Das Toggenburg setzt sich Ziele

TOGGENBURG ⋅ Der Entwurf für ein überarbeitetes Raumkonzept macht eine Auslegeordnung der heutigen Situation. Zugleich werden auch Ziele definiert. Der Entwurf geht nun in die Vernehmlassung bei den Mitgliedern des Vereins Region Toggenburg.
30. November 2017, 07:00
Martin Knoepfel

Die Vereinigung Region Toggenburg mit Sitz in Wattwil hat das fast zehn Jahre alte Raumkonzept Toggenburg überarbeiten lassen. Das Konzept geht jetzt in die Vernehmlassung bei den Mitgliedern (Bericht in der Ausgabe vom 22. November). Das Konzept soll einerseits als Arbeitsinstrument für die Umsetzung neuer Ideen zur Entwicklung des Lebensraums dienen. Es analysiert andererseits die heutige Situation in Bezug auf die Siedlungen, auf das Angebot an Arbeitsplätzen sowie Erholungsräumen und auf die Erschliessung.
 

Hohe Lebensqualität als erste Kernbotschaft

Die Lebensqualität sei hoch und alle Altersschichten fühlten sich hier wohl, lautet die erste von fünf Kernbotschaften. Gewerbe und Industrie seien gut in verschiedene Branchen diversifiziert, heisst es weiter. Es gebe neben traditioneller auch technologie-getriebene Arbeitsplätze. Zusammen mit dem primären Sektor, dem Tourismus sowie Arbeitsplätzen im Bildungs- und Gesundheitswesen bildeten sie die wirtschaftliche Basis.

Festgehalten wird ebenfalls, dass die Region dank guten Bildungseinrichtungen für Familien attraktiv ist. Die Bildung- und Gesundheitseinrichtungen sollen denn auch gestärkt werden. Im Gesundheitswesen wird ein Ausbau, auch bei den Arbeitsplätzen, angestrebt. Das Raumkonzept weist zudem darauf hin, dass das Toggenburg für Touristen aus der Ostschweiz sowie aus den Regionen Zürich und Süddeutschland rasch erreichbar ist. Dabei werden auch die real existierenden Zielkonflikte nicht verschwiegen. Solche Konflikte gibt es etwa zwischen dem Tourismus oder den Neuen Erneuerbaren Energien auf der einen und dem Natur- und Landschaftsschutz auf der anderen Seite.
 

Für Verdichtung in den Streusiedlungen

Die Beziehungen zu den benachbarten Wirtschaftsräumen und die Verkehrserschliessung seien fürs Toggenburg zentral, hält das Raumkonzept sodann fest, um schliesslich darauf hinzuweisen, dass die Landschaft und der kulturelle Hintergrund die Identität prägen. Im Bereich der Siedlungsentwicklung spricht sich das Raumkonzept für eine Verdichtung im Innern – etwa durch die Schliessung von Baulücken – und eine zeitgemässe Erneuerung der Streusiedlungen aus. Die Wohnnutzung müsse fachlich begleitet werden, heisst es. Der Raum Wattwil-Lichtensteig wird definiert als ländlich-urbanes Zentrum. Ebnat-Kappel, Bütschwil und Nesslau werden als eigenständige Orte mit zentralen Funktionen genannt. Grössere Betriebe, die viel Verkehr generieren, sollen sich im Raum zwischen Bütschwil und Ebnat-Kappel konzentrieren.
 

Wünsche zum Thema ÖV und Strassenverkehr

Beim öffentlichen Verkehr werden ein Halbstundentakt Nesslau-Buchs und eine Verbindung ohne Umsteigen in die Stadt Zürich als Ziele genannt. An der Versammlung der Region Toggenburg vom 20. November war zudem kritisiert worden, dass Zugspassagiere immer wieder in Rapperswil den Anschluss nach Zürich verpassten. Laut Daniel Blatter, Geschäftsführer des Vereins Region Toggenburg, sollte aber der Bahnhofausbau in Rapperswil das Problem entschärfen.Optimierungsbedarf sehen die Autoren des Raumkonzepts beim Strassenverkehr, unter anderem auf den Strassen über den Ricken und die Wasserfluh sowie im Raum Wil. Die guten Verbindungen mit dem Individual- und dem öffentlichen Verkehr würden wesentlich zur hohen Lebensqualität beitragen.
 

Landwirtschaft soll naturnah produzieren

Die Landwirtschaft soll nach der Vorstellung des Raumkonzepts naturnah produzieren, wobei neben der Milch- und Fleischwirtschaft auch der Agrotourismus gepflegt werden soll. Wälder sollen neben ihrer Funktion als Schutz für Siedlungen und Infrastrukturen der Erholung und als Rohstofflieferanten dienen. Dabei sollen die Verarbeitung von Holz im Tal und die Produktion erneuerbarer Energien gestärkt werden. Im Tourismusbereich sollen die Sommerangebote gestärkt und die Angebote im Winter weiterentwickelt werden. Zudem seien die Anlagen zu modernisieren. Die Trägerschaften sollen konzentriert werden. Zur Strategie zählen ebenfalls die Professionalisierung der Hotels und Pensionen. Diese sollen sich nach den Vorstellungen des Raumkonzepts auf bestimmte Zielgruppen fokussieren.

Schliesslich sollen die regionalen «Leuchttürme» im Bereich der Kultur gefördert werden. Das Thema Klangwelt wird, ohne diesen Ausdruck zu verwenden, als Alleinstellungsmerkmal fürs Toggenburg genannt. Es soll besetzt und weiterentwickelt werden, nicht zuletzt im Hinblick auf die touristische Nutzung. Mit dem kulturell eng mit dem Toggenburg verwandten Appenzellerland wollen die Verfasser des Raumkonzepts zusammenarbeiten, um den Bekanntheitsgrad der Region zu erhöhen.


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