Tagblatt Online, 30. Januar 2012 08:00:00
Trinkwette der besonderen Art
Die Chrummbach-Häx stellt sich souverän der Trinkwette, die von der Journalistin vorgeschlagen wurde. (Bild: Patricia Wichser)
Wattwil. Samstag, 28. Januar 2012, Fasnachtseröffnung der Chrummbach-Häxe im Restaurant Schützenhaus. Die 40. Auflage – ein Jubiläum. Ein Blick um die Ecken des Restaurants lässt mich aufatmen. Die gefährlichste Waffe der Chrummbach-Häxe, den «Scheesewage», liessen sie zu Hause. Obwohl, eigentlich wäre er ja ganz nützlich, könnten sie Kollegen, die einen über den Durst getrunken haben, so handlich transportieren. Oder wie geht das? Das Restaurant Schützenhaus ist um 20.45 Uhr voll besetzt mit Maskierten und Unmaskierten. Die Stimmung ist gut und in der hinteren Bar haben es sich die Chrummbach-Häxe gemütlich gemacht. So auch Stefan Grob, der Präsident.
Bus, Taxi oder Auto
Was passiert eigentlich mit einem Häxe-Kollegen in üblem Zustand? a) Er wird dem Wirt als Souvenir zurückgelassen. b) Freundlicherweise weist man ihm den Weg zu seinem Wagen. c) Man bestellt ein Taxi und überzeugt den Chauffeur, dass er nur müde, sei aber nicht betrunken. Oder d) Man bindet ihn an die nächste Bushaltestelle und drückt ihm den Fahrplan in die Hand? «Nein, nein, die werden sicher nach Hause gefahren», erklärt Stefan Grob. «Im übrigen gibt es das so gut wie nie», ergänzt er mit schauspielerisch perfekt aufgesetzter ernster Miene. Auf der Beizentour ist die Clique übrigens mit einem Bus unterwegs. Sechs Bars oder Restaurants werden dabei abgeklappert. Hauptsächlich in Wattwil, aber auch in Lichtensteig und Ebnat-Kappel.
Unbarmherzige Wette
Apropos Trinken. Die Journalistin hat eine gemeine Wette auf Lager, doch dies wissen die Chrummbach-Häxe nicht. Eine Trinkwette. Eine aussergewöhnliche Trinkwette. Mit Chrummbach-Häxe-Holzmaske und Trinkhalm gilt es, ein Glas mit zwei Deziliter Mineralwasser so schnell wie möglich leer zu trinken. Und das in Konkurrenz zu mir, die die Zeit vorgibt. «Was? Mineralwasser!?», schauen mich meine Wettkonkurrenten ungläubig und schockiert an. Die Wette ist nahe dem Scheitern. Nach einigen guten Argumenten meinerseits schlagen sie schliesslich auf die Wette ein. «Drei Mineral mit Röhrli», ruft Patrick Zuberbühler. Hinter der Holzmaske habe ich den typischen Röhrenblick, bei schummrigem Licht ist auch Röhrenblick zu viel gesagt. Ich ertaste das Röhrli und positioniere es in die Maskenmundöffnung. «Achtung, fertig, los!», ruft Stefan Grob, der als Zeitmesser das Geschehen verfolgt. Ich ziehe wie wild am Trinkhalm. Das kalte kohlensäurehaltige Mineral zieht mir den Magen zusammen. In 16 Sekunden ist es überstanden – mein Glas ist leer. Danach streift sich mein Konkurrent Patrick Zuberbühler die Holzmaske über, bringt den Trinkhalm in Position und trinkt. Angefeuert von der Chrummbach-Häxe-Fangemeinde. Das vernichtende Resultat: 5,6 Sekunden. Der dritte Konkurrent gibt nach einem halben Glas auf. 16 Sekunden zu 5,6 Sekunden.
Sieg zum Greifen nah
«Ne!», denke ich. «Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen!» Patrick Zuberbühler läutet die zweite Runde ein. Er legt an, die grauen Haare der Holzmaske verdecken die Sicht auf das Glas. 12,3 Sekunden braucht er dieses Mal. Meine Chance – jetzt hol ich den Sieg. Grössere und schnellere Schlücke. Mit 14 Sekunden konnte ich mich zwar verbessern, doch zum Sieg reichte es nicht. «Normalerweise gibt es drei Versuche», erklärt die Chrummbach-Häx und schon hatte ich ein drittes Glas Wasser vor mir. Ich mag nicht mehr. Der Anblick von Wasser war in dem Moment widrig. «Es ist Hahnenwasser», ermuntert mich Patrick Zuberbühler. Na gut wenigstens Raumtemperatur und keine Kohlensäure – eine Lightversion, fährt es mir durch den Kopf. Ich trinke meine Rekordzeit 7,6 Sekunden – doch die Chrummbach-Häx toppt wieder mit 6,4 Sekunden. Gratulation. Wie fühlt man sich als Sieger einer Mineral-Trinkwette? «Ich fühle mich wie Didier Cuche», erklärt Patrick Zuberbühler beschwingt. Okay. Ich fühle mich wie Didier Cuche nach einem Sturz. Ich verlasse den Wettkampfort mit Schluckauf, Brummschädel und blubberigem Bauch. Dies gibt es, wenn man zu hastig und zu viel trinkt – auch bei kohlensäurehaltigem kaltem Mineralwasser.
Patricia Wichser
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