Kampf um Bergbahnen in Toggenburg

AKTIENSTREIT ⋅ Die Toggenburger Bergbahnen machen den Bergbahnen Wildhaus ein feindliches Übernahmeangebot. Die Verwaltungsratspräsidentin Mélanie Eppenberger begründet die Offerte mit der zukunftsorientierten Entwicklung des Tourismusgebietes.
03. Juni 2017, 19:09
Julia Nehmiz
Die beiden Bergbahnen im Obertoggenburg bewirtschaften gemeinsam ein Gebiet. Nun haben die Toggenburger Bergbahnen am Samstag ein Zeitungsinserat geschaltet, in dem sie erklären, mindestens 51 Prozent der Aktien der Bergbahnen Wildhaus kaufen zu wollen. Die Begründung von Mélanie Eppenberger, Verwaltungsratspräsidentin der Toggenburger Bergbahnen: Es sei ein wichtiger, wünschenswerter Schritt für die Region. Es gehe um eine zukunftsorientierte Entwicklung des Tourismusgebietes. Der Titel des Inserates macht deutlich, womit gedroht wird: «Zur Rettung des gemeinsamen Skitickets im Obertoggenburg.»
 
Darum streiten die beiden Bergbahnen seit Jahren. Zwei AGs, ein gemeinsames Wintersportgebiet. Es geht um Geld. Mit Hilfe des Kantons einigten sich beide Bergbahnen, das gemeinsame Ticket kam zustande. Die dafür unterzeichneten Verträge laufen noch bis zur Saison 2018/19. Dann muss neu verhandelt werden.
 
25 Franken pro Aktie
Mit dem Inserat erwecken die Toggenburger Bergbahnen den Eindruck, dem vorgreifen zu wollen. Denn: Niemand wusste von den Plänen, die mittels Inserat verbreitet werden. Weder Kanton noch Tourismusverband, auch nicht die Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann. Auch die Bergbahnen Wildhaus selber erfuhren durch das Inserat, was die Schwesterbahnen vorhaben. «Das ist eine feindliche Übernahme», sagt VR-Präsident Jakob Rhyner. «Das ist rechtlich  wohl korrekt, aber moralisch verwerflich.» Für sein Unternehmen sei das Angebot der Toggenburger Bergbahnen ein Affront. Denn der Preis, den diese für eine Wildhauser Aktie zahlen wollen, lässt stutzen: 25 Franken. Man könne auch zehn Aktien der Bergbahnen Wildhaus gegen eine der Toggenburger Bergbahnen tauschen, so das Inserat. Dabei hat eine Aktie der Wildhauser Bergbahn laut Steuerwert einen Wert von 200 Franken, wohingegen die der Toggenburger Bergbahnen mit lediglich 100 Franken gelistet werden. Die Bergbahnen Wildhaus wollen nächste Woche eine Verwaltungsratssitzung einberufen und ihre rund 2000 Aktionäre informieren.

Mehr dazu morgen in der "Ostschweiz am Sonntag" und auf www.tagblatt.ch.

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