Tagblatt Online, 29. Juli 2010 01:03:31
Museen kennen keine Sommerferien
Die Gall'sche Offizin besuchen während der Sommerferien wie bei den meisten Museen im Toggenburg weder mehr noch weniger Leute. (Bild: Bild: mgi)
Das Toggenburg verfügt über eine vielseitige Museen-Landschaft. Alle vier befragten Museen verzeichnen während der Sommerferien nicht viel mehr Besucherinnen und Besucher als sonst und viele kommen gezielt für den Museumsbesuch ins Toggenburg.
Matthias Giger
Toggenburg. Die Museen im Toggenburg werden während der Sommerferien nicht schlechter besucht. Das Wetter hat hingegen schon einen Einfluss auf die Zahl der Besucherinnen und Besucher. Alle befragten Museen im Toggenburg werden von Gruppen oder Einzelpersonen aus der ganzen Schweiz und dem Ausland besucht.
Hans Büchler, Kurator des Toggenburger Museums in Lichtensteig, drückt es so aus: «Bei schönem Wetter hätte ich gerne mehr Besucherinnen und Besucher im Museum. Wenn es unbeständig ist, geht es im Toggenburger Museum manchmal aber recht lebhaft zu und her.
» In elf Ausstellungsräumen auf zwei Stockwerken sind verschiedene Themen vertreten: Toggenburger Möbelmalerei, Textilien, eine Küche und ein Schlafzimmer. Ein Raum widmet sich dem Toggenburger Hausbau, ein anderer dient als Geschichtsraum. «Das Toggenburger Museum ist auch offizielle Dokumentationsstelle. Diese Funktion ist etwa gleichwertig mit jener als Museum», erläutert Hans Büchler. Die Bijous der Ausstellung sind für ihn die beiden Toggenburger Hausorgeln.
Sie seien gut in Schuss und Besucher dürften nach Rückfrage an die Museumsleitung auch darauf spielen. Unter den Besuchern des Toggenburger Museums finden sich viele Heimweh-Toggenburger. Das Museum sei mit 3000 bis 4000 Besucherinnen und Besuchern pro Jahr aber lange nicht allen Toggenburgern bekannt, beklagt Hans Büchler das mangelnde Interesse an der eigenen Geschichte.
Bis Ende Oktober gibt es im Keller des Toggenburger Museums die Sonderausstellung «Haussegen und Hexenschlüssel: Wunderglauben in früheren Zeiten» zu sehen.
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Mehr Gedenkstätte als Museum ist das Geburtshaus des berühmten Reformators Huldrych Zwingli in Wildhaus. Im Haus selbst sind zwar Möbel, diese stammen aber nicht aus Zwinglis Zeit. Die Mehrheit der Besucher komme konkret wegen des Zwingli-Hauses.
Touristen, die das Haus während ihrer Ferien besuchen, seien eher die Ausnahme, sagt Charlotte Treschel vom Team des Geburtshauses Huldrych Zwingli. Ob Sommerferien sind oder nicht spiele keine grosse Rolle. Viele Besucher kommen auch aus dem Ausland, darunter häufig Konfirmandengruppen und Kirchgemeinden. Sie interessieren sich meist für eine der rund einstündigen Führungen, in denen man viel über den Reformator und dessen besondere Leistungen erfährt.
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Verschiedene Ausstellungen gibt es in der Erlebniswelt Toggenburg zu sehen. Nebst der Modelleisenbahn – Europas grösste Hobby-Eisenbahnanlage – locken alte Motorräder, Dampfmaschinen, 13 astronomische Uhren von Werner Anderegg, landwirtschaftliche Fahrzeuge sowie, ab Herbst, eine Krippensammlung Besucher nach Lichtensteig. Und über wenige Besucher kann sich die Erlebniswelt Toggenburg nicht beklagen. «Wir sind das bestlaufende Privatmuseum im Kanton», sagt dessen Leiter Friedrich Ahrendt. Die Besucher reisen teilweise aus Italien oder aus Holland an. Während der Sommerferien sind es nicht mehr als sonst.
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Einzig das Gall'sche Offizin an der Hintergasse 9 in Lichtensteig merkt Unterschiede bei den Besuchern, allerdings nicht während der Sommerferien: «Von Frühling bis September sind die Besucherzahlen zwar ausgewogen, aber im Winter sind sie doch tiefer als sonst», sagt Urs Castelberg, der das Gall'sche Offizin leitet. Die Ausstellung, die sich der Entwicklung der Druckerei vom Handsatz bis zu den heutigen Druckmaschinen widmet, haben sogar schon Chinesen besucht. «Und unter den Besuchern sind auch viele Touristen aus Deutschland», ergänzt Urs Castelberg. Eigens wegen der Druckereiwerkstatt mit vielen historischen Geräten, die seit 2004 von der Toggenburger Medien AG betrieben wird, würden sie indessen nicht anreisen.
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