Der Scherenschnitt-Streit muss nicht vor Gericht entschieden werden

MOSNANG ⋅ Im Urheberrechtsstreit um die Verwendung ihrer Scherenschnittmuster hat sich Jolanda Brändle mit einem Aargauer Stoffproduzenten geeinigt. Dafür musste sie aber mit einer Klage drohen. Die Nachahmungen verschwinden nun aus den Verkaufsregalen.
07. Dezember 2017, 16:25
Beat Lanzendorfer
Hartnäckig war die Nebeldecke, die Mosnang in den letzten Tagen einhüllte. Genauso hartnäckig verteidigte Jolanda Brändle die Urheberrechte ihrer Scherenschnittmuster. Ihre Beharrlichkeit hat sich ausbezahlt. Nach zähen Verhandlungen einigten sich die Parteien aussergerichtlich. Vorausgegangen war ein Urheberrechtsstreit, in dem Brändle der Firma Novitex Fashion AG vorgeworfen hat, widerrechtlich Stoffe mit ihren Scherenschnittmustern bedruckt zu haben. 
 

Drei Verhandlungsrunden bis zur definitiven Einigung

«Die Geschäftsführung der Firma Novitex Fashion AG war anfangs der Meinung, dass meine geforderten Lizenzgebühren viel zu hoch seien», sagt Jolanda Brändle. «Mein Anwalt hat die Gegenseite dann dahin gehend informiert, dass ProLitteris, die schweizerische Urhebergesellschaft für Literatur und bildende Kunst, den Ansatz bei nachträglich beantragten Lizenzgebühren um 100 Prozent erhöht.» Der definitiven Einigung waren drei Verhandlungsrunden vorausgegangen. «Erst als wir der Gegenseite klar machten, dass wenn bis am 1. Dezember keine Einigung erzielt werde, wir meine Rechte auf dem Zivil- und Strafrecht einfordern werden, kam Bewegung in die Sache.» 


Die Leute wurden sensibilisiert

Die Einigung sieht vor, dass Jolanda Brändle für die Umsatzeinbusse entschädigt wird. Zudem ist die Novitex Fashion AG dafür verantwortlich, dass der Stoff aus den Verkaufsregalen verschwindet. Dies geschieht mit einer Rückrufaktion. «Um welche Mengen es sich handelt, kann ich nicht sagen, denn trotz mehrmaliger Aufforderung hat sich die Novitex Fashion AG standhaft geweigert, genaue Zahlen bekannt zu geben.» Mit der vereinbarten Lösung kann die Mosnangerin leben. Was passiert mit dem Stoff? «Ich fände es etwas übertrieben, wenn er vollständig vernichtet würde. Ich habe mich damit einverstanden erklärt, ihn kostenlos der Caritas zur Verfügung zu stellen», sagt die Scherenschnittkünstlerin.

Was zieht Jolanda Brändle aus dieser Erfahrung für Rückschlüsse? «Ich hatte unzählige Rückmeldungen von Kundinnen und Kunden, die mich moralisch unterstützt haben. Wichtig ist, dass die Menschen auf das Thema sensibilisiert worden sind, viele sind nämlich nach wie vor der Meinung, das Internet sei ein Selbstbedienungsladen. Seit der Ausstrahlung im Kassensturz vom Dienstag, 24. Oktober und der Veröffentlichung tags darauf in unserer Zeitung habe ich häufig telefonische Anfragen, bei denen sich die Leute erkundigen, wie das Vorgehen ist, wenn man ein von mir hergestelltes Scherenschnittmuster verwenden möchte.» Dankbar ist der Toggenburger Künstlerin auch der 500 Mitglieder zählende «schweizerische Verein Freunde des Scherenschnitts». Nicht zum ersten Mal sah sich eines der Mitglieder mit Urheberrechtsverletzungen konfrontiert. «Ich bin froh, dass die Sache nun aus der Welt ist, denn die letzten Wochen haben Nerven und Kraft gekostet», sagt Jolanda Brändle abschliessend, die ab sofort ihre Energie wieder darauf verwenden kann, neue Scherenschnittmuster zu kreieren.

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