Zusammenarbeit im Schweigen

Im Kloster St. Maria der Engel in Wattwil bieten die Schwestern und Pfarrer Hans Jörg Fehle wieder Schweigewochen an. Die Nachfrage wird immer grösser. Erstmals können – da in den Schulferien terminiert – auch Lehrkräfte teilnehmen.
06. Februar 2009, 01:03

Wattwil. Am Jahreswechsel konnten das Wattwiler Kapuzinerinnen Kloster St. Maria der Engel und Pfarrer Hans Jörg Fehle auf drei Jahre gute Zusammenarbeit zurückblicken. Es begann im Frühling 2006 mit dem «Gesellenstück» der Ausbildung zum geistlichen Begleiter / Exerzitienleiter am Institut der deutschen Missionen und Orden. Inzwischen haben fünf weitere ökumenische Schweigewochen stattgefunden.

Schweigewoche

Was einen als Gedanke zunächst erschrecken mag, ist für alle Teilnehmenden ein kostbarer Freiraum geworden: Von der gemeinsamen Abendmeditation am ersten Tag bis zum Mittagessen am Schlusstag wird durchgehend geschwiegen – ausser im täglichen Gespräch mit dem geistlichen Begleiter. Im Tagesablauf sind einfache morgendliche Leibarbeit, zwei halbstündige Meditationen und das Essen gemeinsam. Sonst aber teilt man sich den Tag ein, so dass körperlicher Ausgleich und drei rund einstündige Betrachtungszeiten einen stimmigen persönlichen Rhythmus ergeben. Die Schwestern begleiten die Gruppe mit ihrer Fürbitte und teilen Essen und Eucharistie mit ihr.

Heterogene Gruppe

Die Teilnehmenden haben ihren konfessionellen Hintergrund in der katholischen und reformierten Kirche; aber auch aus einer freikirchlichen Gemeinde haben sich Personen beteiligt. Die jüngste Teilnehmerin war 25 Jahre alt; der älteste Teilnehmer 70. Menschen fanden ins Schweigen aus Arbeitsfeldern wie Haushalt und Familie; Schule, Kirche, Sozial- und Pflegeberufen usw. Vier Personen liessen sich in Wattwil schon zweimal durch eine solche Schweigezeit begleiten. Für zwei Männer in anspruchsvollen Leitungsaufgaben gehört eine solche Woche schweigender Einkehr fest zum Jahreslauf.

Re-vitalisierung aus der Stille

Auch 2009 sind wieder ökumenische Schweigezeiten ausgeschrieben – dieses Mal abgestimmt auf die Schulferien. Denn erstmals können St. Galler Lehrkräfte sich die Teilnahme an die obligatorische Weiterbildung anrechnen lassen. Die Verantwortlichen im Erziehungsdepartement kennen die Problematik, dass Lehrkräfte sich in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, mit Eltern und Behörden ständig (ent-)äussern. Das ist im Prinzip spannend; auf die Dauer aber auch zehrend, wenn die innere Kraft nicht erneuert wird und sich die eigene Berufung verwischt. Deshalb ist «Re-vitalisierung aus der Stille» angestrebt – so die Ausschreibung.

Schweigezeiten 2009

Für die Frühlings-Schweigezeit war das Interesse so gross, dass für Einzelne alternative Angebote gesucht werden mussten. In der Herberge in Baldegg mit Begleitung von Samuelle Käppeli und im Haus der Stille von Vreni Büchel und Paula Gasser in der Propstei St. Peterzell wurden sie gefunden. In der Sommer-Schweigezeit vom 4. bis 10. Juli sind noch zwei Plätze für Frauen frei. Mehr als vier Männer können nicht aufgenommen werden, weil ausserhalb der Klausur nur vier Übernachtungsmöglichkeiten bestehen. – In den beiden Herbstwochen hat es noch Platz.

Ora-et-labora-Woche

Vom 8. bis 13. März wagen die Schwestern und Pfarrer Fehle etwas Neues: Eine Ora-et-labora-Woche, beginnend mit dem Nachtessen am Sonntag und endend mit dem Mittagessen am Freitag. In dieser Woche wird jeweils von der Abendmeditation bis zum Mittagessen geschwiegen. Am Nachmittag kann gesprochen werden; denn da sollen Arbeiten in Haus und Garten verrichtet werden, die für das Kloster in Vorbereitung auf Ostern und auf den Frühling nützlich sind. Die geistliche Begleitung besteht aus einem Gespräch pro Tag und Impulsen für das Schweigen am Morgen. (hjf)

Interessierte melden sich bei Sr. Andrea, der Oberin des Klosters (071 988 10 62) oder bei H.J. Fehle, Kirchenrain 10, 9630 Wattwil (071 988 88 30 / h.j.fehle@bluewin.ch)

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