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Tagblatt Online, 31. Juli 2010 01:05:23

Sinn der Wallfahrt: Vertrauen auf Gott

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Sie ist beeindruckend, diese Schlange, die pilgernd von der Diözese Augsburg in die Innerschweiz zieht. (Bild: Bild: pd)

Deutsche Wallfahrer aus der Diözese Augsburg durchqueren von Sonntag bis Dienstag das Appenzellerland und das Toggenburg. Es sind 220 Frauen und Männer aus der Diözese Augsburg, die in sechs Tagesmärschen von je 30 bis 40 Kilometern zu Bruder Klaus nach Flüeli-Ranft wallfahren.

Werner Kamber

Hemberg. Sie beginnen den Tag zu nachtschlafender Zeit, beenden ihr Pensum dafür schon am frühen Nachmittag – nach einer beeindruckenden Marschleistung von 30 bis 40 Kilometern. Nehmen Muskelkater, Blasen, Regen, Kälte, Hitze und weitere Unbill in Kauf. Und trösten sich allenfalls ironisch mit dem Spruch: «Man gönnt sich sonst ja nichts». Wenn sich die Teilnehmenden der von der Katholischen Landvolk-Bewegung der Diözese Augsburg organisierten Bruder-Klaus-Wallfahrt in Bewegung setzen, gerät manches in Bewegung.

«Dieser Rhythmus beruhigt»

Sie starten im südlichsten Zipfel ihrer Diözese, in Hagspiel nördlich des Bodensees, sinnigerweise bei der Bruder Klausen-Kapelle, übernachten das erste Mal in Dornbirn, das zweite Mal in Appenzell und marschieren am dritten Tag (Sonntag und Montag) über Gonten und Urnäsch nach Hemberg und von dort hinunter nach Wattwil. Dort geht's per Bahn weiter nach Kaltbrunn in die Truppenunterkunft im Schulzentrum. Der Folgetag führt über den Etzel und dann hinunter nach Einsiedeln.

In sechs Tagen legen sie 240 Kilometer vorwiegend zu Fuss zurück, auf einigen Abschnitten marschieren sie dem Jakobsweg entlang. Sie sind in zwei Gruppen zu je rund 110 Personen unterwegs, die zweite Gruppe (wegen der Unterkünfte) einen Tag hinter der ersten. Allerspätestens um vier Uhr in der Früh (je nach Programm auch schon früher) beginnt der Tag mit einer «Statio», einer Morgenbesinnung. Danach ist Abmarsch.

Dann geht es in den dämmernden Morgen hinaus, zum Teil in Stille, zum Teil mit gemeinsamem Gebet, meist dem Rosenkranz. Oder mit Gesprächen, wo die Sorgenbeladenen verständnisvolle Zuhörende finden. «Dieser Rhythmus, Schritt für Schritt, das beruhigt. Das gibt ganz andere Dimensionen – langweilig ist es uns unterwegs nie», erklärt ein Pilger.

«Veränderte Sicht des Lebens»

Die erste Gruppe der Wallfahrer aus dem Bistum Augsburg ist von Freitag, 30. Juli, bis Mittwoch, 4. August, unterwegs; sie trifft einen Tag früher am Ziel in Flüeli-Sachseln ein und hat deshalb etwas mehr Möglichkeiten, die Umgebung und die Wirkstätten von Bruder Klaus zu besuchen. Die zweite Gruppe marschiert zeitverschoben einen Tag später. Gemeinsamer Rückreisetag ist der Sonntag, 8. August.

Flüeli-Ranft ist der einzige Ort, der beiden Gruppen, also allen 220 Wallfahrenden, gleichzeitige Unterkunft in Hotelbetten ermöglicht. Es bleiben dort drei oder zwei volle Tage, um sich in die Spiritualität von Bruder Klaus zu versenken, ehe am Sonntag nach dem Mittagessen die Rückfahrt in Bussen erfolgt. «Eine Wallfahrt erhält ihren Sinn ganz wesentlich dadurch, dass man im Vertrauen auf die liebende Führung Gottes aufbricht, den Alltag bewusst hinter sich lässt und auf dem Weg mit Gleichgesinnten eine veränderte Sicht des Lebens erfährt. Der Abstand vom Üblichen ist dazu eine entscheidende Hilfe.» So steht es in der Einladung an die Wallfahrenden. Und deshalb die «herzliche Bitte: Gönnen Sie sich diesen Freiraum. Lassen Sie Ihre Handys ausgeschaltet. Telefonieren Sie nicht unterwegs».





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