Tagblatt Online, 02. Februar 2012 07:51:00
Gerissener Grossvater stiftet Chaos
Diese Beine gehören nicht der Dame im Bild oben – warum erfährt man an der Aufführung der Theatergruppe Libingen.
LIBINGEN. An der Unterhaltung führt die Theatergruppe Libingen das Lustspiel «S'Loch i de Wand» auf. Im Stück dreht sich alles um den Grossvater Hansueli Nägeli, gespielt von Sepp Kuhn, der seinem Sohn, seiner Schwiegertochter und seiner Enkelin mit fiesen Streichen das Leben schwer macht.
MATTHIAS GIGER
Im Hause der Bauernfamilie Nägeli auf der Bühne der Theatergruppe Libingen ist mächtig was los. Für den Trubel sorgt aber nicht der Landwirt und gleichzeitige Gemeindepräsident Josef Nägeli. Nein, er versteht sich besser darauf, die gemütlichen Momente des Lebens auszukosten. Wenn seine Frau Lisbeth Nägeli gerade einmal nicht damit beschäftigt ist, die Arbeit auf dem Hof zu erledigen, die ihr Mann schön bleiben lässt, steckt sie ihre Energie darin, ihm die Leviten zu lesen. Damit scheidet auch sie für den Posten des Unruhestifters aus. Anders der vermeintlich senile Grossvater. Er spuckt seinem Sohn, seiner Schwiegertochter, der Enkelin und ihrem Geigenlehrer mächtig in die Suppe.
Als dann plötzlich ein Industrieller eine grosse Fabrik in der Gemeinde bauen will, beginnt auch der faule Landwirt und Gemeindepräsident im Geheimen Pläne zu schmieden. Der Apfel fällt eben nicht weit vom Stamm. Doch Grossväterchen Hansueli Nägeli hat ganz andere Pläne ...
Sonst flucht ihr doch auch
Das Lustspiel «S' Loch i de Wand» von Bernd Gombold war eines von mehreren Stücken, welche die Theatergruppe für die diesjährige Unterhaltung ins Auge gefasst hat. «Wir bestellen und lesen immer mehrere Stücke. Natürlich achten wir darauf, dass die Anzahl der Rollen auch mit der Zahl und dem Geschlecht unserer Theaterspielerinnen und Theaterspieler übereinstimmt», sagt Regisseurin Bernadette Strassmann. Der Dreiakter sei zweite Wahl. «Wir wollten ursprünglich ein anderes Stück vorführen, entschieden uns aber dagegen, weil es länger dauert als das aktuelle», erzählt Bernadette Strassmann. Mit den Proben begonnen habe die Theatergruppe Libingen im November. «Anfangs haben wir einmal pro Woche geprobt, daraus wurden aber nach dem Wechsel des Stücks schnell einmal zwei Proben», sagt sie.
Während der Probe sieht die Regisseurin noch immer Dinge, die es zu verbessern gilt. So ruft sie beispielsweise: «Die Flaschen auf dem Tisch könntet ihr für diese Szene eigentlich wegräumen.» Jasmin Hirsiger ist für das Bühnenbild, die Kostüme und die Maske zuständig. Sie hält mit der Kamera verschiedene Szenen fest. Die Fotos helfen ihr, für den nötigen Feinschliff zu sorgen. Auch die übrigen Frauen geben ihre Kommentare ab, als sie bei einer reinen Männerszene kurzzeitig die Zuschauerperspektive eingenommen haben. Während die Männer auf der Bühne still vor sich hin jassen, meinen die erste: «Ein bisschen fluchen könntet ihr schon.» Die zweite: «Das ist ja ungewohnt still bei euch, dafür, dass ihr einen Jass klopft.» Und die dritte: «Normalerweise muss man euch das Fluchen beim Jassen ja auch nicht beibringen.»
Mehrere Sofas an Lager
Das mit dem Fluchen sollte tatsächlich besser klappen, hat die Theatergruppe Libingen doch einen bodenständigen Ursprung. «Hinter den ersten drei Aufführungen steckten die Ziegenzuchtgenossenschaft und die Käsereigesellschaft», sagt Christian Meier, der seit einigen Jahren die 1991 gegründete Theatergruppe präsidiert. Für die Requisiten hat die Gruppe ein eigenes Lager. «Wir achten darauf, jedes Mal andere Requisiten zu verwenden», so Christian Meier.
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