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Tagblatt Online, 04. Juni 2012 08:22:00

Toggenburger siegen … und doch nicht

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Festsieger Daniel Bösch (mit Ohrschutz) hatte in Flawil alle Gegner fest im Griff. (Bild: Bilder: Urs Huwyler)

SCHWINGEN. Beim St.Galler Kantonal Schwingfest in Flawil müssen sich die Bösen aus dem SC Wattwil dem für den Toggenburger Verband schwingenden Daniel Bösch geschlagen geben. Köbi Roth wird vor Nöldi Forrer und dem punktgleichen Urs Abderhalden Zweiter.

URS HUWYLER

Vor einem Jahr unterlag Nöldi Forrer im Schlussgang ebenfalls dem aus Kirchberg stammenden und nun im thurgauischen Sirnach wohnhaften Daniel Bösch. Dieser wehrte sich danach entschieden gegen die Schlagzeile, die Toggenburger hätten damit eine Niederlage erlitten. Wer für den Verband rund um die Churfirsten schwinge und Bürger von Stein sei, dürfe sich durchaus als Toggenburger fühlen, wollte er klargestellt haben. So feierten gestern die Männer aus der Grossregion (Wil/Uzwil/Flawil) einen vierfachen Triumph. Wobei die zwischen Wattwil und Wildhaus wohnende Schwinger-elite die ehrenvollen Klassierungen nicht unbedingt als Traumresultat betrachteten.

Sicher ein halber Toggenburger

Die Stimmung unter den Obertoggenburger Aktiven und Schwingerfreunden stimmte beim anfangs und am Ende verregneten St. Galler Kantonalen in Flawil jedoch mehrheitlich. Die Bösen plauderten und ulkten mit den Zuschauern aus den eigenen Reihen. Gut gelaunte durstige Besucher aus andern Clubs und Verbänden packten die Chance, um hautnah mit der «fremden» Elite fachzusimpeln. Dass die «Super Nöldi- und Köbi»-Fans während des Kampfs für den Gegner fieberten, rieben sie den Helden des SC Wattwil nicht unter die Nase. «Es ist nicht gegen sie persönlich gerichtet, sondern die Obertoggenburger sind insgesamt einfach zu stark. Verlieren sie auch einmal, ist die Spannung grösser», versuchten die Ertappten bei den Sitznachbarn zu retten, was noch zu retten war. Am Ende durften die (je nach Resultat) Doppel-Fans aus ihrer Sicht zumindest halbwegs zufrieden sein. «Bösch ist auch ein halber Toggenburger», erkannte einer allerdings fast schon etwas wehmütig. Damit lag er richtig und doch falsch. Dass Urs Abderhalden auch zu «jenen dort oben» gehört, brachte nicht wirklich Trost. Obwohl er wegen des fehlenden Eidgenossen-Titels nicht ganz so böse eingestuft wird wie Forrer/Roth/Götte.

«Trainer» Forrer coacht Wickli

Nach dem vierten Gang stoppte Nöldi Forrer an Platz 4 und erteilte dem angriffig kämpfenden 17jährigen Clubkollegen Beat Wickli (Ennetbühl) aus der ersten Zuschauerreihen Tips. «Er ist ein Talent», betonte der König und forderte den Nachwuchsmann auf, anzugreifen, bevor der andere durch seine Defensivtaktik reagieren könne. «Beat ist weiter als ich in seinem Alter», fügte Forrer an. Beim ersten Versuch scheiterte Wickli mit der Forrer-Taktik noch knapp, wenig später ging sie auf. Beat Wickli schaute danach schmunzelnd (und dankend) zu seinem anfeuernden temporären «Trainer». Zwei Stunden später durfte Beat Wickli feiern: Er holte sich punktgleich mit Christian Holenstein (Stein) den Kranz. Erstmals geschmückt durfte Bruno Näf (Hemberg) nach Hause reisen.

Enttäuschender Urban Götte

Für die Enttäuschung des Tages war ebenfalls ein Obertoggenburger besorgt. Eidgenosse Urban Götte (Stein), der Dominator des Rheintal-Oberländer und Toggenburger Frühlingsschwingertages, steckte zwar anfangs in den Zwilchhosen und stand für einmal trotzdem daneben. Der Mitfavorit stellte zuerst mit dem für Appenzell schwingenden Emil Signer (St. Peterzell), danach auch mit dessen Verbandskollegen Andreas Fässler. Im dritten Gang unterlag Götte völlig überraschend dem krassen Aussenseiter Roman Wanner (Schleitheim). Das war's im Kampf um den Kranz. Die Niederlage entspräche im Fussball einem Cup-Out eines Super League-Clubs gegen einen schwachen Erstligisten. Dafür sprang die zweite Reihe in die Bresche. Wobei Roman Bösch (Alt St. Johann) das Kantonale 2012 auch bald aus der Erinnerung streichen dürfte. Drei Gestellte nach der Mittagspause liessen ihn aus den Traktanden fallen.




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