Tagblatt Online, 28. März 2011 01:07:00
Bier als christliche Tradition
Nach der Theorie etwas Praxis beim Degustieren am Bierbraukurs des Netzwerks Junge Erwachsene. (Bild: Bild: Esther Meier)
Am Samstag fand in der Schulküche Hemberg unter dem Motto «Kirche ist auch mein Bier» ein Bierbrau-Kurs statt. Organisiert und durchgeführt wurde er vom Netzwerk Junge Erwachsene, einer Gruppe der reformierten Kantonalkirche St. Gallen.
Esther Meier
Hemberg. «Wir spinnen» ist ein Slogan des Netzwerks Junge Erwachsene. Und einige dachten wohl wirklich, dass die da spinnen, als sie einen Braukurs ausschrieben. Kirche und Bier, passt denn das? Ein Blick in die Vergangenheit zeigt aber, dass Bierbrauen ein fester Bestandteil der christlichen Kultur war. Jahrhundertelang waren Brauereien in Klöstern untergebracht, die Bierrezepte von den Mönchen gehütet. Heute noch erinnern Biernamen an diese Vernetzung: Klosterbräu, Cardinal oder Augustiner.
Provokativer Slogan
Ganz neu ist das Motto «Die Kirche ist auch mein Bier» nicht. Es existieren seit längerem Bierdeckel mit dieser Aufschrift, die gelungene Werbeidee einer früheren Veranstaltung. Die Lancierung dieses Kurses hatte zuerst nichts damit zu tun. «In einem Gespräch mit Philipp Alder sind wir darauf gekommen, es war eine total spontane Idee», erinnert sich Markus Naef, Beauftragter für Junge Erwachsene der reformierten Kantonalkirche. Insgesamt nehmen neun Personen am Kurs teil, fünf davon gehören dem OK selbst an. Die meisten kommen aus der näheren Umgebung. «Es ist schade, dass niemand von St. Gallen gekommen ist. Für viele ist Hemberg vielleicht etwas zu abgelegen», vermutet die Hemberger Pfarrerin Barbara Damaschke-Bösch. Ausser Maurice, mit 18 der jüngste Teilnehmer, hat niemand Erfahrungen im Bierbrauen gesammelt. Einem kühlen Bier nicht abgeneigt, wollen sie sich die Geheimnisse des Brauens einführen lassen.
Hopfen und Malz verloren
Zuerst wird das Malz mit heissem Wasser vermischt und auf 70° C aufgewärmt. Nach circa zwei Stunden kann der sogenannte Maisch von der Flüssigkeit getrennt werden. Das Läutern nimmt nochmals zwei Stunden in Anspruch. Bis es in der Schulküche Hemberg mit dem Bier so weit ist, schaltet der Braumeister einen theoretischen Block ein und erklärt den Teilnehmenden worauf es beim Brauen ankommt. Fest steht: Es braucht Zeit und Geduld. Die Zubereitung dauert mehrere Stunden, die Gärung gar mehrere Wochen. «Aber die Geduld lohnt sich», ist Alder überzeugt. Ebenfalls thematisiert wurde die Rolle des Wassers. Für die Hefe ist neutrales Wasser, also solches mit einem pH-Wert von sieben, ideal. Grundsätzlich funktioniert es auch mit härterem oder weicherem Wasser. Inzwischen hat sich die klare Flüssigkeit (Würze) durch die Maische gearbeitet und kann gekocht werden. In dieser Phase wird der Hopfen dem Sud beigefügt. Vorher dürfen alle an den grünen Hopfen-Pellets schnuppern und rümpfen ab dem eher abstossenden Geruch die Nase. «Wenn man sich vorstellt, dass man das nachher trinkt…», meint ein Teilnehmer skeptisch. Die Geschmacksnerven dürfen sich dann bei einer gemeinsamen Bierdegustation erholen.
Verschiedene Sorten aus dem Handel werden probiert, verglichen und bewertet. Am wenigsten gut kam das Pilsner Urquell an, dessen Bitterkeit gewöhnungsbedürftig ist. Favorit war nicht nur aus lokalpatriotischen Gründen das «Klosterbräu» von Schützengarten. Nach sechs Stunden Bierbrau-Theorie und -Praxis verabschieden sich die Teilnehmenden. Ob ihnen ihr Werk geglückt ist, wird sich im Sommer zeigen.
Erstes Hemberger Bier
Dann nämlich wird man sich noch ein Mal treffen, um vom ersten Hemberger Bier zu probieren. Na dann, Prost!
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