«Integration ist in Bazenheid sichtbar»

STARTHILFE ⋅ Verschiedene Organisationen, Initiativen und Personen setzen sich in Bazenheid dafür ein, die ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger gut in die Gesellschaft zu integrieren.
04. Oktober 2017, 05:20
Beat Lanzendorfer

Die mediale Berichterstattung der vergangenen Tage rund um die «Traube» im Bazenheider Weiler Bräägg hat zu Diskussionen geführt, ob die ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger ausreichend in die Gesellschaft inte­griert sind. Das «Toggenburger Tagblatt» bat Personen, die aktiv an der Integration mitwirken, aufzuzeigen, was in Bazenheid für ein gutes Zusammenleben gemacht wird.

 

Urs Marti. Zoom

Urs Marti.

Urs Marti, Leiter Soziales der Gemeinde Kirchberg: Nebst der finanziellen Unterstützung fördert die Sozialhilfe auch die Integration von Ausländerinnen und Ausländern. Diese erfolgt insbesondere durch persönliche Beratung und Angebote wie Deutschkurse und Arbeitsintegrationsprogramme. Im Bereich Asyl/Flüchtlinge bestehen zusätzlich Angebote wie die Vorlehre, Integrationskurse und Arbeitstrainings. Auch die soziale und kulturelle Integration ist wichtig. Als Beispiel dafür wird der in- und ausländischen Bevölkerung mit dem von der Integrationskommission der Gemeinde Kirchberg organisierten «Fest der Begegnung», welches am 18. November in Bazenheid stattfindet, eine Plattform geboten. Generell gilt, dass für eine erfolgreiche Integration das Mitwirken aller, sowohl der Einheimischen wie der Migrantinnen und Migranten selbst, unabdingbar ist.

 

Michael Sutter. Zoom

Michael Sutter.

Michael Sutter, Gemeinderat Bazenheid: Nebst der Arbeit der Gemeinde erfolgt sehr viel durch Privatpersonen. Beispielsweise die Leiterinnen der Spielgruppe «Chröttli» engagieren sich sehr stark, damit auch Kinder mit Mi­grationshintergrund die Spielgruppe besuchen. Weiter sind die beiden grössten Vereine des Dorfes, der Fussballclub und der Turnverein, «Sport-verein-t»-zertifiziert. In diesen Vereinen wird der Ehrenkodex von «Sport-verein-t» gelebt und vieles zur Integration und Akzeptanz von Menschen unterschiedlicher Herkunft geleistet. Ich konnte durch mein Mitwirken in Vereinen Freunde aus anderen Kulturen gewinnen.

 

Magnus Brändle. Zoom

Magnus Brändle.

Magnus Brändle, Kirchberger Gemeinderatsschreiber: Die Behörden der Politischen Gemeinde Kirchberg arbeiten schon lange Jahre mit der Schule, den örtlichen kirchlichen, dörflichen, gewerblichen und industriellen Kreisen sowie den Vereinen, der Bevölkerung und vielen Einzelpersonen an einer möglichst umfassenden Integration der ausländischen Bevölkerung zusammen. Diese herausragende Zusammenarbeit hat schon zu beachtlichen Erfolgen geführt. Meiner Meinung nach hätten diese Arbeiten respektive alle diese Personen einen Integrationspreis verdient.

 

Joseph Koch. Zoom

Joseph Koch.

