Tagblatt Online, 04. September 2010 01:01:29
Eine echte Sportskanone
Ramona Forchinis Stärke sind eigentlich Bike-Rennen – eigentlich. (Bild: Bild: Matthias Giger)
WATTWIL. Ramona Forchini hat kürzlich die Schweizer Strassen-Meisterschaft in Kriegstetten gewonnen. Der Radsport scheint ihr zu liegen, denn ihre Spezialität sind eigentlich die Bike-Rennen. Auch sonst neigt sie dazu, Rennen und Wettkämpfe mit einem Podestplatz zu beenden.
Matthias Giger
Schon vor einigen Jahren hat sich abgezeichnet, dass Ramona Forchini sportlich stark ist. «Mein Turnlehrer hat mich darauf angesprochen, als ich in der 5. oder 6. Klasse war. Er meinte, ich sei talentiert und müsse mehr daraus machen», erinnert sich Ramona Forchini.
Als Kind war sie im Geräteturnen. Auch dort hat sie es bei einem Wettkampf auf das Podest geschafft. Nur gerechnet hatte sie nicht damit. Sie war nämlich schon über alle Berge, als die Rangverkündigung stattfand.
Nachdem sie am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt war, musste Ramona Forchini das Geräteturnen an den Nagel hängen. Nach Ermunterung des Turnlehrers überlegte sie, welche Sportart ihr noch gefalle. Zunächst dachte Ramona Forchini an Fussball. Nur gefiel ihr Fussball dann doch nicht besonders. Also überlegte sie weiter. Auf den Radsport kam sie spontan. «Es war ein Blitzgedanke», sagt die junge Sportlerin.
Tanz auf mehreren Hochzeiten
Ein Wunder ist es zwar nicht, eine kleine Sensation aber schon, dass die 16jährige Wattwilerin in Kriegstetten in der Kategorie U17 an den Schweizer Strassen-Meisterschaften den Sieg heraus fuhr. Dies sei zwar nicht ihr erstes Strassen-Rennen gewesen, doch mehrheitlich fahre sie Bike-Rennen. Und auch in dieser Disziplin des Radsports kann sich ihre Leistung mehr als sehen lassen.
Ende August hat sie nach dem U17 Final des Racer Bikes Cups in Muttenz auf dem zweiten Podestplatz in der Gesamtwertung gestanden. Der Racer Bikes Cup ist europaweit die wichtigste Rennserie und besteht aus neun Rennen. «Es ist wahrscheinlich, dass ich mich früher oder später für eine der beiden Disziplinen entscheiden muss. Ich fahre aber beide gerne und schaue mal, wie sich beides entwickelt», meint Ramona Forchini. Nächstes Jahr wird sie in der Kategorie U19 antreten.
In dieser Kategorie ist das Niveau höher und die Strecken sind länger. An Bike-Rennen hat sie erstmals 2007 teilgenommen. 2009 hat sie begonnen, nationale Rennen zu fahren. Auf die Frage, ob es nicht auch einige Konkurrentinnen gibt, die sich bereits mit sechs Jahren oder noch früher auf eine der beiden Disziplinen festgelegt haben, meint sie: «Doch, das ist eigentlich bei den meisten der Fall».
Ihr Verlegenheits-Lächeln verrät, dass sie ihr eigenes Talent manchmal fast etwas verlegen macht.
Erfolgreiches Einzel-Zeitfahren
Ramona Forchini hat auch an der Schweizer Meisterschaft im Einzel-Zeitfahren teilgenommen. Sie ging bescheiden mit ihrem Trainingsrennrad an den Start, ohne aerodynamisches Material. Dass Ramona Forchini das Einzel-Zeitfahren in ihrer Kategorie trotzdem gewann, freute sie und ihre Familie natürlich besonders.
Die Sponsorenbeiträge alleine reichen nicht, um alle Kosten zu decken, die rund um Ramonas Radsport-Karriere anfallen. Je nach finanziellen Gegebenheiten möchte sie das Material optimieren.
Auch abseits des Radsports räumt sie regelmässig ab. In den Ferien hat der Campingplatz einen Lauf organisiert. Ramona wusste natürlich nichts Besseres, als in der Frauen-Kategorie von 13 bis 99 Jahren wieder alles zu geben.
Die 26jährige Schweizerin, die von Ramona auf den zweiten Rang verwiesen wurde, wollte wissen, ob sie schon an vielen Läufen teilgenommen habe. Als Ramona sagte, dass sie Radsport betreibe, habe die Schweizerin gemeint, sie müsse unbedingt die Sportart wechseln. Doch davon will Ramona nichts wissen: «Der Radsport gefällt mir gut. Er ist sehr vielseitig. Man benötigt Kraft, Ausdauer, Technik und Taktik.
» Sie sieht im Radsport «einen guten Ausgleich zu meiner KV-Lehre» – vorerst.
Erst Ausbildung, dann Sport
Ramonas Vorbild ist der Biker Nino Schurter. Auch Fabian Cancellara gefalle ihr – «auf der Strasse», betont sie lächelnd. Ihre Ausbildung will sie beenden, bevor sie allenfalls eine Sportkarriere in Angriff nimmt. Derzeit fährt sie im Team «Hobi Bau AG – M.F. Hügler Wetzikon». Jeder im Team trainiert für sich. Alleine der Weg nach Wetzikon und zurück dauert eine Stunde.
Diese Zeit nutze sie lieber, um zu trainieren. Sie trainiert dabei sowohl auf ihrem Strassen-Rennvelo als auch auf ihrem Bike. Ausserdem geht sie joggen, schwimmen, auf die Loipe oder trainiert in einem Kraftraum. «Was ich trainiere, überlässt mir mein Trainer», sagt Ramona Forchini.
Auf die Saison 2011 wechselt Ramona in ein internationales Bike-Team, mit dem sie diverse Trainingslager und Trainingswochenenden absolvieren wird.
Keine Zeit für Ausgang
Viel Freizeit bleibt ihr neben ihrer Ausbildung und dem Sport nicht. «Den Ausgang vermisse ich eigentlich nicht. Sport ist mir wichtiger», meint sie. Ihre Kolleginnen sehe sie durch die wenige Freizeit schon nicht so regelmässig. Manchmal geht sie mit ihnen Inline-Skaten. «Da halte ich mich aber zurück. Allerdings habe ich dann schon mehr Atem zum Plaudern», meint sie.
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