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Tagblatt Online, 25. August 2010 08:39:00

«Ü++»: Bebauung gut vorstellbar

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Raumplaner Kurt Strub und Gemeindechef von Nesslau-Krummenau Rolf Huber (von links) standen den Interessierten im Büelensaal Rede und Antwort zur Gesamt-Revision der Ortsplanung. (Bild: Bild: rfo)

An einer Informationsveranstaltung im Büelensaal in Nesslau klärte der Gemeinderat Nesslau-Krummenau über die Gesamt-Revision der Ortsplanung auf. Die Ortsplanung zeigt auf: Wer wo bauen darf und wer aus welchem Grund nicht.

«Heute wird noch nichts in Stein gemeisselt», erklärte Nesslaus Gemeindepräsident Rolf Huber zu Beginn der Informationsveranstaltung seines Gemeinderates zur künftigen Ortsplanung. Aber rund 70 Bürgerinnen und Bürger wollten im Büelensaal durchaus wissen, wer in den kommenden Jahren wo bauen darf und wer nicht, wo die landwirtschaftliche Nutzung Priorität hat und an welcher Stelle des Gemeindegebiets vielleicht eine Deponie errichtet werden kann.

«Die Ortsplanung ist ein Leitinstrument für die Behörden», so Huber: «Die wollen wissen, wie sich eine Gemeinde entwickeln will.» Und um Bundes- und Kantonsrecht gerecht zu werden, habe man ein Raumplanungsbüro in Wil mit der Entwicklung von ersten Vorschlägen, Ideen und Strategien beauftragt. «Grosse Würfe sind noch nicht zu erwarten», dämpfte der Gemeindepräsident die Erwartungen.

Mit gutem Grund nicht bebaut

Raumplaner Kurt Strub näherte sich denn der Thematik auch sehr behutsam, erklärte seine Intentionen («wir müssen dem Kanton Zahlen liefern»), ging auf die Abnahme der Bevölkerungszahl von Nesslau ein («von 3550 auf 3300») und präsentierte Ortspläne mit Einträgen wie «Ü++» («Bebauung gut vorstellbar») oder «Ü–» («weniger geeignet»). «76 Prozent der Bauzonen im Gemeindebereich Nesslau sind überbaut», sagte Strub, «24 Prozent noch nicht, ein Grossteil davon auch mit gutem Grund.»

Denn Ziel einer optimalen Ortsplanung sei es, gute Landwirtschaftsböden zu erhalten, aber auch Naturgefahren zu berücksichtigen – der Planer nannte vor allem Ennetbühl und hier in erster Linie Rietbad mit seinen vielen Zweitwohnsitzen, Verkehrs- und Lärmimmissionen wie von der Staatsstrasse einzubeziehen und beispielsweise ausserdem Raum für eine Deponie zu finden, in der Aushub eingelagert werden könne. Wie etwa an der Strasse zur Schwägalp, vis-a-vis vom «Ochsen».

Auf 15 Jahre ausgelegt

«So eine Ortsplanung», erklärte Kurt Strub, «ist auf die nächsten fünfzehn Jahre ausgelegt.» Sie zeige einem Grundbesitzer, wo er ein Mehrfamilienhaus bauen könnte, «aber nicht muss». Wo eine landwirtschaftliche oder betriebliche Nutzung sinnvoll wäre, ohne sie vorzuschreiben. Und das Wichtigste: Jeder darf und soll an dieser Planung mitarbeiten. Bis zum 15.

Oktober können die Nesslauer die Pläne im Gemeindehaus einsehen und konstruktive Eingaben an die Gemeindekanzlei einreichen. Gemeinderat und Ortsplanungskommission freuen sich auf die Beteiligung der Bevölkerung, sagte Gemeindepräsident Rolf Huber, der aber gleichzeitig davor warnte, bei Kritik und Anregungen «zu sehr ins Detail» zu gehen.

Definitiv keine Umfahrung

Denn erst nach dem Auslegen der Ortsplanung folgt die detaillierte Zonenplanung, in der die Grundeigentümer ein Mitspracherecht haben. Mit ihnen soll bereits im Vorfeld das Gespräch gesucht werden. Anschliessend hat die Bevölkerung das Wort. Huber: «Wir wollen das ganze Volk darüber abstimmen lassen.»

Das wollte man im Büelensaal schon mal vorab wissen: Ist in der neuen Ortsplanung noch eine Umfahrungsstrasse für Nesslau und Neu St. Johann vorgesehen? «Nein», sagte Rolf Huber.

«Dann würde unsere Gemeinde ja aussterben.» Man lebe ganz gut vom Durchgangs- und Fremdenverkehr; die kurzfristigen Belastungen zu Berufsverkehrs- und Wochenendzeiten seien durchaus auszuhalten. Und anders als in Krummenau – «da war die Umgehung eine Entlastung fürs Dorf» – würden heute sowieso die Geldmittel für ein solches Projekt fehlen. (rfo)





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