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Tagblatt Online, 11. Juli 2009 01:01:24

Naturbestattungen fehlt Bewilligung

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In der Nähe der Bergkapelle Sellamatt bietet die Waldesruh GmbH Naturbegräbnisplätze an - die Bewilligung fehlt allerdings noch. (Bild: Bild: pd)

Seine letzte Ruhestätte am Fusse der Churfirsten mit Blick auf den Säntis zu finden, ist nun möglich, glaubt man einem Angebot der Waldesruh GmbH mit Sitz in Frauenfeld. Die Firma bietet Bestattungen auf einer Alpweide in der Nähe der Bergkapelle auf der Alp Sellamatt an.

Katharina Rutz

Alt St. Johann. Unter den vielen Standorten von Naturbestattungs-Plätzen auf der Webseite der Waldesruh GmbH taucht auch die Alp Sellamatt auf. «Mit der neuen Kabinenbahn ab Alt St. Johann, erreichen Sie den wunderschönen Waldesruh-Platz am Fusse der Churfirsten», heisst es im Informationsteil zum Waldesruh-Standort Alp Sellamatt. Die Bergkapelle in der Nähe der für die Bestattungen vorgesehenen Alpweide biete zudem die Möglichkeit einer nicht alltäglichen Abdankung.

«Als Gedenken werden Bergsteine gesetzt, die für eine Dauer von 30 Jahren grundbuchamtlich geschützt sind», heisst es im Angebot weiter. Die letzte Ruhestätte auf der Alpweide der Sellamatt kostet 4850 Franken.

Bereits Besichtigungen

Valentin Lötscher vom Berggasthaus Sellamatt ist der Besitzer des Grundstücks.

Mittels Personal-Servitut hat er das Landstück rund 50 Meter von der Bergkapelle entfernt an die Waldesruh GmbH für 30 Jahre «vermietet». «Ich bin erstaunt, wie viele Menschen sich mit dem Tod befassen», sagt er. Bereits hätten sich einige Menschen bei ihm erkundigt und den Bestattungsplatz besichtigt, wie er sagt. Er verstehe gut, dass die Blumenwiese Menschen ansprechen würde, die einen besonderen Begräbnisplatz suchen. «Sichtbare Veränderung wird es auf der Wiese aber keine geben.

Man wird weiterhin darüber spazieren können und auch die Schafe werden weiterhin dort weiden», ergänzt Valentin Lötscher.

Baubewilligung nötig

Trotz Vereinbarung mit dem Landbesitzer Valentin Lötscher, fehlt dem Naturbestattungs-Angebot aber die Bewilligung durch die Gemeinde und den Kanton. Da sich der angebotene Ruheplatz in einem Gebiet ausserhalb der Bauzone befindet, ist für das Betreiben eines gewerblichen Bestattungsplatzes ein Baugesuch bei der Gemeinde einzureichen.

Dieses muss auch vom Amt für Raumentwicklung und Geoinformation (Areg) des Kantons St. Gallen bewilligt werden. Doch ein Gesuch der Waldesruh GmbH liegt weder auf der Gemeinde noch beim Kanton vor. «Ich habe aus der Zeitung von diesem Angebot erfahren. Gemäss dem, was ich las, braucht der Bestattungsplatz eine Baubewilligung», sagt Jakob Ruckstuhl, Leiter der Abteilung Bauen ausserhalb der Bauzone beim Areg. Alois Ebneter, Gemeindepräsident von Alt St.

Johann, bestätigt: «Wir werden die Waldesruh GmbH auffordern, ein Baugesuch für den Bestattungsplatz einzureichen». Bereits im 2007 behandelte das Areg ein ähnliches Gesuch für die Alp Sellamatt. Dieses wurde abgelehnt. Grund war, dass die Nutzung als Bestattungsplatz nicht zonenkonform gewesen wäre. Die Veränderungen hätten sich von der ursprünglichen landwirtschaftlichen und touristischen Nutzung abgehoben und da ein Friedhof nicht zwingend standortgebunden sei, konnte laut Jakob Ruckstuhl die Bewilligung nicht erteilt werden. Auch in Wattwil gingen im Jahr 2007 zwei Gesuche für Waldfriedhöfe ein. Eines wurde zurückgezogen, das andere wurde im Februar 2008 aus ähnlichen Gründen wie auf der Sellamatt abgelehnt.

Bereits drei Waldfriedhöfe

Im Kanton St. Gallen sind bisher drei Waldfriedhöfe bewilligt worden. In Degersheim betreibt die Gemeinde seit letztem Sommer den Waldfriedhof Unterer Fuchsacker. Dort kann die Asche eines Verstorbenen – ohne Urne – durch eine Öffnung im Waldboden direkt den Wurzeln eines bestehenden Baumes beigegeben werden. Weiter kann über der im Waldboden beigesetzten Asche ein junger Baum gepflanzt werden. Die Ortsgemeinde Grabs wirbt über Internet für ihren Ruhwald Voralp. Den bisher einzigen Toggenburger Waldfriedhof führt das Bestattungsinstitut Bergwald GmbH von Ruedi Haas in Nesslau. Er liegt in der Nähe von Ennetbühl auf dem ehemaligen Gelände des Skilifts. «Bestattungen haben bisher rund 15 stattgefunden. Ich erhalte aber viele Anfragen», so Ruedi Haas. Die meisten Bestattungen würden ohne Zeremonie ablaufen und auch von Angehörigen würde der Waldfriedhof alles andere als überschwemmt.





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