Die tapferen Schneiderinnen

Etappe 6 im Lichtensteiger Krimijahr – die Kostümbildnerinnen Daniela Müller und Denise Riss greifen zu Nadel und Faden. Das Schneiderinnen-Duo war schon bei «Heinrich und Henrietta» mit von der Partie.
25. Juni 2009, 01:04
Michael Hug

Lichtensteig. Nun bekommt das Krimi-Freilichtspiel um die nackte Leiche im Städtli Schritt für Schritt sichtbare Konturen. Die Proben laufen schon seit Februar, bis anhin in der alten Lichtensteiger Turnhalle, entzogen von den Blicken der Öffentlichkeit. Doch dann und wann liess Regisseur Paul Steinmann sein Ensemble bereits auf dem Goldenen Boden, dem Ort der Aufführung im August und September, auftreten. Gemäss Probenplan wird dies in den kommenden Wochen öfters der Fall sein, gutes Wetter vorausgesetzt. Doch den nackten Mann, soviel sei allfälligen Voyeuren verraten, wird man dabei nicht sehen. Der wird erst an der Premiere seine Bedeutung erhalten.

Identifikation über Kleidung

In den nächsten Tagen werden die Darstellenden öfters Besuch von Denise Riss und Daniela Müller erhalten. Die beiden Kostümbildnerinnen haben sich ins Drehbuch vertieft und sich zusammen mit dem Regisseur Gedanken gemacht, wer wie ausgestattet wird. Denise Riss: «Wir kleiden die Damen und Herren so ein, dass sie sich eindeutig unterscheiden, und zwar der aktuellen Zeit gemäss.» Also keine wallenden Röcke und steife Hemden wie bei «Heinrich und Henrietta».

Die beiden Kostümbildnerinnen aus Flawil waren beim letzten Freilichtspiel des Kultur- und Verkehrsvereins im Jahr 2005 auch schon dabei: «Das Besondere an diesem Stück ist, dass die Szenen schnell wechseln. Man sieht die Figuren nur kurz und darum müssen sie eindeutig identifizierbar sein. Das geschieht auch über das was sie anhaben.»

Nur im Doppelpack

Denise Riss stammt ursprünglich aus Wattwil und lebt seit einiger Zeit in Flawil. Sie hat Damenschneiderin gelernt und arbeitet hauptberuflich als Theaterschneiderin am Stadttheater St. Gallen: «Ich habe Daniela vor neun Jahren bei einem Musical kennengelernt und gesehen, dass wir uns gut ergänzen. Seither arbeiten wir zusammen, ich mache die Schneiderarbeiten. » Daniela Müller lacht: «Uns gibt es nur im Doppelpack. Ich mache das Kaufmännische in unserem Kleinunternehmen.» Müller hat das Handelsdiplom und ist Mitarbeiterin in einem Second-Hand-Shop: «Das ist sozusagen die Quelle, aus der wir unseren Fundus komplettieren.» Die eine näht, die andere macht das Administrative. Ideen entwickeln, Stoffe auswählen, gebrauchte Kleidungsstücke zusammentragen, Mass nehmen – das Kreative macht das Duo gemeinsam.

Aus dem Fundus ausgraben

Die meisten Kostüme für die 22 Darstellenden des Kriminalspiels «Angst, Haas und Seitensprünge» werden die beiden aus ihrem Fundus in Flawil ausgraben. Da bleibt viel Anpassungs- und Komplettierungsarbeit. Und immer wieder muss anprobiert werden. Der Regisseur gibt jeweils sein Urteil ab – insgesamt ein zeitraubender Prozess. Doch Riss und Müller kennen sich im Milieu des Theaters aus: «Es ist chaotisch und braucht Geduld, aber zur Premiere klappt es meistens doch.» Eine Organisationsfrage, meinen die beiden. Die Sommerferien werden dabei aber wohl draufgehen: «Die Leidenschaft macht allen Unbill wett.»


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