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Tagblatt Online, 04. September 2010 01:01:29

Trottoir für die Ebnaterstrasse?

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Kein Fussgängerstreifen: Direkt vor dem grossen Felsen gegenüber der Rietstein-Turnhalle überqueren auch Schulkinder die Ebnaterstrasse. Der Fussweg aber endet auf der Kantonsstrasse, ohne Fussgängerstreifen. (Bild: Bilder: Hansruedi Kugler)

WATTWIL. An der Ebnaterstrasse beginnt die Planung für zusätzliche Trottoirs und Fussgängerübergänge. Damit will man die Auswirkungen auf den vermuteten Mehrverkehr auf der Ebnaterstrasse nach der Realisierung der Begegnungszone Bahnhofstrasse Nord mildern.

Hansruedi Kugler

Für die Anwohner ist die Ebnaterstrasse seit langem ein Ärgernis: Zwischen dem Dorfplatz und dem Hotel Löwen zwängt sich der Durchgangsverkehr von Wil Richtung Obertoggenburg durch Wattwil. 8700 Fahrzeuge befahren diese Strecke jeden Tag – wenig im Vergleich etwa mit Bütschwil, wo es rund 16 000 Fahrzeuge sind, weniger auch als an der Wattwiler Wilerstrasse mit 13 000 Fahrzeugen.

Ärgerlicher als die Verkehrsmenge finden die Anwohner den engen und gefährlichen Strassenraum: Vor der Textilfachschule und bei der Einmündung Hofstattstrasse sieht der Autofahrer die Passanten und Schulkinder erst, wenn diese fast schon auf dem Fussgängerstreifen stehen – das Trottoir fehlt und hohe Mauern direkt an der Strasse verstellen an vielen Stellen die Sicht.

Die Anwohner fordern deshalb seit langem bessere Fussgängerstreifen, ein bergseitiges Trottoir und wenn möglich einen Velostreifen.

Endlich konkrete Fortschritte

Pläne für eine Verbesserung dieses Strassenabschnitts gab es immer wieder. Der letzte datiert aus dem Jahr 2005, als das St. Galler Büro Strittmatter Partner AG im Auftrag des Wattwiler Gemeinderates einen umfassenden Plan für die Strassenraumgestaltung im Zentrum Wattwils ablieferte. Fünf Jahre später scheint es an der Ebnaterstrasse vorwärts zu gehen.

Derzeit wird der knapp einen Kilometer lange Strassenabschnitt minutiös vermessen: Jede Mauer, jede Einfahrt wird millimetergenau eingezeichnet – die Vermessung soll die Grundlage bilden für ein Vorprojekt für die Neugestaltung dieses Strassenabschnitts: «Das Tiefbauamt beabsichtigt die Verbesserung des Langsamverkehrs an der Ebnaterstrasse zu projektieren.» So heisst es in einem Schreiben an alle Anwohner.

Das Tiefbauamt ist damit einem Wunsch des Wattwiler Gemeinderates gefolgt. Dieser stützt sich auf die aktuelle Studie von Strittmatter Partner vom April. Mit diesem will der Gemeinderat die «unbefriedigenden Verkehrsverhältnisse für Fussgänger und Radfahrer» an der Ebnaterstrasse verbessern. Vor kurzem hat der Wattwiler Gemeinderat nun eine Arbeitsgruppe mit Anwohnern gegründet, in welcher diese ihre Anliegen einbringen können. Sie wird sich in zwei Wochen zum erstenmal treffen.

Wattwils Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner betont, der Gemeinderat sei seit Jahren im Gespräch mit dem Kanton: Denn das Verkehrskonzept mit der Bahnhofstrasse, der Wiler- und Rickenstrasse sowie der Ebnaterstrasse sei Teil der flankierenden Massnahmen im Hinblick auf die Realisierung der Umfahrungsstrasse. Ziel dabei ist es, den Verkehr zu beruhigen und den Strassenraum attraktiver zu gestalten.

Bessere Fussgängerübergänge

Im aktuellen Plan Strittmatter sind bergseits vor der Textilfachschule und zwischen Hofstattstrasse und Felsen vis-à-vis der Turnhalle Rietstein zusätzliche Trottoirs eingezeichnet. Bruno Bollhalder vom Tiefbauamt ist derzeitiger Projektleiter der Vorarbeiten. Er relativiert die Erwartungen an ein durchgehendes Trottoir: Schliesslich gäbe es schon ein durchgehendes Trottoir, allerdings nur auf der Westseite.

