«Die Suche ist kinderleicht»

TOGGENBURG. Am 15. Dezember wird auf der Sellamatt in Alt St. Johann eine Trainingsanlage für die Lawinenverschüttetensuche eröffnet. Benutzen kann sie jedermann. Es werden auch spezielle Kurse organisiert.
09. Dezember 2014, 09:05
CHRISTIANA SUTTER

Es hat frisch geschneit. Die Wettervorhersage verspricht für die kommenden Tage Wintersportwetter, in den Bergen ist mit starken Winden zu rechnen. Mit dieser Prognose sollten die Warnglocken bei Tourenskifahrern, Freeridern, Schneeschuhläufern oder Personen, welche sich aus beruflichen Gründen in gefährdeten Gebieten in den Bergen aufhalten, läuten. Denn Schneeverwehungen können sich ansammeln, und eine Lawine könnte von einem einzelnen Skifahrer ausgelöst werden. Damit sich jedermann für solche Situationen rüsten kann, entsteht auf der Sellamatt die Toggenburger Lawinenverschüttetensuchgeräte-Trainingsanlage (LVS-Trainingsanlage). Es ist jedoch unumgänglich, dass man sich vorgängig im Internet oder vor Ort über die aktuelle Lawinensituation informiert.

Wissen für die Sicherheit

Peter Diener aus Wildhaus, Leiter der Alpinen Rettung Wildhaus/Amden, Norbert Fischbacher aus Unterwasser, Bergführer und Mitglied der Alpinen Rettung, und Daniel Forrer, Entwickler des Lawinenverschüttetensuchgerätes (LVS) Barryvox der Firma Mammut aus Ulisbach, haben sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen und die 20 000 Franken teure Anlage mittels Fremdkapital von Sponsoren und Gönnern finanziert. Die drei Toggenburger sind für das Know-how zuständig und engagieren sich für den korrekten Umgang mit einem LVS-Gerät. Aus beruflichen Tätigkeiten haben Diener, Fischbacher und Forrer einen guten Einblick in den Bereich Sicherheit, Risiko und Unfälle.

Handhabung ist einfach

Oft kommt das Training mit den LVS zu kurz. «Ich hatte schon länger die Idee, eine Trainingsanlage aufzustellen», sagt Forrer. Dabei handelt es sich um eine stationäre Installation während der Wintersaison. Dieses System gibt es bereits 19mal in der Schweiz. In der Ostschweiz sind in den Flumserbergen, dem Pizol und in Malbun solche Anlagen installiert. Die LVS-Trainingsanlage im Toggenburg ist mit zehn Geräten die grösste in der Ostschweiz. Oft werden die Anlagen durch die Bergbahnen betrieben. Diejenige auf der Sellamatt von den drei Spezialisten Diener, Fischbacher und Forrer. Sie wird von ihnen aufgebaut und unterhalten. Im Trainingsgelände werden auf einer Fläche von ungefähr 100 mal 100 Meter die Plastikboxen mit den Barryvox in rund einem Meter Tiefe im Schnee vergraben. «Wir werden die Standorte der Boxen sicher öfters verschieben», sagt Forrer. Denn durch das Herumlaufen auf dem Schnee wird dieser hart gepresst, oder es gibt zu viele sichtbare Spuren, die zu den sendenden Zielen führen könnten.

Das Trainingsgebiet liegt etwas abseits der Piste, denn es sollen keine Störquellen das Suchen der Geräte beeinträchtigen. Auf der Trainingsanlage wird der Umgang mit dem LVS und den Sondierstangen für ein breites Publikum unter realistischen Bedingungen geübt. «Die Handhabung des Barryvox ist einfach, muss aber trotzdem immer wieder geübt werden», sagt Forrer. Das LVS sei auch so gebaut, dass es gegen äussere Einwirkung und Wasser resistent ist.

Der Ablauf auf der Trainingsanlage ist mit Tafeln bebildert und kann von den Teilnehmern selber bedient werden. Auf Knopfdruck beginnen die vergrabenen Sender zufällig ein Signal zu senden. Das LVS ortet den Sender und die Suche kann beginnen. «Die Suche ist kinderleicht», sagt Daniel Forrer, «und erst noch kostenlos.» Zurzeit gibt es noch kein Reservationssystem, «diesen Winter sammeln wir Erfahrungen.»

Lokales Engagement

Die Trainingsanlage kann von allen benutzt werden, sei es von Einzelpersonen oder von Gruppen. «Nach Bedarf auch mit Unterstützung von uns», sagt Forrer. Unumgänglich für die Kameradenrettung sind: Barryvox, Sondierstangen und eine Schaufel. Denn nach einem Lawinenniedergang ist die Rettung von verschütteten Personen innerhalb der ersten 15 Minuten überlebenswichtig und am erfolgreichsten. Wer nicht im Besitz einer Grundausrüstung ist, kann diese bei lokalen Sportgeschäften mieten. Sport Metzger in Wattwil sowie auch Sport-Treff in Unterwasser bieten spezielle Lawinenkurse für ihre Kunden an. Daniel Forrer lässt es sich nicht nehmen, ab und zu selber an Kursen anwesend zu sein. «Für mich ist der Kontakt zur Basis wichtig, egal ob Einsteiger oder Experte, denn dort erhalte ich Rückmeldungen vor Ort.»

Die Raiffeisenbank Obertoggenburg, die regionalen Sportgeschäfte, Sportartikelfirmen, das Berggasthaus Sellamatt sowie der SAC Toggenburg und SAC Uzwil unterstützen die Toggenburger Anlage finanziell. Auch Skiclubs oder andere Institutionen unterstützen die Anlage in Alt St. Johann. Beispielsweise der SSC Toggenburg. Denn dieser bietet keine Tourenausbildung für seine Mitglieder an, «dafür engagieren wir uns finanziell an der Trainingsanlage», sagt Präsident Martin Lusti.

Am 13. und 14. Dezember sind bereits die ersten Kurse auf der LVS-Trainingsanlage. Offiziell eröffnet wird sie am Montag, 15. Dezember.


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