Je sechs Monate bedingt und unbedingt für Kokainhändler

LICHTENSTEIG ⋅ Das Kreisgericht Toggenburg spricht einen Kokainhändler schuldig. Der Fall wird im abgekürzten Verfahren behandelt, bei dem der Angeklagte die Darstellung des Staatsanwalts als zutreffend anerkennt.
01. Dezember 2017, 05:19
Martin Knoepfel

Es geht um eine Menge von rund 60 Gramm, also um einen schweren Fall. Ein heute 36-jähriger Montenegriner verkauft im Toggenburg und im Linthgebiet Kokain an insgesamt sieben Abnehmer. Aktiv ist er von Anfang 2015 bis zum 19. Juli 2017 – an diesem Tag kommt er für zehn Tage in Untersuchungshaft.

Der Angeklagte kauft das Rauschgift für 60 bis 70 Franken pro Gramm und löst dafür rund 100 Franken. Unter den Abnehmern sind übrigens nicht nur Junge, sondern auch ältere Personen, die zur «guten Gesellschaft» zählen. Der Mazedonier konsumiert auch selber Betäubungsmittel. Bei einer Hausdurchsuchung findet man bei ihm einen Schlagring, den er geschenkt erhalten hat. Allerdings braucht man dafür einen Waffenerwerbsschein, und dieses Papier fehlt.

Die Gerichtsverhandlung fand gestern Donnerstag im Kreisgericht in Lichtensteig statt und dauerte ohne die Urteilsberatung nur etwas mehr als eine halbe Stunde. Sie findet im abgekürzten Verfahren statt. Das bedeutet, dass der Angeklagte in der Befragung durch den Richter die Anklageschrift als richtig akzeptiert und dass sich Staatsanwalt und Verteidiger über die Höhe der Strafe einigen.

Der Angeklagte ist ein im Toggenburg lebender Büroangestellter. Momentan werde er von der Familie und von seiner Freundin unterstützt, sagt er. Er ist erwerbslos und erhält keine ALV-Gelder mehr, hat aber eine Stelle in Aussicht. Sein Ziel sei es, in Zukunft «Nägel mit Köpfen» zu machen, sagt er in der Befragung. Er habe nie viel Drogen konsumiert und nehme überhaupt keine Drogen mehr, versichert er in der Befragung. Das sei nicht schwer, wenn man keinen Kontakt mehr zu Drogenkonsumenten habe. Er habe jetzt andere Kollegen als früher. Er wolle nach Verbüssung der Gefängnisstrafe in eine andere Region zügeln, seine Freundin heiraten und eine Familie gründen, sagt der Montenegriner, der akzentfrei Dialekt spricht.
 

In allen Punkten schuldig gesprochen

Das Gericht spricht den Angeklagten schuldig der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, der mehrfachen privilegierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz – hier geht es um den Drogenkonsum – und des Verstosses gegen das Waffengesetz. Die Freiheitsstrafe beträgt ein Jahr, wobei der Angeklagte sechs Monate absitzen muss, während ihm der Rest bedingt erlassen wird. Die Probezeit dauert drei Jahre. Straferhöhend fallen mehrere Vorstrafen des Angeklagten ins Gewicht, während das vollständige und frühe Geständnis strafmildernd wirkt. Eventuell kann der Montenegriner die Freiheitsstrafe in Halbgefangenschaft verbüssen. Den künftigen Arbeitgeber habe er darüber informiert, dass ihm das Gefängnis drohe. Das sagt der Angeklagte in der Befragung.

Zur Freiheitsstrafe kommen eine bedingte Geldstrafe von 20 mal 30 Franken wegen des Schlagrings und eine Busse von 150 Franken als Strafe für den Drogenkonsum. Deutlich mehr dürften den Angeklagten die Verfahrenskosten von über 12 000 Franken schmerzen, die er ebenfalls bezahlen muss. Schliesslich erhält der amtliche Verteidiger ein Honorar von gut 4200 Franken. Das ist ein Sozialtarif. Wenn der Montenegriner wieder Geld hat, muss er dem Kanton diesen Betrag und dem Anwalt die Differenz zum ordentlichen Honorar zurückzahlen.

Der Staatsanwalt ist für die Verhandlung dispensiert. Der Verteidiger plädiert nur kurz und weist darauf hin, dass die Voraussetzungen für die Mindeststrafe erfüllt seien. Es gebe keinen Anlass, vom Urteilsvorschlag abzuweisen, betont der Richter in der Kurzbegründung des Urteils.

Zu wenig Kokain für Landesverweis

Die obligatorische Landesverweisung ist in diesem Fall kein Thema, da der aus Montenegro stammende Angeklagte seit dem Inkrafttreten der neuen Regelungen über die Landesverweisung weniger als 18 Gramm reinen Kokains verkauft hat. Das hat der Staatsanwalt im Urteilsvorschlag festgehalten. Die Delikte seit dem 1. Oktober 2016 würden eine fakultative Landesverweisung nicht rechtfertigen, heisst es weiter. Der Verteidiger bittet darum, dass der Verzicht auf den Landesverweis im Urteil erwähnt wird. Die Landesverweisung könne aber ein Thema werden, wenn der Angeklagte weitermache wie bisher. Das gibt der Richter diesem mit auf den Heimweg.mkn


Leserkommentare

Anzeige: