Toggenburger Insektenhäppchen

BAZENHEID ⋅ Coop lancierte im August den Verkauf von Insektenburgern. Auch die Migros-Tochter Micarna nimmt sich dieses Themas an. An der Lebensmittelmesse Anuga werden diese Woche Grillenbällchen präsentiert. In den Regalen findet man diese aber noch nicht.
02. Oktober 2017, 09:51
Simon Dudle
Sie schmecken laut der Produktionsfirma wie Fleisch, sind aber aus Grillenmehl. Die Rede ist von den Insektenbällchen, welche die Micarna mit Sitz in Bazenheid ab nächsten Samstag an der inter­nationalen Lebensmittelmesse ­Anuga in Köln präsentiert. Sie sehen auch aus wie kleine Fleischbällchen und können direkt aus der Schachtel mit mitgelieferten Dips verzehrt werden. «Unsere Pop-Bugs eignen sich in erster ­Linie zum Apéro und als Snack», sagt Deborah Rutz, Mediensprecherin der Micarna. Sie ergänzt: «Da ist nicht nur der Genuss, ­sondern auch der Gesprächsstoff garantiert.»

Der Verzehr von Insekten liegt dieses Jahr im Trend. Nachdem Coop im August ebensolche Insektenbällchen und auch -burger in den Verkauf gebracht hatte, musste das Unternehmen schon wenige Tage später vermelden, man komme mit der Produktion nicht nach. Bei den Pop-Bugs der Micarna steht hingegen bereits fest, dass sie vorderhand nicht in den Migros-Regalen zu finden sein werden. Denn diese Bällchen werden noch nicht im grossen Stil produziert. «Im Bereich Insekten geht es der Micarna um mehr als nur die Produktinnovation. Wir sind überzeugt, dass der Markt ein Potenzial für Insekten als mögliche Proteinlieferanten hergibt. Insekten sind als Insektenmehl auch interessante Proteinlieferanten für andere Produkte», sagt Rutz weiter. Inwiefern die Idee hinter den Grillenbällchen massentauglich sei, müsse sich noch erweisen.


Zwei Jahre lang Grundlagenarbeit

Obwohl Konkurrent Coop bereits Nägel mit Köpfen gemacht und die Bällchen ins Sortiment aufgenommen hat, gibt man sich bei der Micarna Zeit. Um Grundlagenforschung zu betreiben, wurde im April mit Ralph Langholz ein «Produktmanager Insekten» eingestellt. Seine Hauptaufgaben bestehen darin, Basiswissen in diesem Bereich zu erarbeiten, ein internationales Netzwerk aufzubauen und Anforderungen sowie Wünsche abzuklären. Zudem müssen grundsätzliche Fragen geklärt werden. Zum Beispiel, was gesetzlich in diesem Bereich überhaupt möglich ist. Erst seit Mai diesen Jahres ist es in der Schweiz erlaubt, Insekten zu verkaufen, die auf den Tellern landen. Wie diese im Detail verarbeitet werden dürfen, ist aber noch nicht abschliessend geklärt.

Langholz hat auch zu erörtern, was Tierwohl im Bereich Insekten bedeutet und wie Insekten gezüchtet werden sollen. «Die Micarna rechnet damit, dass die Grundlagenarbeit rund zwei Jahre in Anspruch nehmen wird. Welche Produkte schliesslich für welche Kunden produziert werden sollen, steht noch nicht fest», sagt Deborah Rutz.


Schon wieder ein Preis in Köln

Albert Baumann, Unternehmensleiter Micarna Zoom

Albert Baumann, Unternehmensleiter Micarna

Klar ist aber, dass die Insektenbällchen der Micarna in wenigen Tagen bereits preisgekrönt sein werden. Denn an der Anuga, an der sich zwischen dem 7. und dem 11. Oktober gut 7000 Aussteller aus 100 Ländern präsentieren und rund 200000 Besucher erwartet werden, wird das Produkt des Fleischverarbeitungsunternehmens mit dem Innovationspreis ausgezeichnet. Es ist innerhalb von zwei Jahren bereits die zweite Auszeichnung dieser Art (siehe Zusatztext). «Die Pop-Bugs sind unser erster Snack mit Insektenproteinen. Insekten sind als Ergänzung unserer Ernährung ein wichtiges und aktuelles ­Thema», sagt Micarna-Unternehmensleiter Albert Baumann.

Preis auch für die Hühnerglace

Auszeichnungen Bereits zum zweiten Mal seit 2015 wird die Fleischverarbeitungsfirma Micarna an der Lebensmittelmesse Anuga in Köln mit dem Innovationspreis geehrt. Vor zwei Jahren hatte es diesen für eine Pouletglace, das Chicken Gelato, abgesetzt. Dieses konnte an der Anuga in den Geschmacksrichtungen Curry-Ananas, Estragon oder Caramel ausprobiert werden. Unter 2000 Vorschlägen waren die 61 überraschendsten Produkte vorgestellt worden. Nachdem zuerst vornehmlich deutsche Medien darüber berichtet hatten, schlug diese Glace später auch in der Schweiz hohe Wellen. Seither sind zwei Jahre vergangen, ohne dass man diese Pouletglace heute in den Migros-Tiefgefrierschränken finden würde. Und dabei wird es vorderhand auch bleiben: «In naher Zukunft gibt es kein Chicken Gelato im Detailhandel. Wir können ein solches Produkt derzeit gar nicht industriell herstellen», sagt Deborah Rutz, Mediensprecherin der Micarna. (sdu)


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