Mit dem Spassmacher auf Achse

TOURMANAGER ⋅ Der Bazenheider Werner Sprecher reist seit 14 Jahren mit Peach Weber durch die Schweiz. Er nimmt ihm alles ab, was am Tourneeleben nicht so lustig, aber unerlässlich ist.
Aktualisiert: 
07.10.2017, 19:00
07. Oktober 2017, 05:20
Beat Lanzendorfer

Herisau Mittwochnachmittag, 27. September, 16.30 Uhr. Im Saal des Casinos bestreitet der Komiker Peach Weber am Abend den zweiten Auftritt seiner «iPeach»-Tournee 2017. Noch ist es ruhig. Geschäftig ist es nur am Bühneneingang. Werner Sprecher und Peach Weber entladen gemeinsam den Lieferwagen. Von Hektik keine Spur, jeder Griff ist längst Routine. «Wir rechnen immer genügend Zeit ein, so sind wir für Unvorhergesehenes gewappnet», sagt Werner Sprecher. Seit 14 Jahren begleitet der Bazenheider den Aargauer Komiker auf dessen Tourneen.

Nach dem Entladen geht es zum Bühnenaufbau. Nebst sechs Kartons, in denen die Boxen verstaut sind, hat es mindestens zehn weitere Kisten, deren Inhalt in den nächsten Stunden gebraucht wird. Kabel, Mikrofone, Boxenständer. Ein Aussenstehender verliert schnell den Überblick. Nicht so die beiden Mittsechziger. Kaum eine Stunde ­später steht alles an seinem vorgesehenen Platz. «Zeit für den Soundcheck», meint Peach Weber und schreitet zum Mischpult. Kurz darauf erklingt der Sound aus fünf Boxen – eine will nicht. Des Rätsels Lösung: die Stromschiene, zu der das Stromkabel der Boxe führt, war nicht eingeschaltet. Problem gelöst. Eineinhalb Stunden vor dem Auftritt gibt der Chef grünes Licht: «Alles in Ordnung, wir sind bereit.»

Kaffeemaschine, Kasse, Mischpult

Zwischendurch hat Werner Sprecher einen Stock tiefer in der Künstlergarderobe die Kaffeemaschine in Betrieb gesetzt. «Peach jetzt ohne Kaffee, das geht gar nicht», erklärt er. Dieser gehöre zum Komiker wie das unverwechselbare Hawaiihemd.

Anschliessend verteilt Werner Sprecher auf allen 580 Stühlen eine Wettbewerbskarte. Kurz vor der Türöffnung, 19 Uhr, geht er ins Foyer, wo er für eine Stunde an der Kasse sitzt. Als um 20 Uhr im Saal der erste Applaus aufbrandet, ist es Zeit für ihn, ans Mischpult neben der Bühne zu ­eilen. «In den Anfangsminuten kann es vorkommen, dass ich am Licht oder am Ton schrauben muss.» Dann ist der Zeitpunkt gekommen, wo er kurz verschnaufen kann und sich im Saal auf einen Stuhl setzt. Bekommt er die Witze mit, die Peach Weber ins Publikum schmettert? «Nur halbwegs. Ich schaue mehr auf die Zuschauer und amüsiere mich an deren Reaktionen.»

Chauffeur bei längeren Reisen

Den Witz, den Peach Weber zur abgelehnten Revision der Altersvorsorge macht – «Ich hätte die versprochenen 70 Franken mehr Rente für Immobilien und Oldtimer eingesetzt» – bekommt Sprecher allerdings mit. Er schmunzelt und sagt: «Peach wird im Oktober 65. Drei Monate später bin ich an der Reihe.»

In der Pause schaut Werner Sprecher kurz bei seinem Chef vorbei, erkundigt sich nach dessen Wohlbefinden und bereitet daraufhin die Arbeiten vor, die es nach Programmschluss zu erledigen gilt. So bekommt er das Ende von «iPeach» und die Zugabe nur am Rande mit. Er hat Stuhl und Tisch ins Foyer gestellt, wo Peach Weber nach Programmschluss Autogramme gibt und CDs verkauft. Letzter Akt des Arbeitstages ist der Abbau der Bühne. «Wir achten peinlichst genau darauf, dass alles am richtigen Ort verstaut wird. Das erleichtert uns die Arbeit am nächsten Tourort.» 45 Minuten nachdem der Vorhang gefallen ist, ist die Bühne geräumt, der Lieferwagen bepackt und Peach Weber bereit, in den Aargau zurückzukehren.

«Wir sehen uns am 5. Oktober in Chur», sind seine Worte beim Abschied. «Das ist nicht immer so», erklärt Werner Sprecher. «Bei längeren Reisen komme ich auch als Chauffeur zum Einsatz. Ich hole Peach zu Hause ab, und wir fahren gemeinsam an den Spielort.» Das ist im Dezember der Fall, wenn Peach Weber mit seinem Programm in Visp gastiert, die beiden werden dort im Hotel übernachten und anderntags nach Thun zum nächsten Gastspiel weiterreisen.

Francine Jordi und die Klostertaler

Der 64-jährige Werner Sprecher war früher für die Künstleragentur «Live Tour Music» des Kirchbergers Linus Thalmann unterwegs. Er hat als Tourmanager Künstler wie Francine Jordi, die Paldauer oder die Klostertaler betreut. In dieser Funktion kam vor 15 Jahren auch der Kontakt zu Peach Weber zustande. «Ich habe ihn zum ersten Mal am 29. Ja­nuar 2003 im Theater 11 in Zürich betreut.» Das Datum ist ihm geblieben, anderntags ist er fünfzig geworden. Hört er mit seiner Pensionierung Ende Januar 2018 als Tourmanager auf? «Kaum, ich mache den Job gerne und möchte weitermachen.»


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