Maisonette statt Trockenturm

BRUNNADERN ⋅ Bei der Restauration eines historischen Hauses stiess Besitzer Paul Rutz im Keller auf die Überreste einer Einrichtung zur Garnfärberei. Darüber hatte einst ein Trocknungsturm gestanden.
30. September 2017, 05:19
Michael Hug

Michael Hug

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Manche Häuser bergen Geheimnisse. Auch das Doppelhaus an der Dorfstrasse 41 in Brunn­adern hat eins. Einst gab es im Keller des hinteren Hauses, der Nummer 41a, eine Garnfärberei. «Das Wasser des Bachs von der Wasserfluh habe sich gut für die Farbe Blau geeignet», sagt Besitzer Paul Rutz. So steht es jedenfalls in den Dokumenten, die er zum Haus gefunden hat. In den Dokumenten habe er auch eine Zeichnung aufgestöbert, auf der ein Trocknungsturm über dem Grundgeschoss gestanden habe: «Solche Trocknungstürme gab es in der textilorientierten Ostschweiz einige.» Das heute zwischen der Dorfstrasse und seinem Haus stehende Haus Nr. 41 sei damals noch nicht gebaut gewesen, so dass der in Holz gebaute Trocknungsturm wie ein Solitär eine beherrschende Stellung im Dorf gehabt habe.

Den Turm abgebrochen

Garn wurde früher in grossen Kesseln gefärbt. Die Kessel wurden von unten mittels Holz- oder Kohlenfeuern erhitzt. Überreste einer solchen Einrichtung hat Paul Rutz im Keller des Hauses gefunden. Ansonsten aber deute nicht mehr viel auf den früheren Verwendungszweck hin, sagt der Besitzer: «Der Turm wurde irgendwann um 1800 abgebrochen, und dann wurde das jetzige Haus auf das Kellergeschoss gebaut.» Die Grundmauern seien wahrscheinlich noch 200 Jahre älter als das Haus, das mittlerweile auch 200 Jahre alt sei, mutmasst der Besitzer: «Zuletzt hatte die Firma Gubser Landmaschinen das Kellergeschoss genutzt. Darüber waren arg vernachlässigte Wohnungen.»

Zwei Wohnungen saniert

Diesen Wohnungen, drei an der Zahl auf vier Etagen, hat Rutz in den letzten sechs Monaten seine Aufmerksamkeit gewidmet. Zwei der Wohnungen hat der Dietfurter Restaurator und Ofenbauer saniert und mit viel Charme ausgestattet. «Ich restauriere gerne mit dem vorhandenen Material und ergänze mit historischem Baumaterial, das ich in anderen alten Häusern zusammentrage.» So hat er die obere Wohnung mit einer historischen Badewanne aus einem ehemaligen Kurhaus im Kanton Appenzell Innerhoden ausgestattet. Hier die alte Badewanne, ein historischer Kachelofen, die 200-jährige Wendeltreppe – da modernste Technik wie Glaskeramik, Geschirrwaschmaschine und Zentralheizung. Paul Rutz sagt: «Die Verbindung von Altem und Neuem macht Spass und die Bewohner müssen trotzdem nicht auf die Annehmlichkeiten einer modernen Wohnung verzichten.» Ausserdem, so Paul Rutz, «haben die neuen Bewohner eine wunderbare Aussicht ins Grüne und auf den nahen Necker»!

Die beiden sanierten Wohnungen sind ab sofort zur Vermietung ausgeschrieben, so der Besitzer, die dritte – im Parterre – werde er in den nächsten Monaten sanieren. Das Kellergeschoss werde er künftig als Lager und Werkstatt für seine Restaurationsfirma nutzen.


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