Joseph Koch, «Runder Tisch»/Präsident Kirchenverwaltungsrat Bazenheid: Auf Drängen des «Runden Tisches» hat die Gemeinde Kirchberg vor rund sechs Jahren die offizielle Kommission für Integrationsfragen eingesetzt. Diese hat Teile der Aufgaben des «Runden Tisches» übernommen. So wurde ein Gotti-/Götti-System eingeführt. Jeder Neuzuzüger aus dem Ausland erhält einen Götti zugeteilt, welcher im Dorf integriert ist und die Landessprache des Neuzuzügers spricht. Dieser Götti zeigt ihm dann das Dorf und erklärt ihm die wichtigsten Gegebenheiten und Vorschriften (Abfall, Glasentsorgung und weiteres). Die Schule Bazenheid hat ein Programm installiert, in welchem die Eltern und die Kinder möglichst frühzeitig Deutsch lernen. Der «Runde Tisch» organisiert dieses Jahr wieder zusammen mit der Kommission für Integrationsfragen am 18. November ein grosses Fest der Begegnung im Eichbüel. Im Restaurant Bahnhof sitzen täglich Schweizer und Ausländer, auch solche mit dunkler Hautfarbe, gemütlich am gleichen Tisch.

 

Ernesto Grosso. Zoom

Ernesto Grosso.

Ernesto Grosso, Juniorenobmann FC Bazenheid: Beim Fussballclub sind alle herzlich willkommen, egal welcher Nation, Kultur oder Glaubensgemeinschaft sie angehören. Fussball ist die ideale Sportart, um Menschen jeder Altersklasse zusammenzuführen, denn im Fussball wird Integration gelebt. Bei diesem Sport spielen Sprach- oder Glaubensbarrieren keine Rolle, denn die Kinder oder auch Erwachsenen wollen nur miteinander Fussball spielen und erfolgreich sein.

 

Margrit Stadler. Zoom

Margrit Stadler.

Margrit Stadler, von 1996 bis 2015 St. Galler Kantonsrätin und seit 40 Jahren in Bazenheid wohnhaft: Aus meiner Sicht leistet die Schule den grössten Anteil an Integrationsmassnahmen, dies seit 40 Jahren und sehr erfolgreich. Auch die Vereine, vor allem der Fussballclub, sind mit «Sport-verein-t» sehr aktiv in Sachen Integration. In diesem Jahr hat «Gemeinde Kirchberg bewegt» zum Thema Integration zwei Anlässe organisiert, ich denke da zum Beispiel an den Besuch der Moschee in Wil, welcher sehr gut besucht war. Die positiven Auswirkungen guter Integrationsmassnahmen sind in Bazenheid direkt sichtbar. Das Zusammenleben funktioniert, wir haben sehr wenige negative Vorfälle im Dorf.

 

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Denise Huber.

Denise Huber, Gemeinderätin Müselbach, Präsidentin Kommission Integration: Die Kommission für Integration bietet seit sechs Jahren das Gotti-/Götti-Konzept an für alle Migrantinnen und Migranten in der Gemeinde Kirchberg. Dies zum gegenseitigen Wohl und Verständnis für das gemeinsame Zusammenleben in unserer Gemeinde. Mit dem Gedanken einer Willkommenskultur, verbunden mit einer Erwartungskultur unsererseits, bemüht sich das Gotti-/Götti-Konzept mit unseren freiwilligen Mitwirkenden, die Migrantinnen und Migranten in unsere Gewohnheiten und Strukturen zu integrieren und damit vertraut zu machen. Diese Angebote werden gerne angenommen und entsprechen einem echten Bedürfnis.

 

Anja Siller Hunkeler. Zoom

Anja Siller Hunkeler.

Anja Siller Hunkeler, Primarschullehrerin Bazenheid: Die Schule bietet zum einen das Domino. Ein Projekt, bei dem die Eltern oder eine andere Begleitperson mit den Kindern vor der Schule Deutsch lernen. Zum anderen gibt es die Flex-Klasse. Aus dem Ausland zugezogene Kinder gehen in dieser während rund sieben Wochen in den Deutschunterricht, bevor sie in die Regelklasse voll- oder teilintegriert werden. In der Regelklasse ergibt sich dann auch in anderen Fächern vermehrt der Kontakt mit den deutschsprachigen Kindern, was das Erlernen der Sprache erleichtert. Für die Kinder ist die Nationalität hier sowieso kein Thema. Viel wichtiger ist, dass sie Freunde und Kollegen an der Schule finden.


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