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Tagblatt Online, 26. Juli 2008 01:16:10

Ein Kurhotel oberhalb Wattwil?

Das Hotel-Restaurant Churfirsten im Scherrer Heiterswil blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück

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Ein starker Wind trieb die lodernden Flammen gegen Nordosten, wo die an den vereisten Tannen hängenden feurigen «Glosen» einen imposanten Anblick boten – so stand es im Toggenburger Boten vom 24. Januar 1939 geschrieben.

Verheerender Brand

Am Morgen des 23. Januars 1939, kurz vor drei Uhr, wurde die Feuerwehr Wattwil alarmiert: Das Kurhaus Churfirsten auf dem Scherrer stehe in Brand. «Schon wenige Minuten nach erfolgtem Aufgebot fuhren das neue Feuerwehrauto mit 13 Mann und zwei bemannte Motorspritzen die Hembergerstrasse hinauf nach dem , wo der grosse Gebäudekomplex in hellen Flammen stund», war weiter im originalen Zeitungsbericht vom Wintertag 1939 zu lesen. Obwohl das Kurhotel Churfirsten in der besagten Nacht bis auf die Grundmauern niederbrannte, haben die damals neu angeschafften Geräte, eine Ewald-Spritze und ein Feuerwehrauto Marke Packard, in dieser Nacht «ihre wirkliche vortrefflich bestanden.»

Brandstiftung?

Die genaue Brandursache konnte nie ermittelt werden. Es gab jedoch Gerüchte und Spekulationen. «Es war mit grosser Wahrscheinlichkeit Brandstiftung. Es wurde gemunkelt, dass es vermutlich ein Eifersuchtsakt war», erzählt Berti Alder, die heute auf dem Hotel-Restaurant Churfirsten wirtet.

Ida Haefeli-Knechtli, Jahrgang 1927 und Zeitzeugin des Brandes, kann sich gut an die Geschehnisse damals erinnern: «Ich bin damals schaurig erschrocken, als ich von dem Brand hörte. Gesehen habe ich ihn nicht selber, doch danach hat es weit und lange nach Rauch gestunken.» Das Kurhaus Churfirsten war Ida Haefeli-Knechtli bestens bekannt, jedoch nur von aussen, «denn damals hatte man als Schüler kein , um in einem Wirtshaus einzukehren.» Der Brand von 1939 ist jedoch längst nicht die einzige Geschichte, die das Restaurant Churfirsten aus seiner Vergangenheit zu erzählen hat. Denn schon kurz nach dem Brand wurde auf die Grundmauern des alten Kurhotels ein neues Gebäude errichtet. «Die Grundmauern sind immer noch dieselben. Deshalb ist hier auch alles so schmal», erklärt Berti Alder. Im darauffolgenden Jahr wurde das Hotel Churfirsten an den Verein Ferienkolonie Uster verkauft, in dessen Besitz es bis in die frühen 1980er Jahre blieb. Wesentlichen Anteil am Kauf der Ferienkolonie hatte der spätere Regierungsrat Emil Reich.

Anfangs des 20. Jahrhunderts litten viele Kinder an Unterernährung, Tuberkulose und anderen Krankheiten. Kinder aus ärmlichen Verhältnissen mussten damals nicht nur die Schule besuchten, sondern auch auf dem Hof oder in Fabriken arbeiten. Dank der Kolonie konnte den Jugendlichen aus Uster während der Schulzeit ein Krankheitsurlaub verordnet werden, damit sich diese im Hotel Churfirsten erholen und stärken konnten.

Am Jakobsweg

Viele wissen nicht, dass das Hotel-Restaurant Churfirsten am Jakobsweg liegt. Pilger finden im Scherrer nicht nur eine Verpflegungs-, sondern auch eine Übernachtungsmöglichkeit. Berti Alder freut sich über jeden Besuch in ihrem Restaurant, denn obwohl jeder Gastro-Betrieb auf wirtschaftliches Wirten angewiesen ist, steht bei ihr der Profit nicht an erster Stelle: «Um an einem solchen Ort zu wirten, braucht es eine Passion. Ich habe Leute einfach gerne und nehme sie gerne auf.»

Die Bezeichnung Kurhotel rührt daher, dass Wattwil einst als «Luftkurort» galt. Das Kurhotel Churfirsten hatte jedoch nicht nur frische Luft zu bieten, sondern auch die prächtige Aussicht auf die Toggenburger Alpen dürfte schon damals für viele einer Kur gleichgekommen sein.

David Giger





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