Ein Hauptziel des Projekts sei zwar ein bergseitiges Trottoir, aber ganz durchgehend werde dieses nicht zu realisieren sein. «Wunschdenken, viel zu teuer», meint Bruno Bollhalder. Vor allem beim grossen Felsen, der vis-à-vis der Turnhalle Rietstein bis an die Fahrbahn reicht, käme ein Trottoir unverhältnismässig teuer. Ein Augenschein zeigt auch, dass ein Bedürfnis kaum besteht.

Aber bei etlichen Mauern sieht Bollhalder eine finanzierbare Chance für ein Trottoir, vor allem bei jenem vor der Textilfachschule und jenem bei der Einfahrt Hofstattstrasse. Auch sollen die Fussgängerübergänge besser plaziert werden. Auf Kostenschätzungen will er sich aber nicht festlegen. «Es ist noch zu früh, darüber zu sprechen. Wir haben noch nicht einmal die Messungen ausgewertet, geschweige denn ein Vorprojekt», meint Bruno Bollhalder.

Klar ist: Bei Trottoirs und Strassenraumgestaltung trägt der Kanton 65 Prozent der Kosten, die Gemeinde 35 Prozent.

Wenig Verkehr, wenig Unfälle

Für den Kanton sei die Strassenraumgestaltung an der Ebnaterstrasse Nord nicht prioritär, sagt Bruno Bollhalder. Denn mit 8700 Fahrzeugen pro Tag sei dieser Abschnitt nicht übermässig belastet, Lastwagen machen zudem nur 2,2 bis 2,6 Prozent Anteil am Verkehrsaufkommen aus. Gerast wird hier auch nicht.

Und weil der Strassenbelag erst 1996 saniert worden ist, bestehe aus Sicht des Tiefbauamtes kein dringender Bedarf für eine neuerliche Strassensanierung. Klar sei aber auch: Wird die Begegnungszone an der nördlichen Bahnhofstrasse realisiert, steige das Verkehrsaufkommen an der Ebnaterstrasse markant. Nur: Wenn dann die Umfahrungsstrasse eröffnet wird, sinke der tägliche Verkehr wieder auf 3200 Fahrzeuge pro Tag, gibt Bruno Bollhalder zu bedenken.

Auch bei den Unfallzahlen sieht es nicht dramatisch aus. Zwischen 1. Januar 2005 und 30. Juni 2010 gab es gemäss Angaben der Kantonspolizei auf dem Streckenabschnitt Dorfplatz bis Einlenker Bahnhofstrasse (inklusive Kreuzung Löwen) 14 Unfälle mit einer Schadenssumme von gesamthaft 97 000 Franken. Fünf Unfälle davon sind auf der Kreuzung Löwen passiert. In 2010 gab es noch gar keinen.

Von den Unfällen sind zwei Selbstunfälle, vier Auffahrunfälle, fünf beim Richtungswechsel ohne Vortritt – auf dem Fussgängerstreifen ist niemand angefahren worden.

Schweizer, Denner, Velostreifen

Die Situation vor der Bäckerei Schweizer konnte bereits etwas entschärft werden. Mit dem Neubau Thurhöck ergibt sich eine Landreserve, so dass direkt vor der Bäckerei Schweizer künftig zwei Parkplätze und ein Trottoir Platz finden könnten, meint Bruno Bollhalder.

Macht sich der Kanton tatsächlich an die Strassenraumgestaltung, hat das für den Denner Konsequenzen: Vor dem Laden parkieren die Autos derzeit so, dass sie vom Parkfeld rückwärts auf die Kantonsstrasse fahren müssen. Vom Strassengesetz her ist das zwar nicht erlaubt, aber ändern muss der Anlieger erst etwas, wenn der Kanton die Strasse umbaut. Bis dahin können die Parkplätze so bleiben.

Wolle Denner diese Parkfelder vor dem Laden erhalten, könnte Denner sie dann zum Beispiel quer einzeichnen, meint Bruno Bollhalder.

Ein anderes Anliegen der Anwohner ist ein Velostreifen. Auch auf dem Plan Strittmatter aus dem Jahr 2005 ist ein solcher noch eingezeichnet, allerdings nur bergseits. Bruno Bollhalder meint: «Die Strasse ist zu schmal, für einen Velostreifen hat es keinen Platz.» Darum fehlt dieser Velostreifen im neuen Plan.





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