen.
Schon die Begrüssung des Publikums machte klar: Diese Vorstellung wird etwas ganz Aussergewöhnliches. Nicht ein Zirkusdirektor stand da in der Manege. Dieser blieb nämlich unauffindbar. Da half alles «de söll emol cho!» nichts. Die Aufgabe übernommen hat eine fünfköpfige «Wander-Truppe», bestehend aus drei Pensionären und zwei Schülerinnen. Sie lösten die Aufgabe mit Bravour. Ihre humorvoll inszenierten Programmansagen waren Unterhaltung vom Feinsten.
Als erstes konnten sie die Artisten aus dem Fledermaus-Wald ankünden, die sicher über Balken und Seile balancierten. Danach ging es Schlag auf Schlag. Die «Clowns Kunterbunt» machte die Weltmeere mit ihrem Humor unsicher, die Zirkus-Gespenster verzauberten die Anwesenden mit überirdischen Kunststücken. Faszinierend aber ungewöhnlich war die Inszenierung des «Rotkäppchen» durch die Leute vom Schattentheater. Für einmal ging nämlich nicht nur die Grossmutter, sondern auch Rotkäppchen selbst am Stock.
Die nächste Darbietung war nichts für schwache Nerven. Eine Schar von Piraten zeigten nämlich, dass sie «Feuer und Flamme» sind für ihre Nummer. Als eine Seniorin tollkühn anfing, Feuer zu schlucken, waren die Zuschauer hellauf begeistert. Nach der Familie Zauberstein wartete eine besondere Überraschung auf die Gäste. Entgegen der übliche Praktiken des Circolino Pipistrello, bekamen auch Vierbeiner die Gelegenheit, Zirkusluft zu schnuppern.
Die vier heimeigenen Alpakas zeigten, dass dieses Fest nicht nur Altersunterschiede überbrücken konnte. Zwar etwas scheu, aber sicher geführt durch Pensionäre und Schüler trotteten sie zu orientalischen Klängen um die Manege herum. Zum grossen Finale stiegen nochmals alle Teilnehmer ins Sägemehl und genossen den wohlverdienten Applaus.
Der Zirkus zieht weiter
Bereits am Sonntag bauten Artisten und Freiwillige das Zelt wieder ab und der Circolino Pipistrello zieht seiner Wege. Für alle, welche die Vorstellung verpasst haben oder noch nicht genug vom Zirkus hatten, ein kleiner Trost: Am Montagabend wird in der Sendung «10 vor 10» ein Beitrag zum Projekt ausgestrahlt.
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