Tagblatt Online, 10. Januar 2012 01:07:00
Jetzt schliesst auch das Lädeli in Nassen
Irene Winteler zieht einen Schlussstrich: Sie schliesst das «Lädeli» in Nassen auf Ende Januar für immer. (Bild: Mario Fuchs)
Seit 1983 führt Irene Winteler den Dorfladen in Nassen. In den vergangenen Jahren dachte sie immer wieder ans Aufhören – jetzt hat sie den Entscheid gefällt. Ende Januar schliesst das einzige «Lädeli» im Dorf endgültig. Gründe gibt es mehrere.
MARIO FUCHS
NASSEN. Hellgrün scheint die Überschrift auf dem schlichten weissen Flugblatt: «s'Lädeli vo Nasse». Vor einigen Tagen landete es in den Briefkästen der rund 320 Einwohnerinnen und Einwohner. Es wartete mit schlechten Nachrichten auf: «Mit diesem Schreiben möchten wir mitteilen, dass wir das Geschäft per Ende Januar für immer schliessen.» Und weiter: «Es war kein einfacher Entscheid, aber aus gesundheitlichen Gründen mussten wir diesen Entschluss fassen.» Gezeichnet von Irene Winteler und Familie, «mit einem tränenden und einem lachenden Auge».
Schluss nach 35 Jahren
Ja, der Entscheid sei ihr wirklich nicht leicht gefallen, sagt Irene Winteler. «Eigentlich wollte ich im Stillen aufhören», hatte sie auf Anfrage berichtet. Wenn sie erzählt, warum Ende Januar nach 35 Betriebsjahren Schluss ist, tut sie das langsam und bedacht – es geht ihr nahe.
Ans Aufhören habe sie in den letzten Jahren immer wieder gedacht, sagt Irene Winteler. Schliesslich war es die Gesundheit, die den Ausschlag gab. «Ich muss nun zusehen, dass es mir wieder besser geht.» Eine chronische Krankheit erschwerte die tägliche Arbeit, die trotz sinkender Kundenzahlen nicht weniger wurde. «Beim Angebot und den Öffnungszeiten kannst du irgendwann nicht mehr reduzieren – sonst verlierst du die wenigen Kunden, die noch kommen, auch noch», redet die 55-Jährige Klartext. So habe sich die finanzielle Situation – «Ich war immer in den schwarzen Zahlen, aber der Profit war nie gross» – letztlich mit ihrer gesundheitlichen kumuliert. Die meisten Dorfbewohner arbeiteten heute auswärts, weshalb diese ihre Einkäufe auch gleich dort beim Grossverteiler erledigen würden.
Ruhe einkehren lassen
1983: Nach der Coiffeuse-Lehre lernte die 20-Jährige in Kanada ein halbes Jahr Englisch bei Verwandten, als sie einen Anruf aus der Heimat erhielt. Schwester Heidi, die den Laden zu Hause zusammen mit dem Vater nach dem frühen Tod der Mutter führte, konnte das Restaurant Traube übernehmen. Der Vater brauchte neue Unterstützung. «Ob ich sonst länger in Kanada geblieben wäre, weiss ich nicht», sagt Irene Winteler. Wenig später verstarb auch der Vater. Fortan führte Irene Winteler den Dorfladen alleine. Ehemann Peter unterstützt sie, indem er den samstäglichen Hauslieferdienst übernimmt. «Er ist mir nicht böse, wenn er diesen künftig nebst seiner 100-Prozent-Stelle nicht mehr ausführen muss», sagt sie. Auch sie selbst überlege sich, einst eine Stelle anzunehmen. «Doch vorerst möchte ich Ruhe einkehren lassen.» Die Kunden, darunter viele Seniorinnen, verstünden den Entscheid, bedauerten ihn aber gleichwohl. Das nächste Geschäft für Lebensmittel und Haushaltsartikel liegt jetzt in Mogelsberg oder Necker. «Das ist schon ein gewisser Verlust für das Dorf.»
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