Toggenburger am Eidgenössischen

Am zweiten Wochenende sind vier Musikvereine aus dem Toggenburg ans Eidgenössische Musikfest nach St. Gallen gereist. Neben der musikalischen Standortbestimmung dient ein Musikfest als geselliger Anlass, der die Kameradschaft innerhalb und zwischen den Vereinen fördert.
27. Juni 2011, 12:30
Matthias Giger

St. Gallen. Die Musikgesellschaft Harmonie Lichtensteig hat aus St. Gallen einen besonders schönen Erfolg mitnehmen dürfen. Unter der musikalischen Leitung von Tina Egger erzielten sie mit ihrem Selbstwahlstück satte 93 Punkte (Note «hervorragend») und mit dem Aufgabestück beachtliche 82 Punkte. «Obwohl wir bereits am Kantonalen Musikfest sehr gut abgeschnitten haben, hätte ich so eine hohe Punktzahl nicht erwartet», freute sich der Präsident der MG Harmonie Lichtensteig, Patrik Wittweiler. An kommenden Musikfesten in einer höheren Stärkeklasse teilzunehmen, kommt für die MG Harmonie Lichtensteig aber nicht in Frage: «Ich denke nicht, dass wir in einer höheren Stärkeklasse antreten werden. Unsere Mitglieder sind zufrieden so wie es ist. Mir ist es lieber, in einer tieferen Klasse zu den besseren Musikvereinen zu gehören als in einer höheren Klasse zu den schlechteren», sagte Patrik Wittweiler. Die zehn Wochen Vorbereitung, welche die Lichtensteiger zur Verfügung hatten, um das Aufgabestück «Quingenti» von Vivian Domenjoz einzuüben, habe man auch gebraucht – natürlich nicht nur, um das Aufgabestück einzuüben, so Patrik Wittweiler. Der Auftritt in der Linsebühl-Kirche war von der Akustik der Kirche her ziemlich anspruchsvoll. Dieses Wettkampflokal verzieh es den Musikern nicht, wenn sie zu laut spielten. «Es spricht aber für eine Musikgesellschaft, wenn sie in einem akustisch schwierigen Wettkampflokal gut abschneidet», meinte Patrik Wittweiler.

Ebnat-Kappel dreimal «sehr gut»

Nicht lumpen liessen sich auch die Mitglieder der Musikgesellschaft Harmonie Ebnat-Kappel. Zwar schwangen sie nicht oben- aus wie ihre Stärkeklasse-Kolleginnen und Kollegen aus Lichtensteig, aber auch ihre Resultate konnten sich sehen lassen. Im Aufgabestück, im Selbstwahlstück und in der Parade erhielten sie von den Experten der Jury jeweils die Note «sehr gut» (80 bis 89 Punkte).

Standortbestimmung und Fest

Zufrieden waren sie auch: «Wir haben das Bestmögliche gegeben», sagte der Dirigent Lorenz Halter. Im Gegensatz zu den Lichtensteigern konnten die Ebnat-Kappler nicht die vollen zehn Wochen für das Eidgenössische üben. «Wir waren noch mit der Frühlingsparty mit Neuuniformierung beschäftigt. So blieben uns noch acht Wochen, um uns gezielt auf das Eidgenössische Musikfest in St. Gallen vorzubereiten», sagte die Präsidentin Sonja Zollinger.

Neben der musikalischen Standortbestimmung seien die Musikfeste und Kreismusiktage immer auch willkommene gesellige Anlässe, so Dirigent Lorenz Halter. Das gemeinsame Feiern schweisse die Mitglieder zusammen und fördere die vereinsübergreifende Kameradschaft, meinte er. Der Festcharakter zeigte sich auch darin, dass die MG Lichtensteig am Sonntag in St. Gallen noch ein privates Quartierständchen gab.

In der schriftlichen Bewertung, welche die Jury den Musikvereinen zustellt, seien auch Hinweise enthalten, in welchen Bereichen noch Verbesserungspotenzial besteht. «Daraus und aus den eigenen Erfahrungen ziehe ich Schlüsse und bringe diese in zukünftige Vorbereitungen ein», erläuterte Lorenz Halter. Was vergangen ist, könne man nicht mehr ändern. Er versuche sich aber gemeinsam mit dem Mitgliedern der MG Harmonie Ebnat-Kappel zu verbessern. Auch er ist überzeugt, dass Wettkampfglück an Musikfesten eine gewisse Rolle spielt: «Das Lokal, die Tagesform und die Akustik, sie alle können das Resultat beeinflussen. Aber mit diesem Problem kämpfen alle Vereine», sagte er. Wie in allen Prüfungssituationen herrsche auch am Eidgenössischen Musikfest vor dem Konzert Nervosität. «Die zeigt man zwar nicht, aber man merkt sie schon beim Spielen», gesteht Lorenz Halter.

Nicht nur unter den Teilnehmern und Zuschauern fanden sich Toggenburgerinnen und Toggenburger. Auch vom einen oder anderen Imbissstand, von Streckenposten oder Moderatorinnen in den Wettkampflokalen wurde man von Toggenburgern gegrüsst.


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