Juristin aus Bütschwil bereit für den Einsatz in Kolumbien

MENSCHENRECHTE ⋅ Für die nächsten 18 Monate wird Yvonne Furrer das beschauliche Toggenburg mit den Herausforderungen in Kolumbien tauschen. Sie hat vor sieben Jahren begonnen, sich auf diesen Einsatz vorzubereiten.
02. Dezember 2017, 08:03
Adi Lippuner

Eigentlich könnte die Bankfachfrau, Juristin und Menschenrechtsexpertin aus Bütschwil in der Schweiz einen lukrativen Job annehmen und es sich gut gehen lassen. «Doch das passt nicht zu mir, ich habe mich schon als Kind und Jugendliche für Gerechtigkeit eingesetzt und will dies nun auch in Kolumbien tun», so Yvonne Furrer bei einem Treffen kurz vor ihrer Abreise. Sie wird sich als freiwillige, unbewaffnete Menschenrechtsbeobachterin engagieren. «Einzig unsere Westen und T-Shirts und, je nach Einsatz auch Flaggen mit dem Logo von Peace Brigades International (PBI), weisen vor Ort auf unsere Tätigkeit hin.»

Konkret geht es bei dem Einsatz darum, bedrohten Menschenrechtsverteidigern in Kolumbien zu begleiten. «Mir ist klar, dass ich mich nicht einmischen darf, unsere Aufgabe ist die Begleitung und damit auch der Schutz der Menschen, welche sich vor Ort für andere und ihre Rechte einsetzen.» Yvonne Furrer wird, zusammen mit einem internationalen Team als Begleitperson auftreten, dabei sein, wenn mit Opfern gesprochen wird, aber auch politische Kontakte mit Behörden auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene pflegen. «Nicht zu vernachlässigen ist bei diesem Einsatz der emotionale Aspekt, denn die Leute vor Ort und ihre Familien werden immer wieder bedroht.»
 

Schwierige Realität in Kolumbien

Anstelle der stabilen Demokratie, wie sie die Bevölkerung in der Schweiz geniessen darf, erwartet die 31-Jährige in Kolumbien ein schwieriges Umfeld: Die zunehmende Gewalt an Menschenrechtsaktivisten trotz Friedensverträgen nach jahrzehntelangem, bewaffnetem Konflikt, Drogenkartelle aber auch wirtschaftliche Interessen, welche den Lebensraum der ländlichen Bevölkerung bedrohen, sind dort traurige Realität. «Ganze Bevölkerungsgruppen werden vertrieben, ihr Recht wird mit Füssen getreten, Grossgrundbesitzer realisieren Monokulturen, beispielsweise für die Palmölproduktion und Minenbaugesellschaften setzen Projekte um bei denen Rechtsgarantien umgangen wurden.» Vor Ort gebe es zahlreiche Menschen, die sich für die Rechte dieser Bevölkerungsgruppen einsetzen und um deren Schutz geht es der PBI. «Die Präsenz vor Ort ist wichtig, denn als Freiwillige kann ich diesen Menschenrechtsverteidigern zur Seite stehen und damit ein Zeichen gegen Gewalt und Ungerechtigkeit setzen», ist die Bütschwilerin überzeugt.
 

Langjährige Vorbereitung

Vor sieben Jahren stiess Yvonne Furrer auf die seit über 35 Jahren international tätige Organisation und absolvierte ein sechsmonatiges Praktikum im PBI-Büro in Bern. Dank verschiedener Auslandaufenthalte, unter anderem während eines Monats in Kolumbien und 2011 dann für ein ganzes Jahr in Südamerika, davon drei Monate in Kolumbien, konnte sie sich auch sprachlich auf den Einsatz vorbereiten. PBI wählt die Freiwilligen sehr sorgfältig aus und bereitet diese intensiv vor. Vom Informationstag über das Einführungs-Wochenende in der Schweiz bis hin zum einwöchigen Projekt-Training kann manchmal mehr als ein Jahr vergehen. Letzteres hat Yvonne kürzlich in Spanien absolviert und ist nun bereit für den Einsatz. «Gegen Schluss ging alles ziemlich schnell, ich reise kommenden Dienstag den 5. Dezember, von Zürich via Madrid nach Bogota. Vor Ort gibt es dann weitere Einführungen und Trainings, bis ich dann anfangs kommendes Jahr meine ersten Schutzbegleitungen leisten kann.» Somit bleibe Ende Woche noch Zeit für ein Abschiedsfest mit der Familie und Freunden. «Die Familie steht hinter mir und akzeptiert, dass ich mich für die Menschenrechte engagiere und gerne reise.» Allerdings sei die Abreise kurz vor Weihnachten nicht ganz einfach, aber es gebe während des 18-Monate dauernden Einsatzes die Möglichkeit, Ferien im Heimatland zu verbringen, tröstet Yvonne Furrer sich und ihre Angehörigen und Freunde. Ausserdem unterstützt das PBI-Büro in Bern sie in ihren Vorbereitungen, während des Einsatzes und bei der Rückkehr.
 

Tolerantes Elternhaus

Sie habe in Bütschwil eine behütete Kinder- und Jugendzeit verbringen dürfen, blickt die Menschenrechtsexpertin zurück. «Unsere Eltern haben uns beigebracht, Menschen, egal welcher Herkunft, zu respektieren und dies hat mich geprägt.» Dank ihrer beiden älteren Brüder habe sie auch früh gelernt, sich durchzusetzen. «Das Gleiche galt für mein Hobby Fussballspiel. Im Verein wurden alle integriert und es galt Fairplay.» Mit ihrer jüngeren Schwester teilt Yvonne Furrer die Leidenschaft fürs Reisen. «Wir waren in verschiedenen Ländern als Backpacker unterwegs und durften vieles sehen und kennenlernen.»

Nach der Ausbildung zur Bankkauffrau folgte ein erster Freiwilligeneinsatz und dann das Studium Wirtschaftsrecht. Mit dem Masterstudium an der Universität Luzern hat sich die Juristin auf Menschenrechte und internationales Recht spezialisiert. Danach folgten Arbeitseinsätze beim Eidgenössischen Amt für auswärtige Angelegenheiten (EDA) und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit Europa (OSZE).


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