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Tagblatt Online, 06. Mai 2009 01:04:44

Per E-Mail zum Seelenheil

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Pfarrer Josef Manser betätigt sich als Internet-Seelsorger und das bereits seit 1998, drei Jahre nach der Gründung von seelsorge.net. (Bild: Bild: Matthias Giger)

Eine Maus, eine Tastatur, einen Computer mit Internet-Anschluss und etwas Erfahrung im Umgang mit einer Online-Mailbox. Mehr braucht der Bütschwiler Pfarrer Josef Manser nicht, um der Bevölkerung eine niederschwellige Seelsorge-Dienstleistung anzubieten. Das Angebot der Seelsorge über E-Mail stammt aus der Frühzeit des Internets. Es besteht bereits seit 1995. Gegründet hat es Pfarrer Jakob Vetsch, der heute Sihlcity Pfarrer in Zürich ist.

Drei Jahre später ist der Bütschwiler Pfarrer Josef Manser zum Team gestossen. Ein Kollege habe ihn gefragt, ob er Interesse hätte, auf freiwilliger Basis als Internet-Seelsorger mitzuarbeiten. «Unterdessen gibt es mehrere Anbieter, aber seelsorge.net war der erste», weiss Pfarrer Josef Manser.

Viele Beziehungsfragen

Meistens seien es Beziehungsfragen für welche das Angebot der Internet-Seelsorge genutzt wird. «Es sind Fragen zum zwischenmenschlichen Umgang und zu Konflikten.

» Viele Mails betreffen die Persönlichkeit. «Da geht es beispielsweise um Lustlosigkeit oder Ängste.» Einige Nutzer fragen über die Internet-Seelsorge nach Entscheidungshilfen für verzwickte Situationen. Die Seelsorger bekommen es auch mit Selbstverletzungen zu tun. «Unsere Aufgabe in solchen Situationen kann nur sein, zu ermutigen, Fachhilfe in Anspruch zu nehmen», sagt Pfarrer Josef Manser. Auch mit Glaubensfragen werde das Team von seelsorge.net öfters konfrontiert. Am häufigsten sei die Frage: «Warum lässt Gott das zu?», erzählt Josef Manser.

Als weiteren Bereich nennt der Bütschwiler Pfarrer die Trauer. «In den meisten Fällen geht es darum, dass wir ermutigen, mit Angehörigen oder Fachleuten zu sprechen», fasst Pfarrer Josef Manser zusammen.

Eines der wichtigsten Ziele der Internet-Seelsorge sei es, die Leute dazu zu bewegen, dass sie schreiben, was sie bedrückt. «Viele Probleme verlieren an Bedrohlichkeit, wenn ich sie einmal aufgeschrieben habe», ist der Internet-Seelsorger überzeugt. Es sei bereits eine Form des Verarbeitens, wenn man ein Problem einmal geordnet und festgehalten hat.

«Manchmal schliessen wir jemanden namentlich ins Gebet mit ein oder zünden für ihn oder sie eine Kerze an», sagt er. Ratschläge gebe man keine. Ratschläge seien Schläge. Man versuche vielmehr Lösungsansätze aufzuzeigen und die Leute zu eigenen Schritten zu bewegen. «Wichtig ist es, dass wir Verständnis zeigen, dass sich die Leute verstanden und ernst genommen fühlen.

Unterschiedliche Anbieter

Im Laufe der Jahre ist das Internet-Seelsorge-Team von zwei auf dreissig Seelsorger und Seelsorgerinnen angewachsen. «Seit dem letzten Jahr hat sich die Zahl bei 30 eingependelt. Dies hat damit zu tun, dass es insgesamt mehr Anbieter von Internet-Seelsorge gibt», sagt Josef Manser. Neuzugänge, also Leute, die zum ersten Mal die Internet-Seelsorge nutzen, habe man täglich. Pro Tag seien es zwei bis drei E-Mails, die in der Mailbox von seelsorge.net landen. «Wir versuchen alle E-Mails innert höchstens 48 Stunden zu beantworten, meistens sind wir weit schneller», erzählt der Bütschwiler Pfarrer. Das Angebot sei niederschwellig. «Erfahrungsgemäss machen oft auch Menschen vom Angebot Gebrauch, die sich nicht trauen würden, an die Türe zu klopfen, um persönlich um Seelsorge zu ersuchen.» Den Dienst sieht er als zeitgemässe Ergänzung zur klassischen Arbeit im seelsorgerischen Bereich. «Für mich ist es eine Chance, nahe bei den Menschen und ihren Sorgen zu sein. » Zu den Nutzern würden mehrheitlich 15- bis 50-Jährige zählen, welche in der Kirche nicht mehr so oft anzutreffen seien. Unter den Nutzern fänden sich aber auch jüngere und ältere Menschen. So erreiche man alle Altersschichten.

Nur erfahrene Seelsorger

Im Internet-Seelsorge-Team des seelsorge.net arbeiten ausschliesslich erfahrene Seelsorger mit entsprechender Ausbildung. Sie sind ans Seelsorge-Geheimnis gebunden und haben einen kirchlichen oder einen psychologischen Hintergrund «mit einem Bezug zu einer der beiden Landeskirchen», betont Josef Manser. «Darauf legen wir Wert.» Seelsorge.net ist ökumenisch organisiert. Das heisst, dass die evangelische und die katholische Landeskirche dahinter stehen. «Es gibt viele Anbieter, teils auch freikirchliche und die haben sicher einen anderen Stil der Beratung als wir», meint er. Seelsorge. net ist dreisprachig. Das Angebot werde auch von Migranten oder Schweizern, die im Ausland leben, genutzt. Nebst der Seelsorge per E-Mail bietet seelsorge.net einen SMS-Dienst an. Der Bütschwiler Pfarrer Josef Manser arbeitet allerdings ausschliesslich für den E-Mail basierten Dienst.

Matthias Giger





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