Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 2. August 2012, 07:53 Uhr

Feine Schnitzereien mit Kettensäge

Zoom

Jürg Strübi mit drei seiner Kettensägen, die er für das Schnitzen und Speedcarving benötigt. (Bild: Bilder: Christiana Sutter)

NESSLAU. Der Nesslauer Blockhaus-Bauer Jürg Strübi nimmt an den ersten Schweizer Meisterschaften im Kettensägen-Schnitzen in Volketswil in der Disziplin «Speedcarving» teil. Dabei geht es ihm weniger um den Wettkampf, als vielmehr um den Austausch mit Gleichgesinnten.

CHRISTIANA SUTTER

«Eigentlich wollte ich an den ersten Schweizer Meisterschaften im Kettensägen-Schnitzen nicht teilnehmen», sagt der 32jährige Jürg Strübi aus dem Nesslauer Bühl. Denn nach sechs Jahren, in denen er im Auftrag von Kunden geschnitzt hat, will er dies nun aufgeben und nur noch als Hobby mit der Kettensäge Figuren schnitzen. Und doch hat er letztlich zugesagt und wird am 19. August in Volketswil am Wettkampf teilnehmen. «Es ist sicher interessant zu sehen, was andere Kettensägen-Schnitzer so machen», begründet er.

Kein Sport, sondern Ausgleich

«Eine spezielle Vorbereitung brauche ich nicht. Ich sehe das auch nicht als sportlichen Wettkampf an, sondern einfach als eine gute Erfahrung», betont er. Viel Zeit bliebe ihm im Moment sowieso nicht, da er dabei sei, den Dachstock des eigenen Hauses umzubauen. Der Vater von drei Kindern hat in Nesslau seit sechs Jahren ein eigenes Geschäft, die Zimmerei und Blockhausbau GmbH. Seine Spezialität sei der Blockhausbau und der konventionelle Holzbau.

«Es ist nicht so, dass ich jeden Tag eine Figur schnitze. Mit meiner Arbeit als Blockhaus-Bauer habe ich die Motorsäge jeden Tag in der Hand. Das ist genug Training. Für mich ist das Schnitzen eine Nebenbeschäftigung», sagt er. Er verharrt einen Moment in seiner Arbeit und blickt Richtung Nordosten in die Berge. «Ist es nicht einfach schön hier? Wir haben Säntis, Stockberg, Neuenalpspitz und Churfirsten vor uns, was will man mehr», schwärmt er.

Schnitzen als Nebenjob

Das Kettensägen-Schnitzen ist eine junge Disziplin. «In der Schweiz ist es erst in den letzten zehn Jahren so richtig aufgekommen», erzählt Jürg Strübi. Im Alter von 22 Jahren hätte er einmal in Uznach im Wald gearbeitet, da sei er durch Arbeitskollegen auf das Kettensägen-Schnitzen aufmerksam geworden. Er hätte es einfach ausprobiert. «Professionelle Holzschnitzer sind in der ganzen Schweiz zu finden. Kurse werden vor allem im Berner Oberland und im österreichischen Lechtal angeboten», sagt Jürg Strübi weiter.

Plastische Tierbilder

«Am liebsten schnitze ich Tiere», erzählt er. Im Internet suche er sich ein passendes Sujet aus. «Tierbilder, die von mehreren Seiten anzuschauen sind – damit ich mir eine plastische Vorstellung machen kann – sind mir am liebsten» sagt Jürg Strübi. Schön sei es, wenn das Tier, welches er aussucht, sich sehr natürlich schnitzen lasse. Damit ist gemeint, dass beispielsweise ein Adler im Flug wegen seiner Proportionen schwer zu schnitzen sei, weil es gar keine Baumstämme gibt, die so dick sind wie die Flügelspannweite des Adlers.

Feinheiten sichtbar machen

Jürg Strübi macht sich an die Schnitz-Arbeit. Seine Werkzeuge sind vier verschieden grosse Kettensägen. «Diese Kettensägen benötige ich bei meiner täglichen Arbeit, da habe ich keine spezielle Wunderwaffe», meint er schmunzelnd. Dann kommt der erste Schnitt. «Ich habe schon einen Vorgehensplan. Zuerst nehme ich das Stück in Angriff, bei welchem am wenigsten Holz für das Sujet notwendig ist. Zuerst säge ich die Silhouette grosszügig heraus. Anschliessend arbeite ich mich in die Form des Tiers hinein. Wichtig ist, dass die Kettensäge scharf ist. Damit ist es einfacher, Feinheiten und Eigenheiten des Tiers sichtbar zu machen», erklärt Jürg Strübi.

Herausforderung Speedcarving

An den ersten Schweizer Meisterschaften im Kettensägen-Schnitzen gibt es zwei Disziplinen. Da ist einmal die «Kettensäge-Kunst». An diesem Wettkampf nehmen sechs bekannte Kettensägen-Schnitzer teil, die von den Organisatoren eingeladen wurden. Dabei geht es darum, innerhalb einer vorgegebenen Zeit, ein selbst gewähltes Sujet zu schnitzen.

Jürg Strübi selbst nimmt an der zweiten Disziplin, dem «Speedcarving»-Wettkampf teil. «Ich wurde von den Organisatoren angefragt, ob ich teilnehmen möchte. Dass es eine Meisterschaft gibt, habe ich vor der Anfrage nicht gewusst», sagt er. Das Ziel beim «Speedcarving» sei es, innerhalb einer Stunde ein selbst gewähltes Sujet fertig zu gestalten. «Das ist eine grosse Herausforderung, weil eine Stunde sehr kurz ist. Aber genau das macht es spannend», sagt Jürg Strübi. Das Sujet hätte er im Internet bereits gefunden, es sei etwas Exotisches. Er verrät nicht, was es genau sein werde.

Bis anhin hätte er sich ab und zu in Feusisberg im «Verein altes Sägewerk» mit gleichgesinnten «Hölzigen» zum Schnitzen getroffen. «Ich habe hin und her überlegt, bin aber zum Schluss gekommen, dass es sicher Spass mache, einmal an einem Wettkampf teilzunehmen. Irgendwie ist doch immer ein bisschen Ehrgeiz im Spiel», sagt er weiter.

Informationen über den Wettkampf: www.kettensaegenschnitzen.ch


Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.
Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren.



Leser-Kommentare:
keine

Anzeige:

Gewinnspiel Tippen Sie mit

Tippen & Gewinnen

Ostschweizer Trauerportal

teaser-ROS-trauer

tagblatt.ch / leserbilder

leserbilder.jpg

 ...