Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 28. Februar 2009 01:01:13

Weg für das Wasser wieder frei

Zoom

Die rund 400 Kubikmeter Felsbrocken in der Ganterschwiler Thur werden von Guido Manser «verspitzt» und anschliessend verteilt. (Bild: Bild: ban)

GANTERSCHWIL. Die Felsbrocken, die seit den Weihnachtstagen den Wasserlauf der Thur zwischen Ganterschwiler Breiti und Bütschwiler Au behinderten, konnten inzwischen zerkleinert und verteilt werden. Die Gefahr der Überschwemmung ist gebannt, aber weitere Felsstürze sind nicht ausgeschlossen.

barbara anderegg

Schon von weitem konnte man am Mittwochmorgen in der Bütschwiler Au einen Abbau-Hammer schlagen hören, dessen Lärm von der Ganterschwiler Felswand hallte. Der Grund dafür wurde ersichtlich sobald man das Thurufer erreichte: Guido Manser vom Baugeschäft Fust AG war mit seinem Raupenbagger durch die Thur gerattert und machte sich gerade daran, die riesigen Felsbrocken, die den Wasserlauf behinderten, zu zerkleinern.

Ganterschwil trägt Kosten

Die rund 400 Kubikmeter Nagelfluhgestein waren während der Weihnachtstage abgestürzt, weil das Wasser in den Ritzen des Gesteins gefroren war. Da die Felsbrocken etwa zwei Drittel des Wasserlaufs der Thur bedeckten, sollen sie noch vor der Schneeschmelze abgetragen werden. Damit soll eine Überschwemmung des angrenzenden Wieslands verhindert werden.

Bevor der Bagger auffahren konnte, war die Kostenfrage zu klären. Der Kanton lehnte eine Beteiligung ab. Der Ganterschwiler Gemeindepräsident Othmar Gerschwiler ist enttäuscht. Seiner Meinung nach, wäre eine Beteiligung des Kantons angebracht gewesen, zumal im neuen Wasserbaugesetz, welches 2009 zur Abstimmung kommt, der Kanton für diesen Abschnitt der Thur zuständig wäre und schon heute die gesetzliche Möglichkeit einer Beteiligung bestehe. Daniel Dietsche, Leiter Sektion Wasserbau des kantonalen Tiefbauamtes, begründet den Entscheid damit, dass die Kosten für eine Beteiligung des Kantons zu tief seien. Ausserdem seien auch laut neuem Gesetz die Gemeinden verpflichtet, sich prozentual am Unterhalt zu beteiligen. Die Kosten von rund 8000 Franken werden nun von der Gemeinde Ganterschwil getragen.

Der richtige Zeitpunkt

Mit der Beseitigung der Felsbrocken konnte aber nicht gleich begonnen werden. Es war wichtig, wärmere Temperaturen abzuwarten, um die Bauleute möglichst nicht dem Risiko weiterer Felsstürze auszusetzen. Dennoch war es wichtig, die Felsbrocken vor der Schneeschmelze zu entfernen, weil dann die Gefahr einer Überschwemmung am grössten ist. Auch auf die Fische musste bei der Festsetzung des Termins Rücksicht genommen werden. Da dieser Abschnitt der Thur als von «nationaler Bedeutung für das Äschen-Vorkommen» eingestuft ist, war auch die Einwilligung des kantonalen Amts für Natur, Jagd und Fischerei nötig. Wie Kurt Keller, Zuständiger für die Gewässerbewirtschaftung beim Fischereiverein Thur, erklärt, bestünde die Gefahr, dass der Laich der Äschen ersticken würde, wenn durch den Bagger zu viel Sand aufgewirbelt werde. Nachdem er festgestellt hatte, dass die Äschen noch keinen Laich abgeworfen haben, wurde auch von dieser Seite grünes Licht gegeben.

Es bröckelt weiter

Und so konnte Guido Manser am letzten Mittwoch damit beginnen, die Felsbrocken mit dem Abbau-Hammer zu zerkleinern. Nach dem «Verspitzen» verteilte er die kleineren Steine auf der Ganterschwiler Seite nach oben und unten. Auf diese Weise wird der Fluss die kleinen Brocken mitreissen und mit der Zeit wird das Wasser sie zu Kies schleifen. Ganz wohl ist Guido Manser bei der Arbeit nicht. Zu gut sieht man an den abgebrochenen Felsbrocken, wie viel und wie lange das Wasser in den Spalt geronnen war, der dadurch letztlich zum Absturz kam. Und sieht man nach oben, erkennt man, dass sich ein weiterer tiefer Riss entlang der ganzen Wand zieht. «Das ist nur eine Frage der Zeit», meint Guido Manser. Sagt es und schon bröckeln wieder Steine herunter. Dass die Gefahr weiterer Felsstürze besteht, weiss man auch beim Kanton. Bei der Erstellung der Gefahrenkarte im Toggenburg werde diese Stelle mit Sicherheit nochmals genau betrachtet, meint Daniel Dietsche, der Leiter der Sektion Wasserbau.

Wie auch immer: Guido Manser ist froh, als der den zerkleinerten Fels so verteilt hat, dass der Fluss wieder ungehindert fliessen kann, und er, der Baggerführer, sich wieder vom Fels entfernen und in sichere Distanz begeben kann.





Leser-Kommentare:
keine


Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

tagblatt.ch / ipad

iPad und E-Paper

facebook.com / tagblatt

 ...

Anzeige: