Tagblatt Online, 26. Juni 2008 01:13:39
Ende der Erdölwirtschaft
Vorführung des Dokumentarfilms «The Oil Crash» in der Aula der Kantonsschule Wattwil am Dienstagabend
The oil crash zeigt eine düstere Zukunft der Erdölwirtschaft auf. (Bild: Bild: pd)
Wattwil. Öl treibt die Wirtschaft an und macht abhängig. Für Öl wurden und werden Kriege geführt und die Umwelt zerstört. Jetzt geht die billige Energie zur Neige. Ein Film regt zum Umdenken an.
Tanja Trauboth
Der Dokumentarfilm «The Oil Crash» von Basil Gelpke und Ray McCormack zeigt Aufstieg und drohendes Ende der Erdölwirtschaft, mit alten Filmaufnahmen, Bildern der ersten Ölfelder in der Euphorie direkt nach ihrer Entdeckung. Heute stehen in Texas, Asserbaidschan und Venezuela schiefe Bohrtürme im Sumpf über leer gepumpten Erdölvorkommen. Pumpen mit dem Aussehen von Dinosauriern rosten vor sich hin.
Das Ende in Sicht
Experten kommen zu Wort, darunter ein Berater der Erdölunternehmen und der frühere irakische Ölminister. Eine Professorin und Professoren erklären die Zusammenhänge. Sowohl beim Ersten wie auch beim Zweiten Weltkrieg haben die Aggressoren Erdölvorräte in ihre Kontrolle bringen wollen. Heute werde im Irak und im Sudan um das Öl gekämpf.
Ob der sogenannte «Peak», die maximale Fördermenge, jetzt schon erreicht ist oder erst in wenigen Jahren, darüber gehen die Meinungen auseinander. Dass er kommt, gilt als sicher. Ein Experte sagte, auf dem Weg zum Gipfel geht es aufwärts. Oben angekommen, blickt man in den Abgrund. Wie sollen zum Beispiel die Bauern ohne Treibstoffe für Traktoren sechs Millarden Menschen ernähren? Deshalb sagten die vielen Medienberichte über den Klimawandel nicht die ganze Wahrheit, sagte Christiane Pietsch vom Verein Klima-Commitment am Dienstag in der Aula Wattwil.
Viele sollen es wissen
Klima-Commitment und der Verein «Filme für die Erde» zeigen den Film zurzeit in Schulen, Kinos und anderen Orten. Ziel sei, möglichst viele Menschen auf das Problem Klimawandel und Energiekrise aufmerksam zu machen. «Filme für die Erde» wurde in Winterthur gegründet nach einer Gratis-Kino-Woche, bei der der Film «Eine unbequeme Wahrheit» von Al Gore gezeigt wurde. Ausgewählte DVDs, die auf den Klimawandel aufmerksam machen, verteilt der Verein gratis. Die wenigen Besucher am Dienstag in der Aula der Kantonsschule konnten sowohl den Film «The Oil Crash» wie auch den Film zum Klimawandel von Al Gore mit nach Hause nehmen. Möglichst viele Leute sollen die Filme sehen und sie danach weitergeben. Die DVDs sind numeriert. Wer einen angesehen hat, soll die Nummer auf der Internetseite des Vereins eingeben zusammen mit seinem Wohnort. Farbige Punkte auf einer Landkarte lassen erkennen, wo die Filme schon gesehen wurden.
Verpflichtung zum Klimaschutz
Ein Besucher meinte nachher, er fühle sich nach dem Film recht pessimistisch. Kai Pulver von «Filme für die Erde» versteht dies. Es ginge aber nicht darum, den Weltuntergang herbeizurufen, sondern über die Wahrheit zu informieren. Pietsch berichtete von ihrer Erfahrung bei der Vorführung in Berufsschulen. Am Anfang wirkten die jungen Leute genervt. Am Schluss des Films habe jedoch jeder ein «Committment», eine Verpflichtung zum umweltgerechten Handeln abgegeben, etwa Energiesparlampen einzuschrauben.
Die Experten im Film gaben sich verhalten optimistisch. Sie setzen auf den Einfallsreichtum des Menschen und auf die Kraft der Sonne, deren tägliche Einstrahlung den heutigen Energiebedarf um ein Mehrfaches übersteigt. Der Film zeigte aber, dass es die Amerikaner besonders schwer haben werden. Die weitläufigen Vorstädte, in denen sie wohnen, wurden für Automobilisten gebaut. Europas Städte waren vor dem Erdölboom da. Hier gibt es immer noch Tram, Zug und Velowege.
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