Tagblatt Online, 26. August 2010 01:02:52
«Schön, haben auch andere Freude»
Hilfe von Schwiegertochter und Enkel: Rita Inauen (links) könnte ihre Blumenpracht nicht pflegen ohne die Hilfe von Schwiegertochter Barbara und den Enkeln Liana, Yael und Timo (fehlt auf dem Bild). (Bild: Bild: sas)
Mit ihrer Blumenwand hat Rita Inauen nicht nur vielen Wanderern auf dem Salomonstempel Freude gemacht, sondern auch den Leserinnen und Lesern des Toggenburger Tagblatts. Die Blütenpracht ist aber nicht selbstverständlich, denn kurz nach dem Besuch der Fotografin kam der Hagel.
Sabine Schmid
Hemberg. Die Würfel sind gefallen. Mit einer grossen Mehrheit wählten die Leserinnen und Leser des Toggenburger Tagblatts die bunte Blumenwand von Rita Inauen beim Wettbewerb «Gartenlust – Lustgarten» zum schönsten Garten im Toggenburg. «Ich kann es fast nicht glauben», lacht Rita Inauen bei der Preisübergabe immer wieder. «Es ist schön, dass so viele Menschen Freude an meinen Blumen haben. Das ist für mich die grösste Freude», strahlt sie.
… und dann kam der Hagel
Dass sie den ersten Preis gewonnen hat, ist für Rita Inauen nicht selbstverständlich. Glück gehörte für sie auch dazu. Nur gerade 36 Stunden nach dem Besuch der Fotografin zog ein Hagelgewitter über das Heimet von Rita Inauen. «Ich kam spät nach Hause, da sah ich Gott sei Dank nichts mehr», erinnert sich die Hobbygärtnerin.
Am nächsten Tag, als sie wieder zur Arbeit ins Alters- und Pflegeheim Brunnadern musste, verdeckte sie mit den Händen den Blick zur Blumenwand. Die abgeschlagenen Blüten und Knöpfe eines Lilienbuschs nahm sie mit ins APH, wo sie zur Freude von Rita Inauen und den Bewohnerinnen und Bewohnern noch lange blühten. Erst nach Feierabend traute sie sich, das Ausmass des Hagels zu besichtigen. «Der grösste Teil der Blumenampeln war geschützt», erzählt Rita Inauen. Wegen ihrer Arbeit hatte sie nur wenig Zeit, um sich um die Blumen zu kümmern.
Im Nachhinein gesehen hat sich das bezahlt gemacht, denn trotz einiger verlöcherter Blätter oder Knospen blühten ihre Lilien in gewohnter Pracht. «Die Natur wehrt sich», hat Rita Inauen erfahren. Und sie fügt an: «Es würde uns Menschen gut tun, wenn wir uns ein Beispiel daran nehmen und uns auch nicht zu schnell aufgeben würden.»
Arbeitslos wird man nicht
Blumen hätten sie schon immer fasziniert und erfreut, aber Zeit dafür hatte sie erst, als die Kinder erwachsen waren und der Sohn den Hof übernommen hatte. Mit der Zeit hat sie viel Erfahrung gewonnen und weiss genau, welche Pflanzen was mögen und was nicht. Sie stärkt ihre Blumen, indem sie die Töpfe und Ampeln im Frühjahr möglichst früh hinaus stellt.
«Bei uns weht auch im Sommer manchmal ein heftiger Wind, daran will ich sie gewöhnen», sagt Rita Inauen, deren Haus auf über 1100 Metern über Meer gelegen ist. Und sie wendet viel Zeit für ihr Hobby auf. Am Morgen früh geht sie in den Garten, tränkt die Blumen und knipst mit den Fingern die verblühten Teile ab. Diese würden die Blumen zu viel Energie kosten, weiss sie. Darum möchte sie, dass die Energie in frische Triebe fliesst. An heissen Tagen, ist Rita Inauen auch am Mittag mit der Giesskanne unterwegs, um die Blumen in den Ampeln zu tränken. Weil diese unter dem Dach der Scheune hängen, muss sie diese auch bei Regenwetter tränken, was ihren Sohn immer wieder zum Lachen bringe, verrät Rita Inauen. «Arbeitslos werde ich also nie», ist sie überzeugt. Das alles könnte sie nicht alleine bewältigen. «Vor allem, weil ich auswärts arbeite und auch gerne in die Berge gehe. Oder auf die Turnerreise, wie gerade eben», sagt sie. In diesen Fällen springt Schwiegertochter Barbara mit ihren Kindern Timo, Liana und Yael ein, die dann das Blumentränken übernehmen. «Sie müssen unbedingt auch aufs Bild, denn ohne sie hätte ich den Wettbewerb nicht gewinnen können», bestimmt Rita Inauen.
Brennesseln müssen sein
Zwar ist die blühende Scheunenwand der Blickfang, aber auch daneben sind wahre Schmuckstücke zu finden. Die Mariendistel sei früher in fast jedem Garten zu finden gewesen, weiss Rita Inauen. Sie hat diese Tradition bewahrt. Zu finden sind eine wilde Akalei, an einem geschützten Ort eine Passionsblume oder eine Pflanze, die sie von einer Wanderung im Glarnerland mitgebracht hat. «Ich konnte sie nicht abreissen und habe sie mitsamt der Wurzeln mitgenommen», erzählt sie. Diese hat sie in die Erde gesteckt und seither lebt die Pflanze in ihrem Garten. Ungewohnt sind auch die Brennesseln. «Solche muss es im Garten haben», ist Rita Inauen überzeugt. Sie braut damit Tee für sich. Oder sie lässt ihn auskühlen, um ihn auf die Pflanzen zu spritzen. Ein besseres Mittel gegen Blattläuse gebe es nicht, hat sie erfahren.
-
Weitere Artikel zu diesem Thema:
- Artikel empfehlen:









Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben