Tagblatt Online, 27. August 2010 08:07:00
Sport, Spass und Zigarette
FC Bütschwil-Mitglied Marcel Widmer testet als einer von vielen an der Informationsveranstaltung des Sportvereins seine Lungen-Fitness unter Anleitung von Elisabeth Hefti (Lungenliga Thurgau). (Bild: Bild: Matthias Giger)
BÜTSCHWIL. Am Mittwoch hat der FC Bütschwil seine Mitglieder im Rahmen des «Sport-verein-t» Labels zu einer Informationsveranstaltung der Lungenliga Thurgau eingeladen. Die beiden Vertreterinnen der Lungenliga Thurgau, Elisabeth Hefti und Erika Zimmermann haben nicht schlecht gestaunt.
Matthias Giger
Der FC Bütschwil hat mit dem Label «Sport-verein-t» auch Präventions-Pflichten erhalten. Um die Tabakprävention ist es am Mittwochabend gegangen. Auf Einladung des FC Bütschwil unterhielten sich Elisabeth Hefti und Erika Zimmermann von der Lungenliga Thurgau mit rund 40 Mitgliedern des Fussballclubs übers Rauchen und die Gefahren von Tabakrauch. Mittels Quiz konnten die Clubmitglieder ihr eigenes Wissen rund ums Rauchen überprüfen. Sie erfuhren, dass die Kinder meist aus Neugierde mit dem Rauchen beginnen.
Rund 20–30 Prozent der erwachsenen Bevölkerung (ab 15 Jahren) in der Schweiz raucht. In 10 Sekunden erreicht Nikotin das Gehirn. Ausserdem lernten sie, dass Nikotin je nach Stärke der Inhalation anregend oder beruhigend wirkt, Zigarettenrauch etwa 4000 verschiedene Stoffe enthält, wovon 60 als krebserregend gelten und es rund zwei Tage dauert, bis man nach dem Aufhören wieder besser riechen und schmecken kann.
Kondition leidet bei Rauchern
Erika Zimmermann ist seit zwei Jahren bei der Lungenliga. Sie habe seit ihrem 15. Lebensjahr, insgesamt 48 Jahre lang, geraucht. Vor zwei Jahren hat sie damit aufgehört – nachdem sie einen Herzinfarkt hatte. Man spreche immer nur vom Lungenkrebs. «Viele wissen aber nicht, dass Nikotin auch unsere anderen Organe schädigt», betonte ihre Kollegin Elisabeth Hefti.
Nikotin wirkt allerdings nur, wenn es über die Nasen- oder Mundschleimhaut ins Blut gerät, was auch bei Schnupf- oder Kautabak der Fall ist. Als Medikament eingenommen, kann es ohne Wirkung auf die Blutbahnen bei der Raucherentwöhnung gute Dienste leisten, wie es in der Broschüre Tabakrauch unter dem Mikroskop der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention heisst.
Wie stark die Auswirkung sei, wenn er vor dem Match eine Zigarette rauche, wollte ein junges Clubmitglied wissen. Erika Hefti meinte, dass dies das Gemeine am Rauchen sei. Der Körper reagiere nicht unmittelbar auf den Zigarettenrauch. Regelmässige Raucher hätten aber eine schlechtere Kondition. Das Kohlenmonoxid, welches der Körper durch den Zigarettenrauch aufnehme, setze sich an den roten Blutkörperchen fest und verdränge den Sauerstoff. In der Folge kommt ein Raucher schneller ausser Atem, worunter seine Kondition leidet.
Hefti meinte weiter: «Lungenerkrankungen kommen schleichend.» Man bekomme die Auswirkungen erst ab einem gewissen Alter zu spüren. Regelmässigen Rauchern empfiehlt die Lungenliga daher einen Lungenfunktionstest zu machen (siehe Kasten).
Auf der Internetseite der Lungenliga findet sich unter Krankheiten-COPD ein Risikotest. Die Telefonnummer der Lungenliga St. Gallen lautet 071 228 47 47. Dort erhält man weitere ausführliche Informationen.
Kein Versuchskaninchen
Nicht schlecht staunten Erika Zimmermann und Elisabeth Hefti als sie einen Kohlenmonoxid-Test durchführen wollten. Denn unter den 40 interessierten Mitgliedern des FC Bütschwil fand sich kein einziger Raucher und keine einzige Raucherin – zumindest keine, die innerhalb der letzten sechs Stunden eine Zigarette geraucht haben. Das freute die beiden Vertreterinnen der Lungenliga natürlich, auch wenn sie den CO-Test nicht durchführen konnten.
Des Interesses halber fragte Erika Zimmermann: «Wer hier im Saal hat denn innerhalb der letzten drei Tage eine Zigarette geraucht?» Ganze vier Männer – übrigens alle älteren Semesters und unter ihnen auch der Clubpräsident – gingen mit schlechtem Beispiel voraus. Damit bestätigte sich aber auch, dass Rauchen bei den Jugendlichen nicht mehr so angesagt ist und zudem, dass Sportvereine durchaus auch die Hemmschwelle, mit dem Rauchen zu beginnen, erhöhen.
Ob sich in den Reihen der Aktiven von Sportvereinen grundsätzlich nur wenige regelmässige Raucher finde, konnte Erika Zimmermann nicht sagen. «Ich war bisher nur bei Schulklassen», sagte sie.
Nach dem Vortrag konnte, wer wollte, noch die eigene Lungenfunktion auf Herz und Nieren prüfen lassen. Der Andrang war gross. Den Jugendlichen schien ihre körperliche Leistungsfähigkeit und Gesundheit alles andere als egal zu sein. Dies zeigte sich auch daran, dass die Schrittzähler der Lungenliga wie warme Semmeln weg gingen.
Auch mit Informationsmaterial, das Erika Zimmermann und Elisabeth Hefti mitgebracht hatten, deckten sich die Vereinsmitglieder ein.
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