Tagblatt Online, 28. August 2010 12:31:00
Abenteuer Europameisterschaft
Auf dem Sprung zur Europameisterschaft: Die 15jährige Jennifer Ehrbar aus Wattwil. (Bild: Bild: pd)
NEUTOGGENBURG. Mit guten Leistungen hat sich die 15jährige Wattwilerin Jennifer Ehrbar für das Junioren-Nationalteam der Rettungsschwimmer qualifiziert. Am ersten Septemberwochenende steht ihr der bisherige Karrierehöhepunkt bevor – sie nimmt an der Europameisterschaft in Belgien teil.
Sabine Schmid
Wasser ist das Element von Jennifer Ehrbar. Schon als Dreijährige besuchte sie im Hallenbad Bütschwil den ersten Schwimmkurs. Diesem folgten noch weitere und Jennifer Ehrbar stand vor der Entscheidung, ob sie sich für den Spitzensport – und damit für ein Training ausserhalb des Toggenburgs – entscheiden sollte. Diesen Schritt wollte die Wattwilerin nicht machen und besuchte fortan das Training der Sektion Wil der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft SLRG.
Ihr machte nicht nur das Training Spass, sondern auch die Teilnahme an den regionalen und nationalen Wettkämpfen.
Nationalteam ist anders
Doch Jennifer Ehrbar wollte mehr, nämlich einen Platz im Nationalteam. «Jeweils Ende Sommer finden die Qualifikationen statt», erzählt sie. Darauf hat sie sich vorbereitet, hat ihre Schwimmzeiten verbessert und die verschiedenen Disziplinen (siehe Kasten) geübt.
Dieser Fleiss machte sich bezahlt, Jennifer Ehrbar hat sich als jüngstes Mitglied für die Nationalmannschaft, die aus fünf Frauen und fünf Männer besteht, empfohlen. Und nicht nur das: sie ist auch die erste Schwimmerin der Sektion Wil, der dies gelungen ist. «Weil wir in der ganzen Schweiz verteilt wohnen, finden die Trainingswochenenden meistens in der Innerschweiz statt», erzählt Jennifer Ehrbar. Doch diese reichen nicht aus, um sich für die Wettkämpfe vorzubereiten.
Vier- bis fünfmal in der Woche ist die Wattwilerin daher in Hallenbädern und Freibädern der Region beim Training anzutreffen. Für sie sind die Einsätze mit dem Nationalteam anders als wenn sie mit der Mannschaft aus Wil schwimmt. «Das Niveau in der Nati ist viel höher. Zudem schwimme ich da auf einer anderen Position», beschreibt Jennifer Ehrbar.
Schwierig zum Trainieren
«Ich will einfach das Beste geben», hat sich die angehende Automatikerin als Ziel für die bevorstehende Europameisterschaft gesetzt. Wie es sein wird, weiss sie im Gegensatz zu ihren Teamkolleginnen nicht, denn sie ist zum erstenmal bei diesem Grossanlass dabei. Schwierig sei es zudem, die Aussendisziplinen zu trainieren. «Im Toggenburg kann ich keinen Sandsprint üben», meint Jennifer Ehrbar lachend. So rennt sie auf dem Thurweg und hofft, dass es ihr im Wettkampf auf dem Sand gut geht.
Sollte es noch Nuancen zum Verbessern geben, bleibt dafür in Belgien noch etwas Zeit.
Nach der Ankunft in Antwerpen am Mittwoch haben die Schweizer Teams – die Männer und die Frauen starten jeweils separat – noch einige Stunden Zeit zum Trainieren und um den Wettkampfplatz kennen zu lernen. Am Donnerstag, 2. September, gilt es dann ernst.
Nach einem weiteren Trainingstag, diesmal für die Innendisziplinen, fällt am Samstag der Startschuss für den zweiten Wettkampftag. «Jede Disziplin wird einzeln gewertet», erklärt Jennifer Ehrbar den Modus. Pro Disziplin sammeln die Rettungsschwimmerinnen Punkte für die Gesamtwertung, die ebenfalls mit Medaillen belohnt wird. Zudem zählen diese Punkte für eine Nationenwertung.
Nati als nächstes Ziel
Noch bevor Jennifer Ehrbar an der Europameisterschaft gewesen ist, weiss sie, wie es danach weitergehen soll. Weil das Jugend-Nationalteam 2010 danach aufgelöst wird, wird sie wieder an der Qualifikation für 2011 antreten. Die Chancen schätzt sie als gross ein. «Meine Schwimmzeiten stimmen. Zudem weiss ich, wie es abläuft und die Trainer kennen mich», zählt sie ihre Vorteile auf.
Trotzdem: Ein Spaziergang wird es nicht werden, denn die fünf Plätze im Nationalteam sind hart umkämpft. Dies, obwohl Rettungsschwimmen in der Schweiz nicht sehr bekannt ist. «In Australien ist diese Sportart so bekannt wie bei uns Fussball», weiss Jennifer Ehrbar. Dies könne damit zusammen hängen, dass die Schweiz halt nicht am Meer liegt, vermutet sie.
Jennifer Ehrbars Traum ist es, mit dem Nationalteam an einer Weltmeisterschaft teilnehmen zu dürfen. Um ihr Ziel erreichen zu können, bieten ihr die Eltern und auch der Lehrbetrieb die nötige Unterstützung. Für die 15-Jährige ist schon heute klar: Sie will auch zum Nationalteam gehören, wenn sie das Juniorenalter überschritten hat und bei den Erwachsenen mitmachen kann.
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