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Tagblatt Online, 26. April 2012 06:36:00

Schliessungsentscheid nun definitiv

DIETFURT. Was letzte Woche noch in der Schwebe war, wurde gestern für die Mitarbeitenden der Schönenberger AG in Dietfurt Tatsache: Die Firma schliesst ihre Produktion. Bis Ende Jahr werden 24 von heute 28 Arbeitsplätzen abgebaut. Die Firma wird künftig lediglich im Handel tätig bleiben.

BARBARA ANDEREGG

24 Mitarbeitende sind vom Stilllegungsentscheid der Schönenberger AG betroffen. Bis spätestens Ende Jahr werden sie ihre Stellen bei der Feingewebe-Herstellerin verlieren, das wurde ihnen gestern morgen von der Geschäftsleitung mitgeteilt.

Aus heiterem Himmel kam die Nachricht für die Angestellten nicht. Dass das Konsultationsverfahren lief, war seit einiger Zeit bekannt. (Toggenburger Tagblatt von 21. April) «Auch die Schliessung wird nicht von heute auf morgen vonstatten gehen», sagt Geschäftsführer Andy Freudiger. «Durch unseren Entscheid zum jetzigen Zeitpunkt können wir diese Veränderung geordnet angehen, so dass wir allen unseren noch laufenden Verpflichtungen nachkommen können», betont er das Positive eines rechtzeitigen Entscheides.

Gestaffelte Kündigungen

Die Schliessung der Produktion werde schrittweise vorgenommen und auch die Kündigung würden gestaffelt ausgesprochen, sagt der Geschäftsführer. Bis zu den Sommerferien sei die Produktion noch gut ausgelastet, so dass auch noch genügend Arbeit vorhanden sei. «Viele Kunden haben noch Bestellungen getätigt, um möglichst viel Ware in der gehabten Qualität an Lager nehmen zu können», so Andy Freudiger. Nach den Sommerferien sei das Aufräumen geplant. Bis Ende Jahr sollte alles erledigt sein, so auch der Verkauf der Maschinen, für die bereits Interessenten vorhanden seien. Bis zu diesem Zeitpunkt werden bis auf die vier verbleibenden Mitarbeiter, welche den Handelsbereich der Firma Schönenberger AG mit Gastroobjekten und modernen Küchentextilien weiterführen, fortlaufend alle Produktionsmitarbeiter die Kündigung erhalten haben.

Unterstützung für Betroffene

Die betroffenen Angestellten sollen aber nicht gänzlich allein gelassen werden. Bereits morgen werden Fachleute vom Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum RAV für erste Auskünfte vor Ort sein. Zudem ist ein Sozialplan in Vorbereitung, der sich laut Geschäftsleitung bei den zuständigen Ämtern zur Prüfung befindet. Dieser sieht vor, dass das Geld, welches die Firma in einer patronalen Stiftung für diesen Zweck angelegt hat, dazu dient, gekündigten Mitarbeitern im Falle einer Arbeitslosigkeit die Beiträge an die zweite Säule für eine bestimmte Zeit zu decken. «Wir hoffen natürlich, dass es möglichst nicht so weit kommt», betont Andy Freudiger. Bereits seit einiger Zeit, sei er mit anderen Textilunternehmen im Gespräch, um abzuklären, welche von diesen allenfalls Mitarbeiter übernehmen könnten. «In einigen Fällen, sind diese Gespräche schon konkreter», verrät er. Mit Sicherheit würde sich aber nicht für alle eine neue Stelle in der Textilbranche finden, da diese in der gesamten Schweiz rückläufig sei. Die Schönenberger AG sei seit Anfang 2012 bereits das vierte Textilunternehmen in der Schweiz, das massiv Stellen abgebaut, die Produktion geschlossen oder ins Ausland verlagert hat, sagt Andy Freudiger. Tragisch sei dabei auch, dass dies für die Branche zu einem Verlust von Know-how führe. «Die Leute müssen in eine andere Branche wechseln und stehen dann später nicht mehr für die Textilindustrie zur Verfügung», bedauert er.

Geordnetes Ende

So oder so, die Entscheidung habe gefällt werden müssen. «Dass es so weit kommen musste, bedauern die Geschäftsleitung und der Verwaltungsrat sehr», betont Andy Freudiger. Die Entwicklung, die letztlich zu diesem Entscheid geführt hat, habe jedoch bereits früher ihren Anfang genommen. Die Globalisierung und die Wirtschaftskrise machten der Textilindustrie in der Schweiz schon seit längerem zu schaffen. «Der tiefe Eurokurs war jetzt noch der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat», ist er überzeugt.

In dieser Situation sei es wichtig, einen Entscheid zu treffen, statt zu warten bis der Konkurs droht. «Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, wie man so zu sagen pflegt», ist Andy Freudiger der Meinung und führt aus: «So bestimmen wenigstens wir, wie es vonstatten geht. Zudem können wir auch den Mitarbeitenden trotz allem einen Rahmen geben, und sie müssen nicht im Chaos einer finanziellen Misere um ihre Lohnzahlungen bangen.»





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