Tagblatt Online, 04. Februar 2012 12:16:00
Keiner der «Generation Weichei»
ZÜRICH/NEU ST.JOHANN. Nach der Plattentaufe in Bern wird Rapper Floro morgen mit seiner ersten Solo-CD vor heimischem Publikum im «Kraftwerk» auftreten. Florian Wäspe, Sohn von Willi Valotti, über sein Projekt, Mainstream und seine musikalischen Anfänge.
ALEXANDRA SCHERRER
In einem grossflächigen Atelier in Zürich, einen zehnminütigen Fussmarsch vom Hauptbahnhof entfernt, entsteht ein Grossteil von Florian Wäspes künstlerischem Schaffen. Der Toggenburger aus Neu St. Johann hat vor einem halben Jahr seinen alten Wohnort Bern verlassen und ist nach Zürich gezogen, um dort mediale Künste zu studieren. Ein Mischpult, Mikrophone, Effektgeräte und ein Laptop sind die zentralen Elemente seines Arbeitsplatzes. Sein Pult steht nicht alleine im Raum: Ein paar von Florian Wäspes Mitstudenten haben sich darin ebenfalls eingerichtet.
Erste Solo-Rap-CD
Für einmal steht das Equipment des Rappers nicht unter Strom und seine Stimme will nicht arbeiten und schaffen, sondern einfach erzählen. «Gschächnütschlimmers» heisst die Band, die er und Stefan Breitenmoser alias Floro und Harry Hustler vor ungefähr acht Jahren gegründet haben. Ihre gemeinsamen Projekte sind unter anderem die wöchentliche Hip-Hop-Sendung auf dem Kultursender Radio Rabe, das Theaterstück «Three Dollar Opera» oder das mit zwei Westschweizern produzierte Album «Fuck Röstigraben». Das im Dezember produzierte Album «Prebold» ist ein Einzelprojekt: «Mein Bandkollege ist auf Weltreise, deshalb habe ich eine Solo-Rap-CD gemacht», erklärt Floro.
Seine Texte beschreibt der Künstler als tiefgründig und kompakt. Dies seien Eigenschaften, die nicht selten kritisiert würden: Die hohe Dichte an Informationen zusammen mit einem anspruchsvollen Sound empfinde manches Publikum als zu schwer. Der Rapper ist sich dessen zwar bewusst, doch andererseits will er nicht für die Menge schreiben und seine eigenen Interessen und Gedanken aussen vor lassen. «Ich will die Leute nicht einfach nur mit Klängen verwöhnen. Ich will sie auf etwas aufmerksam machen», so der Musiker. Er wünscht sich einen authentischen und direkten Menschen – so wie er sich auch selber sieht – und möchte die Gesellschaft mit seiner Musik aufrütteln, damit sie sich nicht zu Opfern ihrer Zeit machen lassen.
Fachsimpeln mit Willi Valotti
Dass aus dem Toggenburger statt eines Rappers nicht ein Volksmusiker geworden ist, habe sich halt so ergeben. Früher hat Florian Wäspe sogar einmal Schwyzerörgeli gespielt und mit seinem Vater Willi Valotti, dem schweizweit bekannten Akkordeonist und Ländlermusiker, ein kleines Konzert in Nesslau gegeben. «Wir musizieren auch heute noch ab und zu zusammen», erzählt Floro. Er höre die Musik seines Vaters gerne und umgekehrt nehme Willi Valotti auch Stellung zur Musik seines Sohnes. «Seltsamerweise sprechen wir aber jeweils weniger über unsere eigene Musik als über die anderer», bemerkt Florian Wäspe, der es sich gut vorstellen könnte, einmal mit Willi Valotti zusammen ein Stück oder gar ein Album zu produzieren. Diese Pläne seien aber noch in ferner Zukunft und vorerst konzentriere er sich auf seine neue CD «Prebold».
Auftritt im Kraftwerk Club
Den englisch aussehenden Namen hat der Rapper nach dem Zufallsprinzip gefunden. «Ich habe einen Wortgenerator gegoogelt und der hat den Namen für meine CD ausgegeben», schmunzelt Floro. Welches Stück auf seinem Album er denn besonders bevorzuge, kann er nicht beantworten. «Uszyt» gefalle ihm gut, denn die Beats dazu seien von «Sterneis» (Michael Kalt), einem der bekanntesten Beatmaker und Produzenten der Schweizer Rap-Szene, und kommen bei den Menschen gut an, so Florian Wäspe. Weitere Titel wie «Rössli», welches Schweizer Beizenkultur widerspiegelt oder «Weichei», das von einer Generation desselben Namens erzählt, die die Spaghetti vor dem Essen zerschneidet und sich jeden Morgen den Scheinbart rasiert.
Morgen Samstag haben Toggenburger Musikfreunde die Möglichkeit, den Rapper live im Kraftwerk Club in Krummenau zu erleben. Er wird im Vorfeld der US-Hip-Hop-Band Das EFX auftreten.
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