Sprung 100 Jahre zurück

«OKTOBER IM MAI» ⋅ Die Proben zur Eigenproduktion des Chössi-Theaters gehen in die Endphase. Ein Erlebnisbericht von «Leo Trotzki», einer der Hauptfiguren im Stück.
06. Oktober 2017, 05:20
Rino Hosennen*

Rino Hosennen*

redaktion@toggenburgmedien.ch

Auf den Tag genau 38 Jahre vor der Oktoberrevolution wurde Leo Trotzki geboren. 1917 ist er der begabteste Mann an der Seite Lenins und der eigentliche Organisator des Oktoberaufstandes. In der Eigenproduktion «Oktober im Mai» des Chössi-Theaters vom 25. bis 28. Oktober darf ich Leo Trotzki neues Leben einhauchen.

Nahe an der Realität von vor 100 Jahren

Was mir an der Inszenierung sehr gefällt ist, dass die Regisseurin Barbara Bucher mit allen Mitteln der Kunst versucht, auf der Bühne die Illusion einer wiederbelebten Vergangenheit zu erwecken und der Realität vor hundert ­Jahren so nahe wie nur möglich zu kommen. Dementsprechend werden die Figuren nach dem historischen Vorbild geformt und ich habe mir vorgenommen, Trotzki ein möglichst authentisches Gesicht zu verleihen.

Dafür war es wichtig, sich über den historischen Kontext der russischen Revolution zu informieren. Eine grosse Hilfe war mir Trotzkis Autobiografie «Mein Leben», der ich Hintergrundinformationen zu seinem Leben und zur Geschichte der Revolution entnehmen konnte.

Die Haltung einer anderen Zeit, einer anderen Gesellschaft, in einer anderen Region anzunehmen, war für mich eine der grössten Herausforderungen. Sich diese anzueignen, war mit ein Grund, warum wir sehr früh begannen, in Kostümen und mit Requisiten zu proben. Zudem wurde in den Proben viel Zeit in Figurenarbeit investiert. Auf der Basis von schauspielerischen und theatralen Grundlagen und Techniken, die wir in den ersten Proben erlernt haben, wurde mit verschiedenen Übungen konkret an der Bühnenfigur gearbeitet.

Szenen werden zu einem Stück zusammengeführt

Den anderen Spielern beim Arbeiten zuzusehen und zu beobachten, wie im Verlaufe des Probeprozesses die Figuren um ­einen immer mehr zum Leben erwachen, finde ich immer sehr spannend.

Wenige Tage vor der Premiere beginnt dann das Geduldsspiel Endproben, der Sprung vom Proberaum auf die Bühne. Wie bei einem Puzzle werden die bis anhin einzeln geprobten Szenen zusammengeführt und mit Kostümen, Bühnenbild, Licht und Ton Stück für Stück zum Gesamtkunstwerk zusammengesetzt. Ich freue mich sehr auf diese intensive, aber auch sehr spannende Endphase und die Premiere, die nicht nur genau zum 100. Jahrestag der Oktoberrevolution, sondern auch zum 138. Geburtstag Leo Trotzkis stattfindet.

*Rino Hosennen war von Januar bis April 2017 Praktikant beim «Toggenburger Tagblatt». In der Produktion «Oktober im Mai» spielt er Leo Trotzki, eine der Hauptfiguren in der Oktoberrevolution von 1917.


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