Tagblatt Online, 28. Januar 2012 01:08:00
Ein Leben mit und für Autos
Am Steuer fühlt Edy Kobelt sich wohl – egal, ob er mit Ehefrau Patricia ausfährt oder ob er als Rennfahrer versucht, der Schnellste zu sein. (Bild: Barbara Anderegg)
WATTWIL. Nach 24 Jahren hat Edy Kobelt seine VW-Garage verkauft. Autos werden in seinem Leben aber weiterhin eine wichtige Rolle spielen und das taten sie schon immer. Nicht nur beruflich hatte der Garagist mit Fahrzeugen zu tun – als Rennfahrer holte er verschiedene Titel.
BARBARA ANDEREGG
Schon im Kindergarten stand Edy Kobelts Berufsziel fest: Automechaniker wollte er werden. «Ich hatte schon damals nur Autos im Kopf», erinnert sich der heute 60-Jährige. Anders als bei vielen anderen Kindern blieb bei ihm dieser Berufswunsch bestehen. In einer Opel-Garage in Rapperswil absolvierte der gebürtige Ebnat-Kappler seine Traum-Ausbildung. Im Anschluss an die Lehre konnte er in seinem Lehrbetrieb bleiben und wurde zum Werkstattchef befördert. Das Angebot einer Ebnat-Kappler Garage, dort als Werkstattchef zu arbeiten, brachte Edy Kobelt 1980 beruflich wieder zurück ins Toggenburg.
Eigene Garage
Sieben Jahre später stand die VW-Garage Feurer an der Wattwiler Rickenstrasse zum Verkauf. «Zusammen mit zwei Schulfreunden gründete ich die AG und wir konnten die Garage pachten», schildert der Garagist die Anfänge seiner Selbständigkeit. Die anderen beiden seien nicht vom Fach gewesen, hätten sich aber nebenberuflich um die Finanzen und das Marketing der Firma gekümmert. «Diese Unterstützung war enorm wichtig, denn anders als andere, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen und allein beginnen, hatten wir die acht Angestellten der Garage Feurer übernommen», erinnert sich Edy Kobelt. Diese Zahl an Mitarbeitern sei über die gesamten 24 Jahre in etwa konstant geblieben. Geändert hat sich hingegen der Standort. Der Besitzer der alten Liegenschaft wollte diese verkaufen. «Allerdings hätte der Kauf und der Umbau der alten Garage nach den Vorgaben der Amag gleich viel gekostet wie ein Neubau», erinnert sich Edy Kobelt. Daher zog er mit seiner Garage 2002 in den Flooz.
Hauptsache Autos
Als Garagist legte Edy Kobelt das Werkzeug beiseite und kümmerte sich insbesondere um den Verkauf. «Das war anfangs schon eine Umstellung. Aber auch das habe ich gerne gemacht. Die Hauptsache war immer, dass es etwas mit Autos zu tun hatte», sagt er schmunzelnd. Diese Einstellung prägte nicht nur Edy Kobelts Berufsleben, sondern auch seine Freizeit. Denn neben dem Beruf des Automechanikers hegte er noch einen weiteren Wunsch: Rennfahrer wollte er werden. Zuerst aber galt es, die Lehre abzuschliessen, die Rekrutenschule zu absolvieren und genügend Geld für einen renntauglichen Wagen zusammen zu bekommen. Edy Kobelt hat gespart und sich mit dem Reparieren der Autos von Bekannten noch etwas dazuverdient.
Mit Gelächter empfangen
1974 hatte er das Geld beisammen. «Ich kaufte mir einen ganz einfachen roten Opel Ascona», erinnert er sich zurück. Erst galt es, sich schlau zu machen. «Ich hatte keine Ahnung, wie ich vorgehen musste, um an Rennen teilzunehmen. Denn ich war der erste im Toggenburg mit diesem Ziel», erzählt er. Sein Auto musste er den Sicherheitsvorschriften entsprechend umbauen. Auch einen Kurs musste er absolvieren, um die Lizenz als Rennfahrer zu erhalten. Dann endlich ging es ans erste Tourenwagen-Rennen nach Hockenheim. «Ab Basel hatte ich wahnsinniges Herzklopfen. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet», erinnert er sich. Empfangen wurde er mit Gelächter. «Die vielen Alfa Romeo-Fahrer lachten mich mit meinem Opel aus. Aber beim zweiten Rennen hat bereits keiner mehr gelacht», sagt Edy Kobelt. Denn von Anfang an erzielte er Erfolge. Sechs Jahre lang fuhr er Tourenwagenrennen und dabei sei er glücklich gewesen.
Ein Bekannter, der sich immer wieder nach Sponsoren für Edy Kobelt umschaute, brachte eines Tages die Wende. Er hatte einen grossen Geldgeber gefunden, aber: «Der wollte, dass ich Formel 3 fahre», sagt der Rennfahrer.
