Der gute Geist der Burg

WATTWIL ⋅ Seit 2016 gibt es in Wattwil einen Verein, der sich für den Erhalt der Burg Iberg engagiert. Ein Panoramabild soll bald zeigen, wie Wattwil im Mittelalter ausgesehen haben könnte.
16. August 2017, 05:17
Martin Knoepfel

Als Nächstes werden Joey Isenring und eine Bekannte ein Panorama malen, das zeigt, wie Wattwil im Mittelalter ausge­sehen haben könnte, «mit wenig Häusern und viel Wald», wie der 20-jährige Wattwiler erläutert. Dabei muss man der Fantasie natürlich etwas Auslauf gewähren, denn aus jener Zeit stammende Bilder der Toggenburger Landschaft sind keine bekannt. «Eventuell werden wir die Burg Bärenfels malen», sagt Joey Isenring. Die Burg Bärenfels stand auf dem rechten Ufer der Thur auf der Panneregg. Das Panorama soll im Metallrahmen, der im Innenhof des Schlosses Iberg steht, montiert werden.
 

Maturaarbeit über die Burg Iberg

Der Wattwiler Joey Isenring hat als Kind mit Playmobil-Burgen gespielt und mit seinen Eltern zahllose Burgen besucht. Er ist seither und bis heute von diesen Wehrbauten und vom Mittelalter fasziniert. «Es ist ein riesiger Zufall, dass in Wattwil eine so schöne Burg steht», sagt er. In seiner Maturaarbeit hat er sich mit der Geschichte der Festung beschäftigt und 2016 den Verein Burg Iberg gegründet. Der Verein ist langsam, aber stetig gewachsen und zählt gegenwärtig rund 40 Mitglieder.

Das wichtigste Ziel besteht darin, zum Erhalt der Burg Iberg als prägendem Element der Kulturlandschaft beizutragen. Weiter möchte sich der Verein im Rahmen seiner Möglichkeiten bei der Erforschung der Geschichte der Burg und der Nutzung der Burg im Rahmen eines sanften Tourismus engagieren.

Dem Vereinsvorstand gehö­ren neben Joey Isenring (Präsident) noch Gabriel Baal (Kassier) und Romi Herbst (Aktuarin) an. Bekanntestes Vereinsmitglied dürfte der Schweizer Schriftsteller Peter Weber sein. Da das Mittelalter momentan wieder voll im Trend ist – es geht von den zahllosen Mittelaltermärkten bis hin zu den einschlägigen Fernsehsendungen, auch auf Schweizer Kanälen – hofft Joey Isenring auf mehr Mitglieder für den Verein.
 

«Es gibt noch viel zu tun»

Die Gemeinde tue einiges für die Burg, sagt er. So habe sie 2011 die Fassaden und Wände restauriert und 2016 den Zugang verbessert. Vor wenigen Wochen seien die Holzläden des Holzbalkons innen abgeschliffen worden, um sie von Graffiti zu befreien. Trotzdem gebe es noch viel zu tun, sagt Joey Isenring. So verunstalten zahl­reiche Graffitis Wände und Fussböden. Das zeigt sich bei einem Lokaltermin. Die Schmierereien sind sichtlich mehrere Jahre alt und stammen wohl aus der Zeit, da der Burghof nachts zugänglich war und zeitweise einen Treffpunkt für Drogenkonsumenten und Drogenhändler bildete.

Beim Lokaltermin wird zugleich die Begeisterung von Joey Isenring für das Wahrzeichen von Wattwil deutlich. Er weist auf den Ansatz eines Tonnengewölbes und auf Lüftungsschlitze – «das sind keine Schiessscharten» – im Wohnturm hin. Er deutet auch auf ein zugemauertes Fenster.
 

Im Mittelalter lag der Eingang höher

Der heutige Eingang vom Innenhof her sei beim teilweisen Wiederaufbau 1902 entstanden, sagt Joey Isenring. Früher sei der Eingang in einem höheren Stockwerk gewesen, sagt Joey Isenring und weist auf den Zementmörtel hin, den man im Mittelalter noch nicht kannte, auf Spuren von Schalungen im Zement und auf die eingeritzte Jahreszahl 1902 in der Wand bei der Eingangstüre.

Im Buch über die Zentrumsgemeinde Wattwil heisst es zudem, dass der heutige Eingang der Burg sich dort befindet, wo im Mittelalter wahrscheinlich der Kerker war. Der Steinbau ist feuersicher und diente später dem Abt von St. Gallen dazu, Schätze sicher aufzubewahren.

Joey Isenring hat sodann eine neue Grillstelle entworfen. «Die heutige sieht traurig aus», sagt er. Er hat auch einen neuen Metallriegel für die Türe zur Stube im zweiten Obergeschoss gezeichnet. Der Riegel ist in Arbeit. Der Verein wird dafür aufkommen. Die neue Grillstelle, neue Abfalleimer und neue Holzlatten für die Sitzbänke werde dagegen die Gemeinde bezahlen.

Kontakt

Berglistrasse 47, 9630 Wattwil
www.burg-iberg.chverein@burg-iberg.ch


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