Einem funktionierenden Zusammenleben Sorge tragen

KOMMENTAR ⋅ "Menschen, die andere Menschen grundlos verachten, dürfen kein Verständnis erwarten, schon gar nicht im Vielvölkerdorf Bazenheid", sagt Redaktor Beat Lanzendorfer in seinem Kommentar.
02. Oktober 2017, 17:57
Beat Lanzendorfer
Bazenheid mit seinen rund 4500 Einwohnern und einem Ausländeranteil von gegen 40 Prozent hat in der Vergangenheit vorgezeigt, dass es den hier Lebenden mit der Integration ernst ist. Die Kommission für Integration, das Fest der Begegnung, das vielfältige Vereinsleben und der Solidarity-Treff sind vier von unzähligen Beispielen, wie den Menschen anderer Länder und Kulturkreise der Beginn ihres Aufenthalts und die Zeit danach so leicht wie möglich gemacht werden soll.

Beat Lanzendorfer, Redaktor Zoom

Beat Lanzendorfer, Redaktor

Umso verwerflicher und schändlicher ist es, wenn Menschen wegen ihrer Herkunft in einem Restaurant nicht bedient werden. Sollten die Untersuchungen bestätigen, dass Aussagen wie «wir bedienen keine Neger» tatsächlich so gemacht wurden – und alle Indizien deuten darauf hin – verlangt dies nach Konsequenzen. Menschen, die andere Menschen grundlos verachten, dürfen kein Verständnis erwarten, schon gar nicht im Vielvölkerdorf Bazenheid.

Auch ein anderer Aspekt der Geschichte sorgt in Bazenheid für Kopfschütteln. Stefan Diener, Präsident der SP Alttoggenburg, lässt sich zur Aussage hinreissen, Bazenheid tue sich allgemein schwer mit dem hohen Ausländeranteil. Ein Schlag ins Gesicht aller, welche seit Jahrzehnten die Probleme aktiv angehen. Die Aussage entspricht auch schlicht nicht der Wahrheit. Er tut dies, obwohl er ausserhalb des Dorfes wohnt und kaum im Dorf anzutreffen ist. Immerhin hat Diener seine Aussage mittlerweile relativiert. Aber der Schaden ist angerichtet.

Auch eine dritte Partei muss sich hinterfragen, die Mitglieder des Kultur-Treffs Bräägg. Viermal jährlich geniessen sie in der «Traube» Gastrecht für ihre kulturellen Anlässe. Präsident Hans «Hasä» Stadler argumentiert so: «Wir haben eine Vereinbarung mit der Erbengemeinschaft – und die halten wir ein». Damit ist das Problem nicht gelöst, höchstens auf die lange Bank geschoben. Der Kulturverein würde gut daran tun, zum Fall eindeutig Stellung zu beziehen. Andernfalls lässt sich ein Imageschaden kaum mehr abwenden.

Das Zusammenleben in Bazenheid funktioniert. Wir alle können dafür Sorge tragen, dass das so bleibt.

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