Seifen sind eine dufte Sache

Seife ist nicht gleich Seife. Lisa Galli aus Nassen setzt voll und ganz auf Naturseifen und stellt diese selber her. Für sie ist die Herstellung einer guten Seife eine gelungene Kombination von Hingabe, Kreativität und Konzentration.
13. Dezember 2008, 01:05
Melanie Graf

Nassen. Der Duft der durch das Haus zieht, erinnert an frisch gewaschene Hände, Sauberkeit und Wohlbefinden. Mit einer Schutzbrille auf der Nase und einem weissen Labor-Kittel steht Lisa Galli in ihrer Küche. Ganz vorsichtig schöpft sie mit einem Löffel ein weisses Pulver in einen Massbecher, der auf einer Küchenwaage steht. Dann mischt sie das Abgewogene mit kaltem Wasser. Die Natronlauge beginnt zu kochen. Galli wägt Kakaobutter, Kokos- und Palmfett ab und bringt das Fett in einer Pfanne langsam zum Schmelzen.

Dann fügt sie Oliven- und Rapsöl hinzu. Aus einer geöffneten Flasche dringt der Geruch von Zitronengras. Das ätherische Öl misst sie genauestens ab. Genauigkeit und Sauberkeit seien für sie das oberste Gebot in der Naturseifenherstellung, sagt sie. Überhaupt seien dies die Voraussetzungen für eine gelungene Seife. Um dem Namen Naturseife gerecht zu werden, verwendet Galli zur Färbung der Seife Farbpigmente natürlichen Ursprungs. Für diese Seife benutzt sie gelbe Farbe.

Seifenherstellung im Blut

Galli hat unzählige Weiterbildungen absolviert. Unter anderem in Aromatherapie. Dies käme ihr bei der Seifenherstellung zugute, erklärt sie. Für jede Seife benutze sie andere Öle oder Düfte und jede Seife bestehe aus einem anderen Rezept. Das ätherische Öl sei ein Duftträger, der nicht nur gut riechen würde, sondern auch seine Wirkung entfalte. Konservierungsstoffe kämen nicht in Frage, sagt Galli. Sie sei kritisch und habe die Haltbarkeit ihrer Seifen selber getestet. Dabei habe sie eine Seife abwechslungsweise extremer Hitze und Kälte ausgesetzt. Erst nach sieben Monaten habe die Seife begonnen, ranzig zu werden.

Allergien, Ekzeme, Hautausschläge – viele Menschen sind von Hautkrankheiten geplagt. So auch Lisa Galli, die ihr Leben lang schon unter Neurodermitis leidet. Ihre Mutter habe ihr vor einigen Jahren gezeigt, was eine Naturseife bewirken kann, sagt die Frau mit spanischen Wurzeln und schmunzelt: «In Frankreich und Spanien hat die Naturseifenherstellung vielerorts eine alte Familientradition», so Galli und bedauert sogleich, dass viele Leute die Naturseife oft mit der Kernseife verwechseln würden. Diese löse oft Erinnerungen an unangenehmen Geruch und kratziges Hautgefühl aus. Die Kernseife werde im Gegensatz zur Naturseife ausgekocht, erklärt sie.

In ihrer Seifenküche habe sie Seifenrezepte für ihre Naturseife ausgetüftelt, sich in Archiven schlau gemacht und sich der ganzen Chemie angenommen. Ihre Kreativität habe unzählige Seifen zum Vorschein gebracht, die sie alle verschenkt habe. Die Rückmeldungen der Beschenkten hätten ihr gezeigt, dass sie mit ihren Mischungen auf dem richtigen Weg sei. Sie habe die Seifen in Labors testen lassen und achte darauf, dass die Zutaten in ihrer reinsten Form verseift werden. Sie selber vertraue auf ihr Rezept und benutze nur noch ihre Naturseife. «Viele Leute wissen gar nicht, dass man Seife auch zum Duschen, Rasieren oder für die Haare benutzen kann». Das nachträgliche eincremen nach dem Duschen oder das eincremen des Gesichts würde wegfallen, so Galli. Die immer grösser werdende Kundschaft würde ihr recht geben. Seit Februar geht die Herstellerin mit ihren «Mona Lisa Soaps» an die Öffentlichkeit.

Seife wie Käse und Wein

Lisa Galli trägt die abgewogenen Zutaten in den Keller. In der hellen Werkstatt stehen die Formen für die Seifen, Schüsseln und ein Mixer bereit. Sie mischt nun die ätzende Natronlauge mit dem Öl und mixt die Flüssigkeit mit dem Stabmixer. Die ätzende Lauge beginnt sich mit dem Öl zu binden und zu neutralisieren. Der Verseifungsprozess erzeugt Wärme und es entstehen Kristallsalze, kurzum die Seife. Die gelb eingefärbte Flüssigkeit verdickt sich langsam. «Ich benutze reinstes Natriumhydroxid, daher habe ich zwischen extrem wenig und einer halben Stunde Zeit, bis die Seife fest wird», sagt Galli, die sich trotz des Zeitdrucks nicht aus der Ruhe bringen lässt.

Sie füllt die Masse in Orchideenformen. Nach dem Einfüllen verstreicht Galli die überschüssige Seife mit einem Spachtel. Danach wird die Form mit einer Styrodurplatte und einer Decke abgedeckt. Das sei eine Isolation. Denn nur bei der richtigen Temperatur könne der Verseifungsprozess zu Ende geführt werden.

Mit dieser Seife könnte man sich am nächsten Tag bereits die Hände waschen. Doch wie beim Käse und beim Wein ist Zeit und Lagerung wichtig. Die Seife würde sich ohne Lagerung zu schnell abnutzen. Darum lagern sie – je nach verwendeter Rezeptur – bis zu einem halben Jahr in einem dunklen, kühlen und trockenen Raum und verbreiten so ihren Duft im ganzen Haus.

Für weitere Informationen: www.seifenkreationen.ch

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