Das Gold liegt in der Wüste

BAZENHEID ⋅ Fabio Holenstein reist als Schweizer Meister der Massivholzschreiner am Sonntag nach Abu Dhabi an die Berufsweltmeisterschaften. Vom 15. bis 18. Oktober muss er im Wüstenstaat sein Können unter Beweis stellen.
05. Oktober 2017, 18:00
Beat Lanzendorfer
Es war eine intensive Zeit, die Monate zwischen November 2016 und dem Abflug am kommenden Sonntag. Bereits in der Rekrutenschule holte sich Fabio Holenstein an den Schweizer Meisterschaften vom 2. bis 6. November 2016 in Luzern den SM-Titel der Massivholzschreiner, was ihm die diesjährige Startberechtigung an den Berufsweltmeisterschaften «World Skills» eintrug. Bevor er sich allerdings wieder intensiv mit dem Rohstoff Holz beschäftigen konnte, galt es bis am 7. April den Dienst am Vaterland hinter sich zu bringen.


Zu Trainingszwecken eine Wohnung in Bex bezogen

Nach den Monaten im Tenü «Grün» erhielt der 20-Jährige die Möglichkeit, sich bei seinem Lehrmeister Alex Egli in Niederstetten in einer ersten Phase auf die Titelkämpfe vorzubereiten. Richtig ernst ist es ab dem 16. Juli geworden. Der junge Berufsmann zog ins waadtländische Bex, um sich in der Schreinerei von Roger Huwyler den letzten Schliff zu holen. Der gebürtige Ostschweizer fungiert an den World Skills als Experte und stellte Fabio Holenstein einen identischen Arbeitsplatz zur Verfügung, wie er ihn in Abu Dhabi vorfinden wird. 

Mit Beginn seines Aufenthaltes in der Westschweiz sind auch die Pläne der Prüfungsarbeiten offengelegt worden. «Wir wissen nun, dass wir in den vier Tagen ein Rahmenobjekt sowie ein 3D-Objekt in Form eines Rednerpults anfertigen müssen. Die Masse und Verbindungen können allerdings noch bis zu 50 Prozent variieren.» 

Nebst dem Training im erlernten Beruf wurden die 37 qualifizierten Schweizer Meister diverser Berufsgattungen in diesem Jahr zu vier Teamweekends zusammengezogen. Dort galt es in erster Linie den Zusammenhalt zu pflegen. Sport und Mentaltraining standen genauso auf dem Programm. Letzteres ist nicht zu unterschätzen, denn Fabio Holenstein wird in einer zweiteiligen Prüfungsarbeit während vier Tagen unter erhöhtem Druck stehen. Kommt hinzu, dass die World Skills öffentlich sind, in riesigen Hallen stattfinden und die Prüflinge ihre Arbeiten unter Beobachtung der Zuschauer und Experten anfertigen müssen. Die benötigten Werkzeuge sind übrigens längst nicht mehr in der Schweiz. «Sie und die Werkzeugkiste, die ich eigens angefertigt habe, wurden am 18. August in einen Container verladen und anschliessend verschifft», informiert Fabio Holenstein. Die Vorarbeit ist geleistet, nun müssen die jungen Berufsleute beweisen, dass sie dem Druck gewachsen sind. 


Die Familie drückt vor Ort die Daumen

Die Schweizer Delegation reist eine Woche vor den eigentlichen Titelkämpfen nach Abu Dhabi, um sich optimal mit den örtlichen Bedingungen vertraut machen zu können. An persönlicher Unterstützung wird es Fabio Holen­stein nicht fehlen. Insgesamt 25 Personen, darunter die Eltern und Grosseltern, besteigen kurz vor Beginn der Titelkämpfe den Flieger, um Fabio vor Ort die Daumen zu drücken. Sie alle hoffen, dass an der Schlussfeier am 19. Oktober der Name Holenstein Erwähnung findet. 

Abschliessend möchte er es nicht unterlassen, allen Sponsoren zu danken, die es ihm ermöglichten, sich in dieser Form auf die Titelkämpfe vorzubereiten. «Wer diese Unterstützung nicht erfährt und sich allenfalls nebst dem Berufsleben vorbereiten muss, hat eigentlich keine Chance auf einen vorderen Platz», erklärt er abschliessend.

Der Weg nach Abu Dhabi

Der Weg von Fabio Holenstein an die World Skills 2017 nahm seinen Anfang vor zwei Jahren mit der Teilnahme an der Sektionsmeisterschaft St. Gallen-Appenzell in Heiden. Bei der anschliessenden regionalen Meisterschaft zählte er zu den drei Besten, was ihn dazu berechtigte, an der Schweizer Meisterschaft teilzunehmen. Hier holte er bei den Möbelschreinern die Bronzemedaille und stand in der Kategorie der Massivholzschreiner zuoberst auf dem Podest. Der Lohn: Teilnahme an der Berufsweltmeisterschaft «World Skills 2017», an der sich Fabio Holenstein gegen weitere 24 Konkurrenten in seiner Kategorie durchsetzen muss, will er sich die Goldmedaille in der Wüste umhängen lassen. (bl)


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