Tarif ist nicht gleich Tarif

REGION ⋅ Nicht nur bei den Steuern gibt es grosse Unterschiede unter den Gemeinden der Region. Auch die Gebühren für Dienstleistungen variieren, wie sich am Beispiel der Wohnsitzbestätigung zeigt.
15. November 2017, 07:23
Josephine Opprecht

Josephine Opprecht

josephine.opprecht@wilerzeitung.ch

Eine Wohnsitzbestätigung ist ein schriftlicher Beleg für den aktuellen oder einen früheren Wohnsitz. Die Bestätigung wird vom Einwohneramt ausgestellt. Das Dokument muss beispielsweise bei verschiedenen Behörden, Versicherungen oder Banken sowie für Stipendienanträge, Einbürgerungen oder Steuern vorgelegt werden. Auch für ein «GA ­Familia» oder ein «GA Duo Partner» von der SBB wird eine Wohnsitzbestätigung verlangt. «Die Kompetenz zur Festlegung solcher Gebühren liegt beim Stadtrat. Er stützt sich dabei auf den Gebührentarif für die Kantons- und Gemeindeverwaltung des Kantons St. Gallens. Dieser gibt für alle Gebühren eine ‹von-bis›-Spannweite an», sagt Stefan Hauser, Leiter der Kommunikationsfachstelle der Stadt Wil.

Beträge variieren wegen Gebührentarifs

Zu den grössten der befragten Gemeinden zählen Wil, Flawil und Uzwil. Die Gemeinden Wil und Flawil verlangen 15 Franken. Uzwil verlangt aktuell zehn Franken, will den Preis im nächsten Jahr aber ebenfalls auf 15 Franken anheben. Mit 20 Franken wird die höchste Gebühr in der Gemeinde Niederhelfenschwil verlangt. Die Gebühr sei 2009 im Rahmen des Gebührentarifs festgelegt worden. Seither habe es keinen Änderungsbedarf gegeben, sagt Gemeindepräsident ­Simon Thalmann. Auch die ­Gemeinde Bichelsee-Balterswil verlangt eine Gebühr von 20 Franken. Allerdings nur, wenn man sich die Wohnsitzbestätigung per Post zuschicken lässt. Am Schalter werden lediglich fünf Franken verlangt. Man wolle damit einen Anreiz für die Bürger schaffen, persönlich an den Schalter zu kommen und somit den administrativen Aufwand möglichst gering zu halten. Des Weiteren seien auf der Gemeinde Bichelsee-Balterswil viele Dienstleistungen gratis, so sei auch die Wohnsitzbestätigung in gewissen Fällen kostenlos. Die einzige Gemeinde, die keine Gebühr für eine Wohnsitzbestätigung verlangt, ist die Gemeinde Wilen. Bei einer Überarbeitung des Gebührenreglements habe man auf alle symbolischen und kleinen Gebühren verzichtet. Damit wolle man den Einwohnern der Gemeinde einen Schritt entgegenkommen. «Es widerspricht unserem Dienstleistungsverständnis, für jede Dienstleistung eine Gebühr zu verlangen, da die Bürger auch Steuerzahler sind und somit die Mitarbeiter der Gemeinde bezahlen», sagt Gemeindepräsident Kurt Enderli.

Insgesamt wurden 24 Gemeinden befragt. Mehrheitlich wird ein Betrag von 10 oder 15 Franken verlangt. In einigen Gemeinden wird für die Zusendung per Post wegen des Mehraufwands eine höhere Gebühr verrechnet als am Schalter.


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