Ein Jahr im Sauber-Team
So kam der Toggenburger 1979 ins Sauber-Team und wurde im selben Jahr gleich Vize-SchweizerMeister. Ein Jahr später wechselte Sauber in die Pro Car-Liga. Edy Kobelt wollte das nicht und suchte sich ein anderes Team. Noch zwei Jahre fuhr er in der Formel 3. «Im dritten Jahr hatte ich viel Pech, vor allem mit der Technik. Da zog sich der Sponsor zurück und ich fuhr wieder mit einem kleinen Tourenwagen», sagt Edy Kobelt und ergänzt: «Mit welchem Fahrzeug spielte keine Rolle, ich wollte einfach Rennen fahren. Das Gefühl erleben, wenn man in der Kurve richtiggehend spürt, dass man am Limit fährt, und das unbeschreibliche Gefühl, wenn man Erfolg hat», beschreibt er seine Leidenschaft.
Insgesamt vier Mal errang Edy Kobelt den Schweizer-Meister-Titel im Tourenwagenrennen. Als letztes Ziel setzte er sich den Sieg des Renault-Pokals. «Diesen Pokal, um den alle Fahrer mit genau demselben Fahrzeug fahren, wollte ich noch gewinnen und dann mit dem Rennsport aufhören», erinnert er sich. 1994 hat er dieses Ziel erreicht – aufgehört hat er nicht.
Pseudonym Nikko
Der Toyota-Importeur bot ihm damals an, als Werkfahrer für diese japanische Marke zu starten. «Das ist ein echtes Privileg, davon gibt es immer nur einen oder zwei in der Schweiz», sagt Edy Kobelt. 1995 bis 1997 fuhr er also für Toyota, allerdings unter dem Pseudonym Nikko, denn zu dieser Zeit war Edy Kobelt ja bereits VW-Vertreter.
1997 zog er sich dann aber doch vom Rennsport zurück. «Der Druck im Geschäft hatte enorm zugenommen und ich hätte zu viel investieren müssen. Der Zeitpunkt schien gekommen, ich hatte erreicht, was ich konnte», sagt Edy Kobelt, der während all den Jahren im Schnitt jedes zweite Wochenende und die gesamten Ferien in sein Hobby investiert hatte. In den folgenden Jahren war er etwa ein Mal pro Jahr als Zuschauer an einem Rennen dabei, so auch 2004 beim Renault-Pokal. «Und da wurde mir klar: Ich brauche das noch einmal», sagt er. 2005 trat er beim Renault Clio Cup, der in ganz Europa durchgeführt wird, an. «Meine Gegner waren alle höchstens 30 Jahre alt», erzählt er schmunzelnd. Dennoch: Edy Kobelt holte sich den Vize-Meistertitel und hörte ein weiteres Mal mit dem Rennsport auf.
Im Rückblick habe er oft gedacht, dass er mit dem Ausstieg bei Sauber vielleicht die Chance auf einen Versuch als Formel 1-Pilot verpasst habe. «Aber dann hätte ich vielleicht die Garage nicht. Und das ist doch eine gute Entschädigung für den geplatzten Traum», sagt er. Dem Geschäft habe er sich in den folgenden Jahren dann auch vermehrt gewidmet – und wohl auch seiner damaligen Freundin und heutigen Frau Patricia.
Eine drastische Wende nahm Edy Kobelts Leben im November 2010. Bei ihm wurde Krebs diagnostiziert. «Während ich im Krankenhaus lag, habe ich mir immer wieder gesagt: Wenn du wieder rauskommst, dann fährst noch einmal Rennen», sagt er. Bereits vier Monate später, zwar noch immer geschwächt von der Krankheit, erfüllte er das Versprechen an sich selbst. «Ich habe bei ein paar Slalom-Rennen mitgemacht und bis auf eines auch alle gewonnen», erzählt Edy Kobelt voller Freude.
Das Rennen geht weiter
Den Krebs hat Edy Kobelt besiegt, aber er hat noch immer mit den Folgen der schweren Krankheit zu kämpfen. Das ist mit ein Grund für den Verkauf der Garage. «Es tut schon weh, es ist mein Lebenswerk», sagt er. Trotzdem sei er auch erleichtert, denn der Druck habe in den letzten Jahren massiv zugenommen. Er freue sich auch auf die anbrechende Zeit. Im März wird er mit seiner Frau das neue Haus in Wattwil beziehen und dort wohl auch ein bisschen Zeit im Garten verbringen und vor allem: «Ich werde mich um meine Oldtimer kümmern», sagt Edy Kobelt strahlend. Weiterhin wolle er nämlich auch am Arosa-Classic, dem Oldtimer-Rennen, teilnehmen. Klar, Autos sind auch künftig nicht aus Edy Kobelts Freizeitgestaltung wegzudenken, denn, so sagt er: «Autos sind mein Leben.»
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