Tagblatt Online, 10. September 2010 01:03:31
Strom sparen und auf Wasser setzen
Hanspeter Scheu war 18 Jahre lang als Verwaltungsratspräsident der Dorfkorporation Ebnat-Kappel tätig. Bis Ende Jahr sitzt er noch regelmässig am Arbeitstisch im Bürogebäude. (Bild: Bild: ohu)
EBNAT-KAPPEL. Hanspeter Scheu tritt auf Ende Jahr zurück. 18 Jahren war er Verwaltungsratspräsident der Dorfkorporation Ebnat-Kappel. Er erinnert sich an Veränderungen im Konsumverhalten und erklärt, welche alternativen Energiequellen Potenzial haben.
Olivia Hug
Als er 1993 das Amt des Verwaltungsratspräsidenten antrat, hatte der Verbraucher keine grossen Ansprüche. «Es musste einfach Strom da sein, Wasser aus dem Hahnen fliessen und wieder abfliessen», fasst Hanspeter Scheu seine Erinnerung zusammen. Doch im Laufe der Zeit hat sich vieles verändert, was sich heute als Energiespardenken und Klimaschutz äussert.
Es stieg das Kostenbewusstsein der Verbraucher und die teilweise Stromliberalisierung auf politischer Ebene setzte sich vorläufig durch. Anders als versprochen hätten sich die Strompreise seit der Teilliberalisierung nicht gross verändert, weiss Hanspeter Scheu. Auch in Zukunft würden wieder Veränderungen auf den neuen Präsidenten der Dorfkorporation zukommen, sagt der abtretende bestimmt.
«Zurzeit steht eine Inkorporation in die Politische Gemeinde ausser Frage, weil es finanziell wie auch technisch sehr gut funktioniert.» Ebenso würden Synergien schon lange genutzt, wo sie bestehen.
Schwierige Nachfolgeregelung
Hanspeter Scheu verlässt die Dorfkorporation Ebnat-Kappel ein bisschen wehmütig. «Nach 20 Jahren fühlt man sich wie in einem eigenen Betrieb», begründet er. Die Arbeit sei stets interessant gewesen, weil sie nicht politisch gefärbt, sondern sachbezogen ist.
Für ihn als gelernter Polymechaniker und Elektromonteur bestand daher bei seiner Wahl zum Präsidenten bereits ein Vorteil. Doch die Nachfolgeregelung sei damals schon schwierig gewesen.
Nach Hanspeter Scheus Nachfolger hat man zwei Jahre lang gesucht. Nicht weil das Amt unattraktiv sei, sondern weil sich ein VR-Präsident zwei Problemen stellen muss.
Einerseits sollte ein Präsident möglichst unbefangen sein, andererseits ist der Zeitaufwand, den das Präsidium nach sich zieht, nicht zu unterschätzen.
Spardenken ist berufsbedingt
In Zukunft wird Hanspeter Scheu als Präsident der Schweizerischen Bildungskommission des Branchenverbandes Swissmechanic tätig sein.
In den Gefilden der Bildung bewegt er sich bereits seit fünf Jahren als Ausbildner für Polymechaniker am Ausbildungszentrum Swissmechanic in St. Gallen. Daneben ist er Präsident der Sektion Swissmechanic St. Gallen Appenzell und seit bald 30 Jahren in verschiedenen Chargen wie Chefexperte für Abschlussprüfungen der Polymechaniker sowie nationaler Experte an den Berufsweltmeisterschaften tätig gewesen. Wenn er sich nicht gerade der Technik widmet, treibt es ihn in die Berge.
Doch selbst auf 7000 Metern über Meer blendet er sein berufsbedingtes Energiedenken nicht aus. «Wenn man sieht, wie manche Menschen mit sehr wenig zurecht kommen, sollten wir uns mit unseren sehr guten Versorgungsmöglichkeiten mehr als glücklich schätzen», erklärt Hanspeter Scheu.
Wasser ist Potenzial und Sorge
So ist für ihn das Sparen eine Selbstverständlichkeit – ob in Sachen Autofahren oder Heizen mit Holz. Doch es könne noch viel mehr gehen.
«Im Gegensatz zum Wasser ist der Stromverbrauch in Ebnat-Kappel mehr oder weniger konstant.» Am meisten Potenzial haben die Privathaushalte, im Gegensatz zur Industrie, die rein schon aus Kostengründen die Energie möglichst effizient einsetzt. Solardächer wie auf dem Freibad, hält Hanspeter Scheu zwar für sinnvoll, doch erst längerfristig.
«Wenn der Stand der Technik einen höheren Wirkungsgrad zulässt, macht der Einsatz von Solarenergie im grossem Stil richtig Sinn.» Mehr Möglichkeiten schreibt er den Wasserkraftwerken zu. «Meine Meinung ist, dass im Energietal Toggenburg noch mehr neue Wasserkraftwerke gebaut werden könnten», sagt der Präsident bestimmt.
Genug Wasser fliesst auch in dem über 35 Kilometer langen Hauptleitungsnetz von Ebnat-Kappel. Über 90 Prozent des Trinkwassers stammt aus Quellen, der Rest ist Grundwasser, das auch eine gewisse Reserve darstellt. In den letzten Jahren hat der Wasserverbrauch in der Gemeinde stetig abgenommen, dennoch bezeichnet Hanspeter Scheu den Bereich Wasser finanziell als Sorgenkind der Dorfkorporation.
Letztlich müssen die Leitungen sowie Reservoire Pumpwerke unterhalten und saniert werden – trotz sinkender Einnahmen. «Es ist zwar gut, dass sparsamer mit Wasser umgegangen wird, doch das Verständnis für eine Erhöhung der Einnahmen im Bereich Wasser muss dann auch da sein.»
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