Gesundbrunnen aus der Natur

NEUHEITEN ⋅ Mit zwei neuen Kneippwegen wird den Menschen das Naturerlebnis im obersten Toggenburg näher gebracht. Deren Basis sind die fünf Säulen von Sebastian Kneipp – über 100 Jahre alt und trotzdem nach wie vor aktuell.
03. Juni 2017, 05:20
Adi Lippuner

Adi Lippuner

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Wer Sebastian Kneipp hört, denkt zuerst an Wasseranwendungen. Tatsache aber ist, dass seine Lebens- und Heilweise, trotz der Entstehung vor über 100 Jahren, heute aktueller denn je ist. Und genau da haken die Initianten der Obertoggenburger Kneippwege ein. Bei Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) geht es um Lebensordnung, Wasser, Ernährung, Bewegung und Heilkräuter.

Der bereits bestehende Barfussweg von Wildhaus zur Bergstation Gamplüt wurde mit «Rund um den Stein», einem Weg, der von der Bergstation Gamplüt und wieder dorthin zurückführt, und dem «Weg des Wassers» mit Start bei der Bergstation Gamplüt und Ziel beim Kräutergarten in Alt St. Johann ergänzt. Projektleiter Alois Ebneter, Edith Meyer, Präsidentin Kneipp Verein Toggenburg, und Gisela Seiler, Leiterin Kloster-Kräutergarten in Alt St. Johann gaben gestern Einblick in das Leben und Wirken des berühmten Pfarrers und seine Lehre. Gisela Seiler zeigte am Beispiel von Brennnessel, Spitzwegerich und Ackerschachtelhalm auf, wie vielfältig Pflanzen, wirken können. «Was bei vielen einfach Unkraut ist, hat Heilwirkungen, die oft unterschätzt werden.» Bei der Brennnessel sind es die verschiedenen Mineralien wie Kalzium, Kieselsäure und Eisen, aber auch ihre Wasser treibende Wirkung, die bei verschiedenen Leiden helfen. Früher wurden die Brennnesseln auch zur Herstellung von Stoffen und Schnüren genutzt.

Bestehende Wege wurden genutzt

Edith Meyer brachte den Eröffnungsgästen die Lebensordnung, der heutige Begriff dafür wäre «Work-Life-Balance», näher. «Bei Sebastian Kneipp sind Leib, Seele und Geist eine untrennbare Einheit, gerade wenn es um Gesundheit und Heilung geht. In der Kneipp-Methode werden daher die biorhythmische Ordnung unseres Lebens ebenso beachtet wie die Kräfte, die unsere Seele und unseren Geist stärken. Seelische Ausgeglichenheit sowie das Bewusstsein im Umgang mit sich und anderen sind Bedingungen für Gesundheit», zitierte die Kneipp-Fachfrau eine der fünf Säulen. Erlebniswege wie die beiden neuen Kneipp-Wege wurden in die Natur des obersten Toggenburgs eingebettet. «Wir haben weitgehend bestehende Wanderwege genutzt und wo es zusätzliche Verbindungen brauchte, konnten wir auf die Unterstützung der Politischen Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann und die Mitarbeitenden des Bauamts zählen», blickt Alois Ebneter auf die Entstehungsgeschichte zurück. Nicht zu vergessen die Privatinitiative von Lina und Peter Koller, den Besitzern von Bahn und Berggasthaus Gamplüt. «Dank ihrer Initiative wurde die Umsetzung des ersten Kneippwegs möglich», so Alois Ebneter.

Informationstafeln geben Einblick ins Leben von Sebastian Kneipp oder erklären die be­sonderen Orte und ihre Entstehungsgeschichte. So ist beispielsweise im Chämmerlitobel über die dortige Galerie bei den Thurwasserfällen zu lesen: «Ernst Waldburger baute die Galerie mit der obersten Aussichtsplattform im Jahre 1927, zu Beginn der Weltwirtschaftskrise.» Zudem wird die Frage gestellt, ob es sich um einen Kraftort handeln kann. «Ist dieser mystische Ort, wo im Frühling oder nach einem Gewitter die Wassermassen so wuchtig in die Tiefe stürzen, ein Kraftort? Wie nehmen Sie die Energie wahr?» Mit dieser Frage sollen Wandernde dazu angeregt werden, sich mit sich selbst und ihrer Befindlichkeit zu befassen.


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